Irrtümer in der Zusammenarbeit mit Headhuntern

Die größten Irrtümer in der Zusammenarbeit mit Headhuntern

Sie stehen als Kandidat in Kontakt mit einem Headhunter. In den drei vorhergehenden Artikeln sind wir auf die größten Fehler eingegangen, die Ihnen in der Zusammenarbeit mit einem Headhunter und dessen Mandanten passieren können. An dieser Stelle möchten wir Sie nun, im letzten Artikel dieser Serie, auf die häufigsten Irrtümer und Missverständnisse hinweisen, die wir immer wieder in der Erwartungshaltung von Kandidaten gegenüber dem Headhunter feststellen.

Dabei unterscheiden sich die Situationen, die die Irrtümer hervorrufen – manche Irrtümer treten nur in der einen oder anderen, manche in beiden Situationen auf.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Gesprch
Sie möchten erfolgreich mit einem Headhunter zusammenarbeiten? Klicken Sie sich durch unser Headhunter-Verzeichnis und finden Sie den richtigen Karrierepartner für sich.

 

Wir betrachten beide Situationen:

a) Der Berater kam auf Sie zu, weil er Sie im Rahmen einer Suche als möglichen Kandidaten identifiziert hat.

b) Sie sind auf ihn zugegangen, weil Sie mit seiner Hilfe einen nächsten Karriereschritt unternehmen möchten.

Sehen wir uns zunächst die möglichen Irrtümer und Missverständnisse, die in der Situation a) passieren können, genauer an:

 

Irrtum Nummer 1: Der Headhunter hat Interesse, speziell mich zu besetzen – er ist mein Verbündeter!

 

Realität: Der Headhunter hat einen Auftraggeber, nämlich das Unternehmen, das ihn beauftragt hat, die vakante Stelle zu besetzen. Sein Ziel ist es, für das Unternehmen den bestmöglichen Kandidaten zu identifizieren – jemanden, der die Stelle gut und möglichst langfristig ausfüllt.  Aber ob nun gerade Sie der Richtige sind, wird sich erst im Verlauf der Vorstellungsgespräche, also im Zusammenspiel mit dem Mandanten, zeigen. Der Berater wird immer versuchen, eine Auswahl von Kandidaten zu präsentieren. Welcher von diesen sehr guten und passenden Kandidaten letztlich die Stelle bekommt, ist für den Berater nicht entscheidend, solange es die richtige Person ist. Ist also jemand anderes besser als Sie oder zeigt sich im Gespräch passender, so wird der Berater zu dieser Person tendieren.

 

Irrtum Nummer 2: Der Headhunter pusht mein Einkommen. Daran hat er Interesse, weil sein Honorar steigt.

 

Realität: Dies gilt nur für die Fälle, in denen der Berater einen Vertrag mit seinem Mandaten geschlossen hat, der ein einkommensabhängiges Honorar vorsieht. Es gibt jedoch verschiedene Vertragsarten, etliche davon schließen ein Steigen des Honorars mit dem Steigen des Einkommens des Kandidaten aus. Dadurch wird vermieden, dass der Berater seine Objektivität einbüßt, sondern den Kandidaten bevorzugt, der ihm ein höheres Honorar sichert. Manche Kandidaten wollen erhebliche Gehalts-Steigerungen bei einem Wechsel erzielen und hoffen, den Berater für ihre Zwecke zu gewinnen, indem sie sagen „Das (höhere, ggf. übertrieben hohe Gehalt) ist ja auch gut für Sie!“. Ein guter Berater löst sich von dieser Perspektive. Besonders glaubwürdig ist dies, wenn dies vertraglich geregelt ist. Anstatt Honorarmaximierung zu betreiben, kann sich der Berater wieder auf die wesentlichen Dinge konzentrieren – eine sehr gute Besetzung für beide Seiten zu erzielen.

 

Irrtum Nummer 3: Der Headhunter rückt mich in ein günstiges Licht, ich muss mich nicht mehr beweisen. Schließlich kam er auf mich zu.

 

Realität: Für den Berater hat sich der Mandant bereits entschieden, sonst hätte er ja den Suchauftrag nicht bekommen. Nun muss er sich noch für einen Kandidaten entscheiden – damit sind die Kompetenzen und die Persönlichkeit des Kandidaten gefragt. Der Berater wird das  Gespräch so strukturieren, dass alle relevanten Themen besprochen werden – und natürlich wird er Ihnen eine Bühne bieten, auf der Sie sich präsentieren können. Er jedoch wird sich ab diesem Zeitpunkt zurückhalten. Schließlich wird er sonst zum Kandidaten-Verkäufer und büßt seine Funktion als neutraler Berater ein.

Lösung für die Situation a):

Sie sollten verstehen, dass der Headhunter zunächst seinem Mandanten gegenüber verpflichtet ist und in der Verantwortung steht, sehr gute Kandidaten zu präsentieren. Sehen Sie sich dabei als aktiven Teilnehmer, der Gelegenheit hat, sich und seine Erfolge zu positionieren. Bedenken Sie jedoch: Sie sind einer von mehreren und müssen daher Ihr gesamtes Können in die Waagschale werfen.

Werfen wir nun einen Blick auf die möglichen Irrtümer und Missverständnisse für die Situation b):

 

Irrtum Nummer 1: Der Headhunter vermarktet mich aktiv

 

Dieser Irrtum ist aufgrund mehrerer Parameter sehr komplex. Grundsätzlich gilt: Genau dies tut der Headhunter nicht. Warum nicht?

  • Wenn er einfach Ihren Lebenslauf streut (auch wenn dieser anonymisiert ist), ist er kein Personalberater, sondern schlichtweg ein „CV-Dealer“
  • Wenn er Sie aktiv vermarkten wollte, müsste er Sie als Auftraggeber anerkennen, d.h. persönliche Gespräche mit Ihnen führen und Zielfirmen abstimmen. Dies täte er nur unter echten Auftragsbedingungen, Sie müssten Ihn somit für seinen Aufwand entschädigen, da Sie nun die Mandantenrolle einnehmen. Die meisten Kandidaten wollen jedoch kostenlos vermarktet werden und bei Einstellung soll das Unternehmen zahlen. Entspräche diese Vermarkung des Kandidaten der Realität, hätte der Berater keine Beratungsleistung erbracht, sondern einen Maklervertrag mit dem Unternehmen (also mit dem Kunden und nicht mehr mit Ihnen als Auftraggeber) geschlossen. Er wäre also kein Personalberater, sondern Menschenmakler!
  • Für die im BDU (Bundesverband Deutscher Unternehmensberater e. V.) organisierten Berater gelten Grundsätze, was die Seriosität und Qualität der Arbeit angeht. Darin verbieten sich erfolgsorientierte Vorgehensweisen.
  • Sie Sie überhaupt „vermarktbar“? Hat der Berater eine realistische Chance, dass ausreichend viele Firmen Sie zu einem Gespräch einladen und es am Ende zu Ihrer Einstellung kommt? Sind Ihre Vorstellungen zu Gehalt, Standort, Verantwortung realistisch? Ist Ihr Lebenslauf blitzsauber und beeindruckend? Heben Sie sich von anderen ab? Kann man Sie nur über den Berater (also gegen Geld) kontaktieren oder gibt es auch günstigere Suchmethoden? Wenn ja, herzlichen Glückwunsch. Wenn nein: Warum sollte der Berater sich mit Ihnen beschäftigen?

 

Irrtum Nummer 2: Viele Headhunter = erhöhte Chance auf Erfolg

 

Ganz falsch! Und vor allem für Sie selbst ist diese Sichtweise schädlich. Wie wir gerade beschrieben haben, würden nur CV-Dealer sich auf diese Art von Vermarktung einlassen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass diese Ihre Unterlagen einfach streuen. Damit steigt auch das Risiko, dass Ihr Lebenslauf mehrfach auf dem Tisch ein und desselben Entscheiders einer Zielfirma landet.

  • Wie hoch schätzen Sie nun Ihre Chance ein, dass Sie als sehr guter, exklusiver Kandidat durchgehen, für den eine Firma Honorar bezahlen sollte?
  • Sobald unterschiedliche Angaben in den verschiedenen Profilen über Sie zu finden sind (was regelmäßig der Fall ist), ist Ihre Chance vertan.
  • Haben Sie den CV-Dealern gesagt, dass Sie mehrere ihrer Art beauftragen? Wissen diese also, dass Sie sie alle auf ein Windhundrennen schicken? Denn: Im Erfolgsfall erhält wohl nur der Schnellste das Honorar.
  • Ist das noch qualifizierte Beratung? Wird Ihnen der CV-Dealer von einer Firma abraten, weil er glaubt, sie sei nicht die richtige für Sie – so wie es ein professioneller Headhunter tun würde? Natürlich nicht. Der Makler ist kein Berater, er ist abschluss-orientiert, damit verdient er sein Geld.

 

 

Irrtum Nummer 3: Falsche Einschätzung des Marktes und des eigenen Marktwertes

 

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die meisten Kandidaten sich für überdurchschnittlich gut halten. Sie glauben daher, es bedürfe nur einiger Anrufe des Headhunters bei möglichen Zielfirmen – schon gäbe es Gesprächen und am Ende könnten sie frei zwischen den Stellenangeboten auswählen.

Auch hier führt eine ganze Reihe falscher Annahmen zu diesem Irrglauben.

  • Vielleicht sind Sie sehr gut, überragen Sie andere Kandidaten so sehr, dass ein Honorar für Sie bezahlt wird?
  • Sie sind in Ihrer Firma ggf. sehr gut, aber gelten diese Bewertungsmaßstäbe auch in anderen Firmen?
  • Passen Sie überhaupt zu den Firmen, für die Sie sich interessieren?
  • Haben diese Firmen eine entsprechende Vakanz oder die Befugnis und das Budget, eine Stelle für Sie zu schaffen?
  • Haben Sie eine realistische Erwartungshaltung? Manche Kandidaten glauben, der Headhunter sucht Ihnen den Job, der alle ihre Wünsche erfüllt: höheres Einkommen, toller Standort, einen Tag Home Office pro Woche … Also all das, was ihnen das Unternehmen, in dem sie arbeiten, nicht erfüllt.

Lösung für die Situation b):

Entscheiden Sie sich für einen Headhunter und stimmen Sie mit ihm ernsthaft das gemeinsame Vorgehen ab:

  • Sie lernen sich persönlich kennen und der Berater versteht Sie als Persönlichkeit und Ihren Werdegang
  • Sie entwickeln eine realistische Erwartungshaltung hinsichtlich Ihres Marktwertes
  • Sie legen einen Zeitplan fest und stimmen sich regelmäßig ab
  • Sie bestimmen gemeinsam Zielpositionen und Zielfirmen
  • Sie vergüten den Berater für seine Aktivitäten und schlüpfen damit in die Mandantenrolle. Ein seriöser Berater verlangt dann natürlich kein weiteres Honorar von dem Unternehmen, dass Sie einstellt.

 

 

Über den Autor

Thomas Friederichs hat nach einer mehrjährigen Laufbahn als Offizier der Bundeswehr Ende der 90er Jahre seine Tätigkeit in der Personalberatung aufgenommen. Früh hat er sich neben der operativen Arbeit mit Methodik und Systematik der Personalgewinnung beschäftigt und bereits ein Fachbuch und mehrere Ratgeber zu diesem Thema veröffentlicht. Heute ist der Autor Vorstand und Gesellschafter des Executive-Search-Unternehmens Tröger & Cie. AG in Frankfurt/Main. Diese Beratung ist ein Experte für anspruchsvolle Mandate im Executive Search. Das deutschlandweit und international tätige Unternehmen kann in allen relevanten Branchen Referenzen aufweisen. Die langjährige Erfahrung des eigenen Research-Teams und leistungsfähige interne Strukturen und Abläufe stellen für Kandidaten und Mandanten den Erfolg sicher. Nach der Maxime BESSER BERATEN präsentiert sich Tröger & Cie. denjenigen Unternehmen, die nicht einfach “Personal” sondern Leistungsträger suchen, als qualitätsorientierter und zuverlässiger Dienstleistungspartner.



Experteer verwendet Cookies. Informationen zum Datenschutz
Zustimmen