Bundestagswahl 2017

Merkels Diversity-Challenge

Über die Bundestagswahl wurde viel spekuliert – würde Kanzlerin Merkel sich erneut an die Spitze setzen? Und wenn ja, wie sähe eine mögliche Regierung aus? Seit Sonntagabend ist klar: sie wird voraussichtlich bunt – schwarz, gelb und grün. Angela Merkel steht jetzt vor der Aufgabe, verschiedene konträre Meinungen und kulturelle Wertvorstellungen in eine Linie zu bringen. Sie muss versuchen, aus einem heterogenen Team eine funktionierende Regierung zu bilden. Höchste Zeit für eine kleine Lektion im Diversity Management…

Diversity

Ob Angela Merkel wohl mit einer schwart-gelb-grünen Koalition gerechnet hat? Sie muss nun viele Perspektiven vereinen, um erfolgreich zu regieren.

Diversity – die Vielfalt macht’s

Diversity Management ist in aller Munde. Ursprünglich wurde es in den USA als Konzept für Unternehmensführung entwickelt. Im Zuge der Globalisierung ist Diversity aber in zahlreichen Unternehmen heute schon Realität. Und Führungskräfte stehen vor völlig neuen Aufgaben. Für die Sie eine echte Diversity-Kompetenz entwickeln sollte. Die Diversity-Expertin und Ethnologin Anke Hollatz verrät Ihnen, wie Sie eine eigene Diversity-Kompetenz aufbauen und die Vielfalt in Ihren Teams effektiv managen können.

Experteer: Frau Hollatz, was genau will „Diversity Management“?
Anke Hollatz: Diversity Management zielt einerseits darauf ab, Chancengleichheit und „Nicht-Diskriminierung“ von Beschäftigten zu gewährleisten und soll andererseits auf Basis eines respektvollen, wertschätzenden Miteinander die Produktivität erhöhen sowie das Betriebsergebnis verbessern.

Experteer: Wie funktioniert das?
Anke Hollatz: Als Menschen betrachten und verstehen wir die Welt ja jeweils aus unserem eigenen Werteverständnis und gehen wie selbstverständlich davon aus, unsere Art zu leben, zu denken, zu handeln wäre die einzig mögliche (richtige!) Variante. Diversity Management nimmt die höchst unterschiedlichen Vorstellungen heterogener Teams in den Fokus und öffnet den Blick für fremde Sichtweisen. Es schafft die Chance, in die Schuhe des Anderen zu steigen: ein Perspektivwechsel. Dieser erweitert den eigenen Horizont, bereichert und verbindet.

Was kann Diversity-Management leisten?

Die Ethnologin Anke Hollatz weiß, dass soziales Verhalten der Schlüssel für eine erfolgreiche Diversity-Kompetenz ist.

Experteer: Warum gibt es so viele heterogene Teams?
Anke Hollatz: Wir müssen lernen und erkennen, dass durch Globalisierung und Fachkräftemangel verstärkt heterogene Teams heranwachsen. Da gibt es die multikulturellen Teams, dann die einheimischen KollegInnen*, die an den internationalen Standorten arbeiten, es kommen Quereinsteiger und natürlich die Wiedereinsteiger. Da prallen dann unterschiedlichste Erwartungen, Kommunikationsstile oder auch Arbeits- und Verhaltensweisen aufeinander. Das führt im wahrsten Sinne des Wortes zu „Befremden“.

Experteer: Welche konkreten Probleme gilt es zu lösen?
Anke Hollatz: Durch das „Befremden“ können Gefühle wie Verunsicherung, Unverständnis und Unmut entstehen. Diese wiederum können dann zu Problemfeldern wie Mobbing, Demotivation, Leistungsabfall und Krankenstand führen, übrigens auch bei den Führungskräften. Im schlimmsten Fall drohen erhebliche finanziellen Einbußen für das Unternehmen.

Experteer: Wie kann Diversity Management hier ansetzen?
Anke Hollatz: Diversity Management baut eine Brücke zwischen dem Eigenen und dem Fremden und klärt Missverständnisse. Es schafft Sicherheit und Transparenz, fördert das gegenseitige Verstehen und stärkt die Selbstwirksamkeit der Beteiligten: die Grundlagen für Leistungsfähigkeit!

Experteer: Wie kann ich als Führungskraft eines “diversen” Teams denn bei meinen Mitarbeitern punkten?
Anke Hollatz: Gestehen Sie sich Ihre Unsicherheit zunächst ein. Verinnerlichen Sie dann, dass aus Eigenreflexion gepaart mit interkultureller Kompetenz eine Sensibilisierung für Vielfalt entsteht. Vielfalt wird als Quelle der Bereicherung erlebt und genutzt! In einem solchen Arbeitsklima steckt das Potenzial für Spitzenteams. Und diese erzielen bis zu 40 % bessere Ergebnisse! Vergessen Sie nicht: Wir sind soziale Wesen. Wenn wir uns sozial verhalten, steigt die Chance auf das bestmögliche Ergebnis für alle!

4 Tipps für Ihre Diversity-Kompetenz

Experteer: Haben Sie vielleicht Tipps für unsere Leser, wie sie sich gezielt eine Diversity Kompetenz aufbauen können?
Anke Hollatz: Sicher. Im Laufe unseres (Berufs-)Lebens erleben wir bereits alle eine Fülle von „Fremdheits-Erfahrungen“. Wir fangen ja nicht bei Null an! Mit diesen vier Schritten erarbeiten Sie sich Diversity-Kompetenz.

  1. Reflektieren Sie Ihre Erfahrungen
    Was erlebe ich eigentlich als fremd? Was verunsichert mich, weil ich es nicht einordnen kann? Welchen Anforderungen soll/will ich gerecht werden?  Mit welchem (oft unbewussten) Werteverständnis bin ich eigentlich unterwegs?
  2. Verfeinern Sie Ihre Wahrnehmung
    Erkennen Sie das gleichberechtigte Neben- und Miteinander von „Unterschiedlichkeiten“. Eigenen Sie sich interkulturelles Knowhow an. Denn durch das Verstehen unterschiedlicher Wertesysteme entsteht eine innere Sicherheit und durchaus auch die Neugier mehr zu erfahren.
  3. Trainieren Sie Ihr Handlungs-Wissen und setzen Sie es um
    Entwickeln Sie schrittweise eine gelassene Souveränität, strahlen Sie Ruhe und Sicherheit aus. Sie müssen nicht auf alles eine Antwort haben. Gestalten Sie Führung in dem Sinne, dass Sie Ihren Mitarbeitern einen optimalen Rahmen für deren beste Leistung bieten!
  4. Wertschätzen Sie Ihre erworbene Kompetenz
    Und kommunizieren Sie diese auch als wertvoll! Die Wahrnehmungsfähigkeit auch im Abgleich zu den Unternehmenszielen ist beträchtlich gestiegen – dies lässt sich voraussichtlich noch an anderen exponierten Stellen im Unternehmen sinnvoll einsetzen.

Experteer: Frau Hollatz, herzlichen Dank für das anregende Gespräch.

* Auf männlich-weibliche Doppelformen wird nachfolgend im Sinne der besseren Lesbarkeit verzichtet.

Über den Autor

joergurbachJörg Peter Urbach ist Autor, Redakteur und Blogger aus Sprachleidenschaft. Seit mehr als 25 Jahren schreibt er. Für Print und Online. Konzepte. Geschichten. Fachartikel. Nach seinem Studium der Musikwissenschaft, Germanistik und Literaturwissenschaft arbeitete Jörg Peter als Editorial Manager im klassischen Musikbusiness. Als langjähriger Chefredakteur des Portals wissen.de weiß er, wie man Leser begeistert und Themen findet.

Wenn der gebürtige Kieler nicht schreibt, durchwandert und fotografiert er die Alpen. Oder lauscht der Oper. Mit Achtsamkeit.


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