6 Tricks, um introvertierte Mitarbeiter zu motivieren

Wenn Sie die selbe Gruppe von Kollegen mehr als einmal beim Mittagessen sehen, werden Sie eines feststellen: Sie erkennen Muster. Einige sitzen immer neben dem Chef, einige unterhalten sich ständig. Einige dagegen nicken nur stumm und halten sich im Hintergrund. Weil diese introvertierten Mitarbeiter sich durch ein ruhiges Wesen auszeichnen, werden sie von den Vorgesetzten oft übersehen – schließlich gibt es immer jemanden, der lauter ist. Als Manager sollten Sie Wege finden, um introvertierte Mitarbeiter zu motivieren. Denn in ihnen schlummern ungeahnte Potenziale.

Introvertierte Mitarbeiter motivieren

Es ist wichtig für Führungskräfte, das Naturell introvertierter Mitarbeiter zu verstehen. Immerhin gibt es in fast jedem Team jemanden, der ruhig und besonnen ist, und anderen den Vortritt lässt. Experten schätzen sogar, dass beinahe die Hälfte aller Menschen introvertiert ist.

Doch sind introvertierte Mitarbeiter nicht nur zurückhaltend und unaufdringlich – sie arbeiten auch lieber in kleinen Gruppen oder ganz für sich. Zudem packen sie am liebsten nur eine Aufgabe auf einmal ein, die sie anschließend gründlich erledigen. Bevor sie den Mund aufmachen oder handeln, denken sie gründlich nach.

Unter der ruhigen Oberfläche des introvertierten Mitarbeiters verbirgt sich ein Ausmaß an Ehrgeiz, Disziplin, Bedachtsamkeit und Kreativität. Es liegt also an Ihnen, dieses Potenzial zu entfesseln, ihm eine Bühne zu geben. Mit diesen 6 Tricks können Sie introvertierte Mitarbeiter motivieren.

1. Gruppe oder einzeln: Finden Sie die Balance

Entgegen der allgemeinen Auffassung und laut aktuellen Studien, erreicht man mit Brainstorming weniger originelle Idee. Ein Grund dafür liegt darin, dass introvertierte Mitarbeiter sich in einem Gruppenumfeld nur schlecht öffnen können und gewagte Ideen so lieber für sich behalten. Mit diesem Wissen im Hinterkopf sollten Sie als Führungskraft Mitarbeiter mehr als einmal auffordern, Ideen zu teilen.

Brainstorming in der Gruppe und offene Diskussionen sind eine ideale Methode, um extrovertierte Mitarbeiter auf Hochtouren zu bringen – sie haben kein Problem damit, laut zu denken und Risiken einzugehen.

Dennoch sollten Sie Ihr Brainstorming mit einer Methode verbinden, die es auch den introvertierten Mitarbeitern erlaubt, ihre Ideen kundzutun – anonym, auf einen Zettel notiert, zum Beispiel. So können auch sie ihre Ideen frei entfalten.

Bedenken Sie auch, dass nicht alle Projekte im Team bearbeitet werden müssen. Introvertierte Mitarbeiter arbeiten am effektivsten alleine – solange die Aufgaben und Erwartungen klar definiert sind. Überlegen Sie also genau, welche Projekte Sie Einzelpersonen anvertrauen und welche im Team effezienter erledigt werden können – versuchen Sie, ein Gleichgewicht zu finden.

2. Fordern Sie Vorbereitung

Einer der Gründe, warum introvertierte Mitarbeiter ihre Meinung in Meetings oft für sich behalten, ist die Tatsache, dass sie zu wenig Zeit haben, Informationen zu verarbeiten und Schlussfolgerungen zu ziehen. Viel zu oft geht es in Meetings Knall auf Fall: Informationen werden geteilt, diskutiert, Entscheidungen getroffen – und das alles in rascher Folge. Dabei haben nicht nur introvertierte Mitarbeiter einen deutlichen Nachteil. Es schadet auch dem Unternehmen, da der Entscheidungsprozess den wertvollen Input ruhigerer Mitarbeiter ignoriert.

Um dies zu vermeiden, sollten Sie bereits ein bis zwei Tage zuvor eine Agenda für Ihr Meeting herumschicken und Hitnergrundinformationen und – material bereistellen. Bitten Sie Ihre Mitarbeiter, sich vorzubereiten und bestimmte Punkte der Agenda schon im Vorfeld zu durchdenken. So können Sie auch introvertierte Mitarbeiter motivieren und geben Ihnen die Gelegenheit wohldurchdachte Ideen und Meinungen zu präsentieren.

3. Fordern Sie Feedback ein

Rücken Sie introvertierten Mitarbeitern nie direkt nach einem Meeting auf die Pelle, um ihn nach seiner Meinung zu fragen. Der Kollege oder die Kollegin braucht vielleicht noch etwas Zeit, um eine Situation zu durchdenken, bevor sie darauf reagieren kann. Erklären Sie Ihrem Team lieber, dass Sie dessen Feedback regelmäßig hören wollen. Dazu können Sie beispielsweise wöchentliche Emails herumschicken, in denen Sie die Ereignisse der vergangenen Woche zusammenfassen und um Fragen, Meinungen und Anregungen bitten.

4. Delegieren Sie die richtigen Aufgaben

Als Führungskraft sollten Sie die Stärken und Schwächen introvertierter und extrovertierter Mitarbeiter verstehen, damit Sie Aufgaben und Projekte richtig verteilen können. Introvertierte Mitarbeiter geben mitunter hervorragende Redner ab – solange sie sich angemessen vorbereiten können.

Spontane Reden oder Q&A’s sind ihnen dagegen oft ein Graus. Wollen Sie also einen Kunden mit einer Präsentation beeindrucken, so sind Sie gut beraten, wenn der introvertierte Mitarbeiter sich des vorbereiteten Teils annimmt – den Q&A Teil dagegen sollten Sie einem extrovertierten Mitarbeiter überlassen.

Während der Extrovertierte gerne mit seinem Umfeld interagiert – und das möglichst viel – benötigt der Introvertierte täglich Zeit, in der er sich alleine seinen Aufgaben widmen kann. Der Schluss liegt also nahe: Schicken Sie den extrovertierten Mitarbeiter öfter zu Meetings oder Veranstaltungen und erlauben Sie dem introvertierten Mitarbeiter, sich regelmäßig zurückzuziehen und sich auf seine Aufgaben zu konzentrieren.

5. Schaffen Sie ein gutes Arbeitsumfeld

Introvertierte Mitarbeiter arbeiten hochkonzentriert – das funktioniert am besten, wenn sie hinter sich eine Tür zumachen können. Dass viele Büros heutzutage offen sind, ist daher ein Problem. Wenn möglich, sollten Sie unterschiedliche Arbeitsumfelder bereitstellen. Ruhige Büros für eigenständige Arbeit, Orte für kleinere Gruppenarbeiten und größere Räume für Gruppendiskussionen oder Meetings. Sinnvoll kann es auch sein, Mitarbeiter für bestimmte Projekte und Tätigekeiten ins Home Office zu schicken.

6. Zollen Sie Anerkennung

Introvertierte Mitarbeiter sind nicht unbedingt schüchtern, doch sie stellen sich selbst nur ungern in den Mittelpunkt. Dadurch fällt es ihnen schwer, andere auf ihre Leistungen aufmerksam zu machen. Hier sollten Sie als Führungskraft eingreifen. Jeder Mitarbeiter sollte für seine Leistungen angemessen gewürdigt werden.

Das wirkt sich positiv auf ihre Motivation aus und ist einer Beförderung zuträglich. Introvertierte Mitarbeiter wollen genau wie andere beruflichen Erfolg haben – behalten Sie ihre Leistungen also im Blick, auch wenn der Kollege ihnen seine Erfolge nicht aufs Butterbrot schmiert. Vielleicht müssen Sie ihren Mitarbeiter hin und wieder dazu auffordern, seine Leistungen zusammenzustellen oder eine Selbstbeurteilung fordern. Anschließend können Sie diese diskutieren – privat, natürlich.

Eine wichtige Führungsaufgabe liegt darin, alle Talente im Team zu Bestleistungen anzuspornen, um Probleme anzugehen und Innovationen voranzutreiben. Wenn Sie sich Zeit nehmen, herauszufinden, wie Ihre Mitarbeiter ticken – und ob sie eher introvertiert oder extrovertiert sind – werden Sie wissen, wer welche Aufgaben am besten und effizientesten erledigt.

Letzlich hängt Ihr Erfolg also davon ab, wie gut Sie Ihre Mitarbeiter einschätzen können und ob es Ihnen gelingt, die zurückhaltenden, introvertierten Mitarbeiter zu motivieren.

Über die Autorin:

Kate RodriguezKate Rodriguez arbeitet als freie Marketing-Texterin in München. Sie besitzt mehr als 20 Jahre Erfahrung in öffentlichen und privaten Organisationen, wo sie als internationale Handelsanalytikerin für die US-Regierung tätig war und als Karrierecoach an einer Universität arbeitete. Dort spezialisierte sie sich auf internationale Karriere. Zuletzt arbeitete Kate für Experteer – zunächst im Kundenservice, anschließend als Online Marketing Manager.