Arbeitsrecht

Beruflicher Rechtsschutz: Ich minimier‘ dann mal das Risiko!

Sie stehen in vorderster Front und treffen täglich Entscheidungen von großer Tragweite. Aber wenn es hart auf hart kommt und Ihre Entscheidung falsch war, haften Sie dafür. Wie Sie sich schützen? Mit einer Manager-Versicherung.   

Manager-Versicherung

Als Manager treffen Sie täglich Entscheidungen – und für die können Sie haftbar gemacht werden. Anwalt Steffen Rohrig erklärt, wie Sie sich schützen können.

Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hatte in den letzten Jahren nicht wirklich viel zu lachen. Der ehemalige Top-Manager saß wiederholt auf der Anklagebank. Unter anderem in einem Untreueprozess. Doch Middelhoff konnte sich zumindest in einer bedrohlichen Situation recht entspannt zurücklehnen. Die Beugehaft blieb ihm erspart – weil seine Manager-Versicherung eine Haftungsgarantie übernahm. In Höhe von 3,4 Millionen Euro. Manager-Versicherung? Die gibt es in der Tat. Und sie ist für viele Führungskräfte im beruflichen Alltag nicht mehr wegzudenken. In diesen wohlklingenden Terminus verpacken die Marketing-Experten das sperrige Wortungetüm der guten, alten Berufsrechtsschutzversicherung. Warum gerade die für Manager, Geschäftsführer oder Vorstände keine schlechte Idee ist? Damit Streitfälle oder eine Haftung am Arbeitsplatz nicht zum finanziellen Desaster werden.

Was kann mir denn schon passieren?

Natürlich sind Sie kein Thomas Middelhoff. Aber dennoch kann Ihnen arbeitsrechtlich so einiges widerfahren. Eine Berufsrechtsschutzversicherung hilft beim Deckeln finanzieller Risiken, die aus Konflikten im Arbeitsverhältnis entstehen. Bei arbeitsrechtlichen Verfahren, wenn Sie etwa gegen die Kündigung Ihres Arbeitgebers vorgehen, zahlen Sie auch dann die Anwaltskosten, wenn Sie den Prozess gewinnen. Aber es drohen auch bei der Haftung erhebliche Risiken, wie Steffen Rohrig, Fachanwalt für Arbeitsrecht, weiß: „Die meisten Rechtsordnungen weltweit sehen auch die persönliche Haftung von Personen vor, selbst wenn scheinbar nur Gesellschaften miteinander in Kontakt getreten sind. Außerdem wollen Unternehmen aus vielerlei Gründen häufig eine finale Haftung auf einzelne Personen abwälzen. Deshalb müssen Führungskräfte und Organe von Gesellschaften grundsätzlich ständig mit einer Inanspruchnahme rechnen. Und wegen der hohen Streitwerte sind die Kosten in aller Regel sehr hoch.“

Was ist bei der Wahl der Versicherung zu beachten?

In der Regel tritt der volle Schutz bei vielen Versicherungen erst nach einer Karenzzeit von drei Monaten ein. Neutrale Vergleichsportale helfen bei der ersten Orientierung, einen individuellen Vergleich für die jeweilige Situation ersetzen sie nicht. Eine Berufsrechtsschutzversicherung greift u. a. in folgenden allgemeinen Streitfällen:

  • Lohnzahlungen bleiben aus
  • Probleme mit fehlerhaftem Arbeitszeugnis
  • ungerechtfertigte Abmahnung
  • Kündigungsschutzklagen
  • Abfindungen
Steffen Rohrig über die Manager-Versicherung

Wie schützen sich Manager, wenn sie verklagt werden? Rechtsexperte Steffen Rohrig gibt Tipps.

Experte Steffen Rohrig empfiehlt: „Die beste und vielleicht auch teuerste Versicherung hilft nicht, wenn der angezeigte Sachverhalt nicht vom Versicherungsschutz umfasst ist. Und häufig wird der Versicherungsschutz abgelehnt, weil man die Versicherung nicht auf dem neuesten Stand gebracht hat. Insoweit gilt nach jeder relevanten Änderung, dass der Rechtsschutz-Partner nicht nur unverzüglich zu informieren ist, sondern dass die Versicherung auch diesen Weg „mitgeht“. Ansonsten besteht die Gefahr, dass man etwas versichert und bezahlt, was man gar nicht (mehr) benötigt. Und das, was man benötigt, ist dann nicht versichert.“ Eine Rechtsschutzversicherung kann grundsätzlich nicht rückwirkend abschlossen werden.

Die Manager-Versicherung

Führungskräfte und Manager stehen oftmals in vorderster Front und sind nicht nur deshalb besonders angreifbar. Sie treffen vielmehr täglich Entscheidungen von großer Tragweite, sind als Menschen dabei natürlich vor Fehlern nicht gefeit. Noch dazu haften sie im Unternehmen für ihre Entscheidungen und tragen außerdem die strafrechtliche Verantwortung für ihr Tun. Geschäftsführer und auch Führungskräfte sollten daher einen speziell gestalteten Berufsrechtsschutz abschließen. Rechtsanwalt Steffen Rohrig rät dabei zu folgendem Vorgehen: „Es empfiehlt sich zunächst, in Erfahrung zu bringen, ob Ihr Unternehmen nicht auch eine spezielle Versicherung für Manager und Geschäftsführer unterhält (häufig Directors&Officers-Versicherung genannt). Fehlt diese unternehmensseitig bezahlte Versicherung gänzlich oder fehlen gewisse Teile wie Strafrechtsschutz, Vermögensschaden-Rechtsschutz oder Anstellungsvertragsrechtsschutz, sollten Sie diese speziellen Bausteine auch einzeln dazu buchen. Wie gesagt: Der Vertrag muss zur aktuellen Tätigkeit passen und ändert sich die Tätigkeit, muss der Vertrag angepasst werden.“

Über den Autor

joergurbachJörg Peter Urbach ist Autor, Redakteur und Blogger aus Sprachleidenschaft. Seit mehr als 25 Jahren schreibt er. Für Print und Online. Konzepte. Geschichten. Fachartikel. Nach seinem Studium der Musikwissenschaft, Germanistik und Literaturwissenschaft arbeitete Jörg Peter als Editorial Manager im klassischen Musikbusiness. Als langjähriger Chefredakteur des Portals wissen.de weiß er, wie man Leser begeistert und Themen findet.

Heute berät er Unternehmen zu den Themen Content Marketing und Digitale Kommunikation. Wenn der gebürtige Kieler nicht schreibt, durchwandert und fotografiert er die Alpen. Oder lauscht der Oper. Mit Achtsamkeit.



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