Anforderungen an Führungskräfte

Anforderungen an Führungskräfte: Welche Kompetenzen braucht ein Manager?

„Es gibt keine schlechten Mannschaften. Es gibt nur schlechte Offiziere.“ Bereits Napoleon Bonaparte stellte die grundlegende Notwendigkeit einer guten Führungskraft für die Leistung eines Teams – oder, auf die Wirtschaft übertragen, für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens – heraus. Doch gerade heutzutage muss ein Manager nicht nur Chef, Vorbild, Respektsperson sein, sondern auch Motivator, Sparringpartner, Mentor. Die Anforderungen an Führungskräfte sind damit reichlich komplex, die Frage „welche Kompetenzen braucht ein Manager“ aktueller denn je.

Über die Plattform Managerfragen.org haben wir erfahrene Führungskräfte um ihre Meinung hinsichtlich der Anforderungen an Führungskräfte gebeten.

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Veränderte Umwelt, veränderte Anforderungen an Führungskräfte

Unsere Umwelt ist einem stetigen Wandel unterworfen, der sich nicht nur in veränderten gesellschaftlichen Werten, sondern auch in schwer kalkulierbaren wirtschaftlichen Handlungsmustern widerspiegelt. Wir leben in einer sogenannten „Netzwerkgesellschaft“, in der die natürliche Grenze zwischen Produzent und Konsument zunehmend verschwimmt – Wortneuschöpfungen wie „Prosument“ bezeugen dies. Immaterielle Güter wie Wissen und Informationen – noch vor wenigen Jahrzehnten zugangsbeschränkt – sind durch technische Innovationen wie das Internet nun für beinahe jedermann frei zugänglich. Das Ergebnis dieser Entwicklungen offenbart sich in veränderten Machtstrukturen, denn: In der modernen Netzwerkgesellschaft verhalten sich Rezipienten keinesfalls passiv. Vielmehr herrscht ein gesteigertes Partizipationsbedürfnis, das eine stärkere Einbindung des Konsumenten in gesellschaftliche und wirtschaftliche Prozesse erfordert.

Die „Mentalität der Interaktion“ wird bei der Generation Y, den jungen Arbeitnehmern von heute, besonders deutlich. Wer als Führungskraft in der Verantwortung steht, ein Team aus Digital Natives zu leiten, muss sich daher mit den Bedürfnissen dieser besonderen Generation auseinandersetzen. Anders als vor dreißig Jahren, ordnen Mitglieder der Generation Y ihr Privatleben nicht konsequent der Karriere unter. Viele glauben an die Vereinbarkeit von beruflichem Erfolg und privater Selbstverwirklichung.

In beruflicher Hinsicht erwarten sie neben einem aktiven Mitspracherecht nicht nur ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit, sondern auch eine angemessene Bezahlung. Das ergab eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung über zukunftsfähige Führung.

Führung 3.0: Diese Kompetenzen braucht ein Manager

Der Arbeitnehmer von heute ist somit nicht mehr besonders pflegeleicht, möchte man meinen. Manager benötigen ein hohes Maß an Sozialkompetenz, um ihrer Führungsverantwortung gerecht zu werden. Gleichzeitig müssen sie sich auf die gewandelten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen einstellen. Die Anforderungen an Führungskräfte haben damit deutlich an Komplexität gewonnen. „Die einfachste Form der Führung, command & control,  hat schon lange ausgedient und reicht bei weitem nicht mehr aus um der Geschwindigkeit, Flexibilität und den sozialen Anforderungen in den Märkten gerecht zu werden“, formuliert Stephan Grabmeier, Geschäftsführer der Innovation Evangelists GmbH.

Fachwissen und ein guter Draht zu den Mitarbeitern

Erfolgreiche Führung ist zu einem Drahtseilakt zwischen fachlichen, organisatorischen und persönlichen Qualifikationen geworden. „Eine Führungskraft sollte neben der Kenntnis einschlägiger Managementtechniken ein umfassendes Wissen seines Fachbereichs haben“, erläutert Sascha Röber von der Schön Klinik Verwaltung GmbH. Sie müsse weniger die Funktion eines „Obersachbearbeiters“ einnehmen, sollte aber durch ihren Erfahrungsschatz in der Lage sein, die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter so präzise einzuschätzen, dass sie jedes Teammitglied optimal einsetzen kann. Auch die soziale Kompetenz hat sich als wichtige Führungskomponente herauskristallisiert – ein direkter Draht zum Mitarbeiter sei entscheidend für die Einschätzung der Stärken und Schwächen des Einzelnen, so Röber.

Wertschätzung und ein positives Arbeitsklima

Überdies beeinflusse die soziale Kompetenz des Managers die Qualität des Arbeitsklimas. „Aus einem positiven Arbeitsklima ergeben sich positive Folgeeffekte. Mitarbeiter gehen lieber zur Arbeit, wenn sie sich wertgeschätzt fühlen – beispielsweise durch eine Feedbackkultur. Wer gerne zur Arbeit geht, macht weniger Fehler. Erfolg wiederum motiviert und wird durch ein Lob der Führungskraft noch verstärkt“, erklärt Sascha Röber und ergänzt, dass den Führungskräften in Unternehmen dafür auch die richtigen Rahmenbedingungen zur Verfügung gestellt werden müssen. Dazu gehört zum einen Zeit, sich um die Entwicklung von Mitarbeitern zu kümmern, zum anderen benötigen sie ein harmonisches und produktives Arbeitsumfeld.

Für Führungskräfte, die von Mitarbeitern als „Humanfaktor“ denken, kann sich Dr. Jörg Böttcher von der HSH Nordbank nicht erwärmen. Ein guter Vorgesetzter müsse seinen Mitarbeiter als Menschen schätzen: „Mir sind die Vorgesetzten suspekt, die bei Betriebsversammlungen von einem ‚Rädchen im Getriebe‘ sprechen oder verlangen, dass die ‚Maschinerie geölt‘ werden müsse.“ Ein offener und ehrlicher Umgang zwischen einer Führungskraft und ihren Mitarbeitern sei essentiell für eine produktive Zusammenarbeit.

Wertschätzung ist ein weiterer zentraler Faktor, den Manager in ihrem Führungsstil berücksichtigen sollten. Nicht nur ein gesteigertes Stresslevel, sondern auch mehr Fehltage und erhöhte Kündigungsraten können Folgen mangelnder Anerkennung am Arbeitsplatz sein. Ein gelegentliches Lob für gute Leistungen schadet daher nicht. Das sieht auch Böttcher so. „Mitarbeiter schätzen es, wenn man nicht nur dann ein Arbeitsgespräch führt, wenn etwas nicht so gut funktioniert hat, sondern auch einmal positives Feedback erhält.“ Damit bleiben zumindest einige Anforderungen an Führungskräfte unverändert.

Führung als kollektive Entscheidungsfindung

Dennoch entwickelt sich die moderne Führung immer weiter zu einem Balanceakt – müssen doch so viele intrinsische und extrinsische Faktoren beachtet werden. Erfolgreiche Führung, so heißt es, sei ein Ergebnis kollektiver Entscheidungsfindung. Für Manager bedeutet das, die richtige Balance zu finden zwischen Führen und Verantwortung abgeben, zwischen Leiten und Einbinden, zwischen Kontrolle und Vertrauen.

Der moderne Chef führt seine Mitarbeiter folglich in einem Spannungsfeld kontrastierender Werte. Er muss auf die gewandelten Bedürfnisse seines Teams eingehen und zugleich mit der Beschleunigung der Arbeitswelt Schritt halten. Die Anforderungen an Führungskräfte sind heutzutage nicht ohne. Das Positive: Sozialkompetenz ist die halbe Miete. Wer also den nächsten Karriereschritt anstrebt, sollte aufmerksam auf das hören, was sein Team zu sagen hat.

Auf dem Portal Managerfragen.org können Sie die Antworten der befragten Manager noch einmal vollständig nachlesen. Dort erfahren Sie auch, in welche weiteren Diskussionen sich diese eingebracht haben. Wir bedanken uns für die hochinteressanten Perspektiven und Einschätzungen!



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