Vorsicht vor der Scaramucci-Falle

Geben Sie an – aber clever!

Dass Sie beruflich vorankommen, wenn Sie das Rampenlicht scheuen, ist unwahrscheinlich. Doch die Kunst beim öffentlichen Auftritt liegt in einer gewissen Raffinesse und Subtilität – eine Tatsache, die der frisch gefeuerte Kommunikationschef des Weißen Hauses, Anthony Scaramucci, nicht verstanden hat.

Clever angeben

Wie rückt man sich ins rechte Licht ohne arrogant zu wirken? Diese Tipps hätten auch Anthony Scaramucci geholfen.

“Wie werde ich ihn los – in 10 Tagen” ist nicht nur eine romantische Komödie aus dem Jahr 2003 – für Anthony Scaramucci aus dem Weißen Haus wurde dies unlängst Realität. Nach nur zehn Tagen als Kommunikationschef wurde “The Mooch” gefeuert. Über die Gründe lässt sich bislang nur spekulieren, doch seine spezielle Art, sich in Szene zu setzen, hat sicherlich damit zu tun. In einem inzwischen heiß-diskutierten Gespräch, das Scaramucci mit dem Journalisten Ryan Lizza vom New Yorker führte, prahlte “The Mooch” mit seiner Kompetenz. Sehr zum Ärger der anderen Schlüsselfiguren im Weißen Haus. Natürlich ist es wichtig, seine Erfolge und Fähigkeiten herauszustellen – aber auf die smarte Art.

Schmaler Grat zwischen Blender und Charismatiker

Der Grat ist schmal zwischen einer dynamischen charismatischen Führungskraft und einem narzisstischen Selbstdarsteller. Angeber ohne fachliche Substanz gibt es in jedem Unternehmen: Sie schmücken sich gerne mit fremden Federn, kennen kein anderes Thema als ihre Erfolge und lassen meist andere die Arbeit für sich machen. Sie stellen sich in jedem Meeting in den Mittelpunkt, haben zu allem etwas zu sagen und trumpfen mit übertriebenen Management-Buzzwords auf.

Positiv auffallen mit Teamgeist und Authentizität

Fallen Sie positiv statt negativ auf! Glaubwürdige, charismatische Führungskräfte punkten nicht nur mit einem ansprechenden Äußeren, guten Umgangsformen und einem gesunden Selbstbewusstsein, sondern auch mit einer positiven, einnehmenden Ausstrahlung und Begeisterung. Sie bekommen Aufmerksamkeit und erzeugen Anziehungskraft, weil sie echte Kompetenz, Werte, Moral und Eigenverantwortung ausstrahlen. Erfolgreiche Charismatiker wirken glaubwürdig, authentisch, setzen realistische Ziele, motivieren ihre Mitarbeiter und leben als positives Vorbild.

Karriereberater Dr. Bernd Slaghuis weiß, wie man sich im Berufsumfeld positionieren sollte.

Wie gibt man an, ohne arrogant zu wirken?

„Sprechen Sie über Ihre Erfolge und trauen Sie sich, im Job auch auf etwas stolz sein zu dürfen“, rät Karriereexperte Dr. Bernd Slaghuis. „Ihre innere Haltung entscheidet darüber, ob Sie als arrogant und eingebildet oder aber als stolz und selbstsicher rüber kommen.“ Aus seiner Erfahrung als Karriere- und Business-Coach kennt Slaghuis die wichtigsten „Do’s and Don‘ts“ für smarte Angeber:

4 Dinge, die Sie als Blender entlarven

  • Vermeiden Sie direkte Vergleiche mit Kollegen oder gar dem Chef. Niemand möchte hören, welch toller Hecht Sie sind und gleichzeitig selbst als Versager dastehen.
  • Wärmen Sie Ihre Erfolge von gestern nicht bei jeder Gelegenheit auf. Es nervt Ihr Umfeld, wenn Sie ständig über Ihre goldenen Zeiten vor fünf Jahren sprechen.
  • Seien Sie weder selbstherrlich noch überheblich, sondern bleiben Sie mit Ihrem Chef und den Kollegen wertschätzend auf Augenhöhe. Vielleicht hatten ja auch sie etwas dazu beigetragen, dass Sie am Ende erfolgreich waren?
  • Der Ton macht die Musik! Führen Sie Ihre Kollegen nicht vor oder machen sie Sie nicht vor Dritten schlecht, um sich selbst ins rechte Licht zu rücken. Dieses Eigenlob stinkt!

4 Dinge, die smarte Angeber tun

  • Klarheit schaffen: Wenn es Ihnen wichtig ist, dass Ihr Chef oder die Kollegen Ihre Leistungen anerkennen und wertschätzen, dann fordern Sie dies auch ein. Machen Sie Ihre Leistung sichtbar, etwa im Team-Meeting oder im Gespräch mit Ihrem Chef und bitten Sie um Feedback. Zum Feedback kann jedoch auch Kritik zählen, damit müssen Sie dann auch umgehen können.
  • Sachlich bleiben: Spielen Sie nicht mit den Gefühlen anderer. Bleiben Sie bei der Sache und erklären Sie, was Sie zum Erfolg beigetragen haben. Rechtfertigungen machen Sie hingegen schwach.
  • Team wertschätzen: Auch wenn Sie maßgeblich zum Erfolg beigetragen haben, arbeiten Sie in einem Team. Zeigen Sie Ihren Kollegen und auch dem Chef, dass Sie auch deren Arbeit und die Zusammenarbeit mit ihnen wertschätzen.
  • Gut dosieren: Ihre starke Selbstpräsentation wirkt, solange sie nicht zur Gewohnheit wird. Wer täglich acht Stunden davon spricht, welch toller Typ er ist, der wird auch nicht mehr gehört, wenn es mal echte Erfolge zu feiern gibt.

Die richtige Selbstdarstellung ist der Schlüssel für den Weg nach oben. Verzichten Sie darauf, sich egoistisch ins Rampenlicht zu stellen, bei Ihren Erfolgen zu dick aufzutragen und die Leistungen anderer kleinzureden. Schätzen Sie auch die Arbeit Ihrer Kollegen wert und überzeugen Sie durch Kompetenz und Authentizität – dann nimmt es Ihnen auch niemand übel, wenn Sie über Ihre Erfolge sprechen.