Hat er eine neutrale Rolle?

Der Headhunter: Zwischen Bewerber und Unternehmen

Headhunter vermitteln zwischen Bewerber und Unternehmen und müssen dabei zwei Seiten zufrieden stellen. Der Zwiespalt: Können sie einerseits hervorragende Kandidaten gewinnen, die die angesetzten Budgetvorgaben nicht übersteigen? Und können sie andererseits Bewerber für eine Stelle begeistern – und sie so gut vorbereiten, dass sie den schwierigen Bewerbungsprozess meistern?

Headhunter

Headhunter sitzen oft zwischen den Stühlen – immerhin müssen sie sowohl das auftraggebende Unternehmen als auch die vorgeschlagenen Kandidaten zufriedenstellen.

Im Mittelalter war die Sache recht einfach: Wollte man Tochter oder Sohn verheiraten, wandten sich viele Eltern an professionelle Kuppler. Sie kannten jeden im Dorf, hatten Kontakte in die Nachbarorte und oft ein Gefühl, ob die beiden Unverheirateten zusammenpassen würden oder nicht. Eine ganz ähnliche Aufgabe haben Headhunter: Mit Hilfe ihrer Kontakte und Menschenkenntnis können sie Unternehmen im Kampf um vielversprechende Talente unterstützen und Kandidaten mit den richtigen Firmen zusammenbringen.

Der Headhunter als Karriereberater

Ein potenzieller Kandidat, der im ersten Gespräch einen guten Eindruck beim Headhunter gemacht hat, kann davon ausgehen, dass dieser ihn gut auf die nächste Karrierestufe vorbereiten wird. „Personalberater fungieren als zwischengeschaltete Instanz zwischen dem Bewerber und dem Wunschunternehmen“, erklärt Petra Zorgati von Kienbaum. So bekommen Kandidaten in Vorbereitung auf das erste Gespräch mit dem Unternehmen zahlreiche relevante Informationen mit auf den Weg. Wie steht das Unternehmen im Markt? Welche Möglichkeiten ergeben sich aus der neuen Position, um sich weiter zu entwickeln? In der Regel hat er Tipps in petto und gibt Hinweise darauf, welche Bewerbungsfragen garantiert zur Sprache gebracht werden und welche Erwartungen das Unternehmen an den Kandidaten hat.

Nicht ins Phantasialand entführen lassen!

Aber Vorsicht: Bewerber sollten darauf achten, dass der Headhunter ein realistisches Bild über das Unternehmen vermittelt, um böse Überraschungen zu vermeiden – zumal der Headhunter ein Interesse hat, den Kandidaten zu vermitteln. Denn er kann nur bei Abschluss mit einer Vermittlungsprovision rechnen. Deshalb sollten sich Bewerber zusätzlich selbstständig über die Firma informieren, Bekannte fragen oder entsprechende Bewertungsplattformen über die Firma aufsuchen, sollte das vom Headhunter gezeichnete Bild allzu rosig ausfallen.

Für die Bewerber ist die Anfrage eines Headhunters schmeichelhaft. Sie können auf das große Netzwerk vertrauen und kommen durch den Headhunter an exklusive Stellen, die nicht unbedingt ausgeschrieben sind. Wichtig: Der Headhunter sollte sich für die Kandidaten Zeit nehmen und sie ausgiebig beraten, damit sie im Vorstellungsgespräch überzeugen können.

Wie profitieren die Unternehmen?

Ein guter Headhunter nimmt dem Unternehmen viele Entscheidungen in Bezug auf den Kandidaten ab. „Er stellt die richtigen Fragen, achtet auf Nuancen und hat Wissen um Themen, die für ihn Normalität sind, für das Unternehmen jedoch nicht – etwa Perspektivenplanung, Gegenangebotsbehandlung, Integrationsbegleitung, Kündigungscoaching“, sagt Personalexperte Thomas Friederichs von der Beratung Tröger & Cie. Dafür sollten sie viel Zeit in die Bewerberauswahl und das Coaching investieren und viel Know-how über die jeweilige Branche mitbringen. Dieses Plus an Einsatz und Expertise kommt dem Unternehmen zu Gute und wird entsprechend honoriert. Jedoch sollten Headhunter eine möglichst neutrale Position in diesem Prozess einnehmen: Sind die vorgeschlagenen Kandidaten zweifelhaft, wird das Unternehmen höchstwahrscheinlich einen anderen Headhunter beauftragen. Eine lose-lose Situation.

Wann gelingt der Spagat?

Ein Headhunter ist einem ständigen Balance-Akt ausgesetzt. Einerseits will er Kandidaten von den Vorteilen eines Karrieresprungs überzeugen, andererseits muss er Unternehmen gute Kandidaten präsentieren, die auch wirklich wechselwillig sind. Er fungiert also als Schnittstelle, um beide Interessen zu vereinen – ganz wie im Mittelalter. Verlässt er seine neutrale Position, wird er auf Dauer verlieren und wird im schlimmsten Fall als schwarzes Schaf gebrandmarkt. Auch Kandidaten sollten hellhörig, wenn sie merken, dass der Headhunter seine objektive Vermittlerposition verlässt – denn das könnte auch für sie Konsequenzen haben.


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