Headhunter-Erfahrungen

3 Gründe, aus denen Manager wirklich den Job wechseln

Ein Jobwechsel muss sich lohnen. Aber nicht unbedingt in finanzieller Hinsicht. Wichtiger sei Managern heute etwas anderes, sagt Headhunter Heinz Höreth. Und diese Beweggründe lassen sich im Recruitment-Prozess nur herausfinden, wenn zwischen Headhunter und Kandidat ein Grundvertrauen herrscht. Personalberater müssen also nachfragen – und genau hinhören.

Der Recruiting-Prozess ist zunehmend automatisiert. Dennoch setzen Headhunter weiterhin auf persönliche Beziehungen. Denn gerade ein Wechselwunsch basiert auf Gründen, die sich nicht maschinell erfassen lassen.

Auch vor HR-Managern und Recruitern macht die Digitalisierung nicht so einfach Halt. Warum sollte sie auch? Denn mit der Recruitment Process Automation (RPA) lässt sich der Recruitment-Prozess nicht automatisieren, sondern auch abkürzen. Die potenziellen Kandidaten hinterlassen bei ihren digitalen Streifzügen etwa durch Social Media-Netzwerke jede Menge Daten, die dann bei der RPA genutzt werden. Ersetzen also demnächst Algorithmen und Roboter den Menschen beim Recruiting? So weit ist es noch nicht. Gerade in Zeiten akuten Fachkräftemangels wird der Recruitment-Prozess einzig und allein durch den Kandidaten und dessen Bedürfnisse gesteuert. Und ob die Künstliche Intelligenz (KI) weiß, warum Manager ab Senior Management-Level einen Jobwechsel in Betracht ziehen, darf zumindest bezweifelt werden. Wissen Sie es?

Es zählt – der Mensch

In der Massenvermittlung auf einem Junior-Level oder im Segment der Zeitarbeit greift der RPA schon jetzt massiv in Wohl oder Wehe der Bewerber ein. Da werden Lebensläufe auf Keywords gescannt, dem Bewerber ein Chatbot zur Seite gestellt und seine Mimik, Gestik und Wortwahl im Interview über KI ausgewertet. Ich Roboter. Ich weiß, Du schlechter Bewerber…

Im Gegensatz dazu sind im Segment der Headhunter und Personalberater, die ja primär Senior- und Spezialkräfte vermitteln, die persönlichen Umstände des Kandidaten oft viel wichtiger. Je höher er auf der Karriereleiter steht, desto persönlicher und komplexer wird die Betreuung bei der Suche nach der perfekten Position. Gute Personalberater wissen: Ich muss vor allem Geduld und Feingefühl mitbringen. Im gehobenen Segment lassen sich Manager eben nicht allein vom Stellenangebot oder Gehalt locken lassen. Sie sind oftmals nur dann wechselwillig, wenn ihnen die neue Position einen Mehrwert für ihre persönlichen Umstände bietet und eine Weiterentwicklung garantiert.

Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen

Höreth

Für Personalberater Heinz Höreth steht der Mensch beim Recruiting an erster Stelle – nicht sein Lebenslauf.

Man kann es gar nicht oft genug sagen. Das Erfolgskonzept guter Headhunter lautet: Vertrauen aufbauen, Vertrauen entwickeln, Vertrauen halten. Personalberater möchten die persönlichen Umstände der Kandidaten ergründen, möchten mehr über den Menschen hinter den nackten Daten des Lebenslaufs erfahren. Auch wenn dies als politisch inkorrekt gilt. Heinz Höreth von der Personalberatung HJG erklärt: „Das wichtigste Kriterium, um von Kandidaten wahrgenommen zu werden, ist die persönliche Bindung. Kandidaten werden nicht durch das Gehalt oder das eigentliche Jobangebot angelockt, sondern man bindet sie nur dann, wenn man bereits im ersten Gespräch auf die persönliche Situation des Kandidaten eingehen kann.“

Drei Gründe für den Jobwechsel

Es gibt zahlreiche, oft ganz individuelle Trigger, die einem beruflichen Wechsel in Management-Positionen vorausgehen. Doch viele beruhen auf folgenden drei Grundauslösern, die isoliert, kombiniert oder auch um weitere Faktoren ergänzt werden können:

  • Das persönliche Umfeld

Die Kinder nachmittags von der Kita holen, das „Fern“ aus der Beziehung streichen, den besten Freund nicht nur im Sommerurlaub treffen – die persönliche und private Situation ist ein sehr wichtiger, für Headhunter aber oft undurchsichtiger Treiber für einen Jobwechsel. Den es behutsam, aber gezielt zu analysieren gilt. Eines ist gewiss und durch zahlreiche Umfragen und Studien belegt: Der Arbeitnehmer von heute erwartet von seinem Arbeitgeber vor allem eines: Flexibilität und Entgegenkommen.

  • Der Stress im Job

Er hat viele verschiedene Gründe. Egal ob es der Chef ist, die zahlreichen, anstrengenden Business-Reisen oder das (vergiftete) Klima in der Firma – darunter leidet der Arbeitnehmer. Und wenn der Leidensdruck groß genug wird, verwandelt sich die Sehnsucht nach Veränderung in einen aktiven Jobwechsel-Wunsch.

  • Die Stagnation

Sie macht sich vor allem dann breit, wenn die fachliche und inhaltliche Weiterentwicklung brachliegt oder gar verhindert wird. Dabei ist es gleich, ob diese Weiterentwicklung an ein höheres Gehalt oder eine Beförderung gekoppelt ist.

Gut beraten

Viele potenzielle Kandidaten verspüren nicht den Bedarf sich zu verändern. Bewerben sie sich dann doch, sind die Auswahlkriterien der suchenden Unternehmen meist viel zu oberflächlich. Sie erkennen die Beweggründe der Kandidaten nicht. Einen klaren Vorteil kann hier der Headhunter bieten: Langsam tastet er sich durch das persönliche Verhältnis voran und identifiziert die persönlichen Trigger. Aus diesen werden dann mehr und mehr Brücken zum konkreten Angebot geschlagen. „Es ist also essenziell, nicht mit der Tür ins Haus zu fallen, sondern die persönlichen Beweggründe des Kandidaten zu verstehen und Vertrauen aufzubauen“, so Heinz Höreth. Denn am Ende sitzen Kandidat und Headhunter ja im selben Boot: Beide streben nach dem perfekten Match und müssen sich für den Erfolg vollends aufeinander verlassen können.