Etikette und Outfit: Was Sie unbedingt wissen müssen

Etikette und Outfit: Was Sie unbedingt wissen müssen

Der richtige Dresscode im Vorstellungsgespräch

Krawatte oder offener Kragen? Kostüm oder Rock? Der Dresscode im Vorstellungsgespräch spielt eine entscheidende Rolle. Gerade hier gilt: Kleider machen Leute. Wer es zum Job-Interview für seine Traumstelle geschafft hat, hat mit der Bewerbung bereits seine fachliche Qualifikation unter Beweis gestellt. Jetzt kommt es auf die Persönlichkeit und den richtigen Auftritt an. Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Was sind die wichtigsten Dos und No-Gos im Vorstellungsgespräch?

Etikette und Outfit: Was Sie unbedingt wissen müssen

Die Optik – also Kleidung, Körpersprache, Mimik und Gestik – macht den Hauptteil unserer Wirkung auf andere aus.

Der erste Eindruck zählt

Die fachliche Qualifikation ist die Eintrittskarte zum Vorstellungsgespräch. Jetzt geht es dem Gesprächspartner darum, den Menschen mit seiner Persönlichkeit kennen zu lernen. „Das Auftreten eines Bewerbers beeinflusst die Erwartungen – wie das Cover eines Buches oder das Etikett auf einer Weinflasche: Die Optik – also Kleidung, Körpersprache, Mimik und Gestik – macht den Hauptteil unserer Wirkung auf andere aus. Wenn die Kleidung angemessen und gepflegt wirkt, zeigt das Wertschätzung.

Fällt man mit einem freundlichen, offenen Verhalten und mit guten Umgangsformen positiv auf, wirkt das sehr einnehmend. Wer dabei allerdings einen negativen Eindruck hinterlässt, hat kaum noch eine Chance. Deshalb darf das Auftreten keinesfalls unterschätzt werden“, erklärt Stil- und Imageberaterin Renate Sperber.

„Der erste Eindruck zählt!“, sagt auch Robert Harrer, Bereichsleiter Engineering bei der Personalberatung MINT Solutions. „Da es sich bei einem Vorstellungsgespräch um einen professionellen Business Termin handelt und es um den nächsten Karriereschritt geht, sollten sich Bewerber auch professionell präsentieren. Wichtig ist es auch, glaubwürdig zu bleiben und sich nicht zu verstellen. Zum Beispiel passen Nadelstreifenanzug und Lackschuhe nicht zu einem Kandidaten, der sich auf eine Entwicklerstelle bewirbt“, so Harrer.

Tugenden: Pünktlichkeit, Höflichkeit und Wertschätzung

Welche Tugenden im Auftreten sollte man unbedingt beherzigen? Unverzichtbar sind natürlich eine gute Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch, Pünktlichkeit, Höflichkeit, Wertschätzung und Respekt. Keinesfalls sollte der Bewerber arrogant sein, auch wenn er sich als Top-Favorit für die Stelle fühlt. „Begrüßen Sie im Gebäude jeden der Ihnen begegnet und Blickkontakt anbietet. Beim Kontakt mit dem Personalchef sollte der Bewerber unbedingt auf einen herzlichen Händedruck mit längerem Blickkontakt und auf ein nettes Lächeln achten. So wirken Sie gleich selbstbewusst und sympathisch“, rät Renate Sperber.

Vorstellungsgespräch

Stil- und Imageberaterin Renate Sperber

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu guten Umgangsformen gehört auch, den Anderen nicht zu unterbrechen, sich erst zu setzen, nachdem ein Platz angeboten wurde und den Blickkontakt zu halten. Wenn die Hände sichtbar bleiben und nicht unter dem Tisch versteckt werden, zeigt das eine offene Haltung. Ein aufrechter Gang lässt ebenfalls auf eine aufrechte und selbstsichere Person schließen.

„Als Bewerber sollten Sie unbedingt auf die richtigen Umgangsformen achten: Bleiben Sie bei der „Sie“-Anrede und gehen Sie nicht ins Duzen über. Ausnahme: Es wird Ihnen explizit angeboten und es passt zum Unternehmen. Lassen Sie Ihre Gesprächspartner ausreden und halten Sie zu allen Gesprächsteilnehmern Blickkontakt, nicht nur zu einer Person“, rät Robert Harrer.

No-Gos: Das sollten Sie unbedingt vermeiden

Absolute No-Gos sind zu spät kommen, sich nicht genügend über die Firma informiert zu haben, unpassend gekleidet zu erscheinen, beim Handschlag wegzusehen oder gleich den nächsten Gesprächspartner anzusehen, bevor die Hand losgelassen wurde, so Sperber. Vermeiden sollte man auch, sich zu lässig in den Stuhl zurückzulehnen und womöglich das Bein aufs Knie zu legen, zu forsch aufzutreten und die Gesprächspartner zu unterbrechen oder belehren zu wollen.

Spagat zwischen Höflichkeit und selbstbewusstem Auftritt

Wer sich auf eine Stelle als Führungskraft bewirbt, der muss als wichtige Eigenschaften auch ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen mitbringen. Doch wie kann der Spagat zwischen Höflichkeit, die vielleicht als unterwürfig ausgelegt werden könnte, und Arroganz gelingen?

„Ich würde Höflichkeit nicht mit Unterwürfigkeit gleichsetzen. Im Gegenteil. Wenn jemand angenehme Umgangsformen hat, wirkt das in Verbindung mit Selbstbewusstsein sehr kompetent“, sagt die Stil- und Imageberaterin. Achtung und Respekt sollten gewonnen und nicht erkämpft werden. Wertschätzung, Anerkennung, gut zuhören zu können, auch andere Meinungen ernst zu nehmen, dann sicher und souverän Entscheidungen treffen – das sind für Sperber moderne Führungsqualitäten. Arroganz wäre ganz fehl am Platz.

Warum es gefährlich ist, das äußere Erscheinungsbild zu unterschätzen

Gerade unter technischen Fach- und Führungskräften wie Ingenieuren und IT Experten finden sich immer wieder hochintelligente und fachlich hochqualifizierte Menschen, die im Auftritt nicht gerade als Stil-Ikonen gelten. Warum kann es gefährlich sein, wenn Bewerber die Qualifikation weit wichtiger einschätzen als ihr äußeres Erscheinungsbild? „Das hat sich aus meiner Sicht schon etwas geändert. Ich sehe in den letzten Jahren sehr gut gekleidete Ingenieure auf den Messen“, sagt Renate Sperber. Aber es gibt auch die Männer und Frauen, die sich anscheinend wenig Gedanken über Ihr Erscheinungsbild machen. „Das ist sehr schade, weil sie tatsächlich häufig unterschätzt werden oder gar als schrullig gelten“, sagt Renate Sperber.

In altmodischen Anzügen jedoch wirkt man gleich etwas rückständiger und wenig weltgewandt. Wenn die Passform nicht stimmt, füllt man den Anzug nicht aus. Man wirkt dadurch viel unbedeutender und wenig dynamisch. Ist die Krawatte altmodisch bunt und breit, wirkt das manchmal schon peinlich, vielleicht auch extrem sparsam oder einfach so, als wäre man schon jahrelang nicht mehr in einem Anzug gesteckt. Schlimm ist, dass es andere so sehen, der Betreffende aber gar nicht weiß, wie ungünstig er dadurch wirkt und sich wundert, warum keine Bewerbung erfolgreich ist. Die Kleidung sollte einfach keine Anhaltspunkte für negative Einstellungen und Vorurteile bieten, so Sperber.

„Ingenieure und IT Experten sollten am besten in Anzug und Krawatte erscheinen. Ab und an kann die Krawatte weggelassen werden, das ist aber abhängig von der Position und der Unternehmenskultur. So kann es durchaus in einem Start-up lockerer sein, als in einem Traditionsunternehmen. Frauen liegen in einem Kostüm – der Rock sollte mindestens Knielänge haben – oder in einem Hosenanzug richtig“, sagt Robert Harrer von MINT Solutions.

 

Robert Harrer, Bereichsleiter Engineering bei der Personalberatung MINT Solutions

 

Das ideale Outfit im Vorstellungsgespräch

Der Dresscode hängt natürlich auch von der Branche und der Stelle ab. Die Internetseite der Firma bietet eine gute, erste Informationsquelle. Hier kann man erkennen, welcher Kleidungsstil bevorzugt wird, wie sich die Fach- und Führungskräfte selbst darstellen. Man sollte auch darauf achten, dass sich das Outfit im Gespräch vom Outfit auf dem Bewerbungsfoto unterscheidet. Sonst meint man, der Bewerber hat nur dieses eine schicke Outfit. Außerdem spielt es eine Rolle, ob man Kundenkontakt hat und ob es um eine Führungsposition geht. Dennoch gibt es Empfehlungen, die generell gelten, sagt Sperber.

 Der Dresscode für Männer

  • Businesshemd: Einfarbig in einer dezenten Farbe oder mit kleinen gleichmäßigen Mustern. Keine großen Karos, grelle Farben oder kurze Ärmel.
  • Hose: Auf eine gute Passform achten: Die Hose reicht bis zum Schuh und bildet vorne höchstens einen Knick, wenn sie auf dem Schuh aufliegt.
  • Jackett: Auf guten Sitz achten. Momentan ist es Mode, dass die Jacketts nicht zu weit getragen werden. Die Schulterpolster sind schmal. Die Ärmel sollten das Handgelenk bedecken aber nicht einen Teil der Hand. Es bedeckt den Po gerade noch, ist aber nicht länger. Modische Sakkos sind jetzt sogar etwas kürzer. Das passt aber nur zu sehr schlanken Männern.
  • Anzug: Je dunkler der Anzug, desto kompetenter ist die Wirkung. Bevorzugen Sie klassische Business-Farben wie ein sehr dunkles Blau oder Anthrazit, das wirkt seriös, elegant und vertrauenserweckend. Schwarze Anzüge wirken schnell selbstbezogen und dominant, was vor allem im Vertrieb ungünstig ist. Das Jackett sollte zur Hose passen. Entweder ist der Stoff und Farbton genau gleich, dann ist es ein Anzug oder deutlich unterschiedlich, dann ist es eine Kombination. Sehr ähnliche Farben für Jackett und Hose, sehen nie gut aus. Sehr entscheidend ist eine perfekte Passform. Füllen Sie den Anzug nicht aus, hat man das Gefühl, Sie könnten die Position nicht ausfüllen.
  • Schuhe: Gepflegte Lederschuhe, gut geputzt, keine zu breite Form oder dicke Sohle.
  • Gürtel: Passend zur Schuhfarbe und nicht abgenutzt.
  • Krawatte: Ob eine Krawatte zum Anzug nötig ist, kann man nicht pauschal beantworten. Der Trend geht gerade dahin, die Krawatte ruhig weg zu lassen. Fühlen Sie sich mit einer Krawatte sicherer, dann sollte es eine schicke sein. Ist Ihre älter als vier Jahre, kaufen Sie sich eine neue. Einfarbig wirken Krawatten immer sehr elegant. Sie können aber auch ein dezentes Muster wählen. Die einfarbige Krawatte kann eine andere Farbe als das Hemd oder der Anzug haben. Ist die Krawatte gemustert, sollte sich eine Farbe davon im Hemd oder Anzug wiederfinden.
  • Overdressed: Zu viel des Guten sollte es aber auch nicht sein. Overdressed beim Vorstellungsgespräch sind Männer mit Einstecktuch, Krawattennadel und auffallenden Manschettenknöpfen.
  • Underdressed: No-Gos sind Turnschuhe oder Sandalen, Freizeithemden, kaputte Jeans, Cord, alles was an Sportkleidung erinnert, Sweatshirts, T-Shirts, grobe Strickpullis oder -jacken sowie Kleidung mit Querstreifen.
  • Gepflegtes Erscheinungsbild: Achten Sie besonders auf gepflegte Hände, Körperpflege und eine ansprechende Frisur.

Der Dresscode für Frauen

Damen haben eine größere Bandbreite an Möglichkeiten. Renate Sperber empfiehlt eine ruhige Basis für Hose bzw. Rock und Blazer. „Ich finde Blazer einfach ideal und würde es jeder anderen Möglichkeit, wie Strickjacke oder Pullover vorziehen. Sie sehen in einem gut sitzenden Blazer einfach sehr kompetent aus“, so Sperber. Hat der Blazer einen Rever- (Umschlag-) Kragen, kann auch statt einer Bluse ein farbiges Shirt darunter getragen werden, am besten einfarbig. Die Farbe kann weiß oder creme, aber auch etwas mutiger sein, wie royalblau oder weinrot.

Tragen Sie eine Strumpfhose, auch im Sommer und einen schicken Schuh. Er kann flach sein oder auch einen Absatz haben, aber keine Ballerinas. Die ideale Passform der Kleidung ist auch hier entscheidend. Sie sollte nicht zu eng sein, damit sich die Unterwäsche nicht abzeichnet, aber auch nicht zu weit. Achten Sie auf die richtige Ärmellänge: Der Ärmel bedeckt gerade so das Handgelenk und ist nicht länger.

Eine dezente Kette, eine schicke Uhr, ein Ring und kleine Ohrstecker machen das Outfit komplett. Die Haare können Sie auch offen tragen wenn Sie nicht zu lang sind. Absolute No-Gos für Damen sind kurze Röcke, tiefe Ausschnitte, zu verspielte Kleidung, auffallender Nagellack und zu viel Make-up.

Fazit

Wie das Etikett einer guten Flasche Wein auf den Inhalt schließen lässt, so werden auch Menschen zuerst nach ihrem Auftritt und Erscheinungsbild beurteilt. Deswegen spielen gerade im Vorstellungsgespräch gute Umgangsformen und ein passendes Outfit eine wichtige Rolle. Wer die Grundregeln beachtet, kann nichts falsch machen. Eines sollten Sie bei allen guten Ratschlägen jedoch nicht vergessen: Verstellen Sie sich nicht und bleiben Sie authentisch!