Experteer-Erfahrungen Ein Start-up CEO blickt zurück

Experteer-Erfahrungen: Ein Start-up CEO blickt zurück

Jede Woche schreiben wir über unterschiedliche Führungsstile, über Chancen und Herausforderungen aus der Welt der Start-ups – deshalb wollen wir heute einmal auf unsere eigene Geschichte als Start-up-Unternehmen zurückblicken. Dafür haben wir mit Christian Göttsch, dem Gründer und CEO von Experteer, gesprochen. Er erzählt uns, wie er seine Geschäftsidee entwickelte und wie sich seine neue Rolle als Existenzgründer auf sein Privatleben auswirkte. Wenn Sie also der CEO eines Start-ups sind oder mit dem Gedanken spielen, einer zu werden, sollten Sie sich diese exklusiven Einblicke nicht entgehen lassen! Lernen Sie aus den Experteer-Erfahrungen!


 

Wie haben Sie diese Geschäftsidee entwickelt?

Ich saß mit meinen zukünftigen Mitgründern und Investoren von Holtzbrinck beim Mittagessen und wir unterhielten uns über die damals aktuellen Netzwerke. Angesichts der damaligen Marktsituation haben wir sofort daran gedacht, ein Premium-Karrierenetzwerk aufzubauen, das eine soziale Komponente beinhaltet. Nach vier Monaten der intensiven Marktrecherche, der Analyse und der Erstellung eines Prototypen, war die Entscheidung gefallen: Wir wollten unseren Kunden einen exklusiven Karriereservice bieten – jedoch kein soziales Netzwerk. Die Idee eines Premium-Portals war geboren, auf dem hochqualifizierte Kandidaten mit Spitzenpositionen zusammengebracht werden sollten. Ähnlich wie bei einem Dating-Portal, nur dass man passende Karrierechancen von einem Headhunter vermittelt bekommt. Zuerst wussten wir nicht genau, wie wir Stellen von Headhuntern und Unternehmen bündeln sollten, dieses Modell haben wir erst viel später entwickelt. Ich habe also erst einmal unsere Idee präsentiert, ich hatte zwei Millionen zur Finanzierung zur Verfügung und die Investoren waren überzeugt, dass wir eine gute Idee haben würden. Sie sagten, mach einfach. Das war ein bisschen ungewöhnlich und hat uns davor bewahrt, frühzeitig neue Fördermittel suchen zu müssen.

Ich habe Experteer mit 35 gegründet. Ich glaube das ist ein gutes Alter – Anfang oder Mitte Dreißig. Wenn man zu jung ist, hat man seine Fähigkeiten womöglich noch nicht genug ausgelotet, man hat seine Management-Qualitäten noch nicht erprobt und man hat definitiv noch nicht genug Erfahrung. Bevor ich mein eigenes Unternehmen gegründet habe, war ich hauptsächlich in den Bereichen Strategie und M&A bei Unternehmen tätig. Ich war der direkte Vorgesetzte von Mitarbeitern und hatte viel praktische Verantwortung. Als Student gründete ich ein Start-up in erster Linie, um damit Geld zu verdienen. Es war nicht perfekt, aber ich konnte damit mein Leben während des Studiums finanzieren. Als ich dann promovierte, gründete ich ein Start-up zusammen mit einem Freund – wir wurden dabei von einem französischen Investor aus Paris finanziert. So habe ich  meine ersten unternehmerischen Erfahrungen gesammelt. ExperteerErfahrungen_Ein Startup CEO blickt zurueck Die Experteer GmbH mit Hauptsitz in München ist ein Karriereservice, mithilfe dessen Senior Professionals und Manager Spitzenpositionen ab einem Gehaltsbenchmark von 60.000 Euro finden. Experteer stellt ein umfangreiches Netzwerk an Headhuntern und Recruitern zur Verfügung. Senior Professionals, die sich bei Experteer anmelden, können Kontake mit Headhuntern aufbauen und sich über die diskrete Karriereplattform auf ihre Wunschpositionen bewerben.

 

Vor welchen Herausforderungen standen Sie anfangs? Wie haben Sie diese gemeistert?

Das Schwierigste war, eine Marktlücke zu finden und ein Produkt mit einem Wertversprechen zu entwickeln, mit dem man diese Lücke besetzen kann. Zuerst haben wir ein soziales Produkt als Prototypen entworfen. Nachdem wir vier Monate in diesen Prototypen investiert hatten, entschlossen wir uns, die Idee nicht weiter zu verfolgen. Stattdessen entschied ich mich für ein geschlossenes, exklusives Produkt. Das waren harte Zeiten. Aber wir haben nicht an das soziale Produkt geglaubt und ich konnte mich einfach nicht überzeugen, damit weiterzumachen. Die Zeit wurde langsam knapp und wir haben immer wieder Anpassungen vorgenommen, bevor wir für die Veröffentlichung bereit waren. Letztendlich entwickelten wir eine neue Vision: Wir wollten eine Plattform für Senior Professionals aufbauen, auf der diese neue Karrierechancen finden können. Alles Weitere kam danach. Diese Zeit war nicht einfach, nachdem wir unsere ursprüngliche Idee aufgegeben hatten. Ich musste das Unternehmen und das Team zusammenhalten. Nur Einer verließ das Team, alle anderen sind unserer Überzeugung treu geblieben. Und schließlich haben wir es geschafft.

 

Wie hat Sie die Rolle des Unternehmers persönlich verändert?

Es ist eine schwierige Rolle, bei der man viel Verantwortung trägt. Viele Leute sind sich dieser Tatsache nicht bewusst und unterschätzen das. Es gibt so viele Stakeholder, die mit dem Unternehmen verbunden sind. Man muss sich um die Kunden kümmern, die Angestellten, die Anteilhaber und die anderen Interessensgruppen. Ständig heißt es einstellen und weiterentwickeln, das erfordert auch Mitgefühl und Leidenschaft. Manchmal funktionieren die Dinge nicht so, wie man will – dann muss man Verantwortung übernehmen und dem Kurs ändern. Damit muss man klarkommen. Auch das ist Teil der Verantwortung. Aber es macht auch Spaß. Im Gegensatz zu der Rolle des Angestellten trägt man mehr Verantwortung, man muss härter im Nehmen sein, dafür ist man aber auch unabhängiger. Man kann sich nicht zu viele Fehlgriffe erlauben, denn die Auswirkungen sind weitreichender. Man muss sich bewusst machen, dass Entscheidungen sich unter Umständen auf Familien auswirken. Es ist ganz anders als die Arbeit in einem Unternehmen, wo Verantwortung oft geteilt wird oder nicht so unmittelbar ist.

 

Welche Start-up-Kultur haben Sie sich vorgestellt?

Als ich das erste Mal in den USA war, habe ich im International House in Berkley gewohnt. Diesem Vorbild ist die Unternehmenskultur von Experteer nachempfunden. Viele haben hier unterschiedliche Vorstellungen. Das Unternehmen McKinsey zum Beispiel passt seine Kultur den besten drei Prozent seiner ziemlich homogenen Mitarbeiterschaft an. Dadurch entsteht eine starke Energie, die von Intellektualität vorangetrieben wird. Und obwohl alle im Unternehmen unterschiedliche Persönlichkeiten sind, kann man doch sagen, dass ihre Profile ziemlich ähnlich sind. Ich wollte ein Umfeld aus kultureller Diversität schaffen, in dem interessante Persönlichkeiten aufeinandertreffen. Es ist kein Zufall, dass so viele verschiedene Nationalitäten bei Experteer arbeiten. Die kulturelle Vielfalt bereichert unseren Alltag, oft ist es sehr lustig im Büro. Es gibt Energie, sorgt für eine weitgefasstere Perspektive und kurbelt so die Produktivität an. Jeder Einzelne bei Experteer hat etwas Interessantes aus seinem Leben zu berichten. Man findet immer Leute, mit denen man sich gerne unterhält. In einem so inspirierenden Arbeitsumfeld steigt die Motivation. Ein internationales Unternehmen habe ich nicht einfach so gegründet, sondern weil ich wirklich wollte, dass sich eine kulturelle Vielfalt darin widerspiegelt. Sogar für ein internationales Unternehmen sind wir kulturell gesehen sehr breit aufgestellt. Von einem unternehmerischen Standpunkt aus betrachtet, gibt es vielleicht keine Notwendigkeit, Mitarbeiter aus China oder Indien an Bord zu haben (Anm. d. Red. Experteer ist auf dem gesamten euröpäischen und amerikanischen Markt für Senior Professionals tätig), aber die Bandbreite unterschiedlicher Nationalitäten bereichert unsere Unternehmenskultur. Daran habe ich vom ersten Moment an geglaubt. Es macht Spaß mit so vielen tollen Leuten zusammenzuarbeiten und die Atmosphäre im Büro zu genießen.

 

Weitere persönlichen Ansichten oder Tipps für angehende Start-up-Gründer?

Machen Sie Ihr eigenes Ding. Als Gründer müssen Sie Ihre Zukunft selbst gestalten. Es ist immer einfacher, wenn man die Fakten kennt. In Fakten liegt Gewissheit. Aber wenn diese Sicherheit fehlt und man nicht weiß, was die Zukunft bringt, dann braucht man eine klare Vorstellung, an die man glauben kann. Manche nennen das auch Vision. Neun von zehn Leuten sind nicht bereit, Risiken einzugehen. Sie haben es sich zwischen konkreten Fakten gemütlich gemacht. Wenn Sie nichts als Ihre eigene Vorstellungskraft haben, auf die Sie sich verlassen können, müssen Sie anfangen, Entscheidungen zu treffen und Ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Entscheiden Sie basierend darauf, woran Sie glauben. Es kann riskant werden und manchmal auch daneben gehen. Die meisten Manager treffen solche Entscheidungen nicht selbst, sondern warten darauf, dass Ihr Vorgesetzter ihnen zeigt, wo es lang geht. Genau hier liegt der Unterschied zwischen einem Manager und einer Führungskraft. Aber wer keine Fehler macht, kann auch nicht aus ihnen lernen.

Ein Unternehmer verfolgt ein Ziel ohne die Ressourcen dafür zu haben. Doch die Tatsache, dass man das Ziel erreichen muss, treibt Innovationen voran. Als Existenzgründer lechzt man nach Chancen. Wenn man jedoch nur nach Chancen sucht, bedeutet das noch lange nicht, dass man als Unternehmer Erfolg hat. Man muss das nötige Kapital auftreiben, man muss bereit sein, die Verantwortung für seine Mitarbeiter zu tragen und dann muss man die Dinge anpacken.

Die Existenzgründung umfasst auch einen kulturellen Aspekt. In unterschiedlichen Kulturen haben Existenzgründungen einen unterschiedlichen Stellenwert. Man muss viele Hürden auf unterschiedlichen Ebenen überwinden – über wirtschaftliche, gesetzliche, steuer- und einkommensspezifische Ebenen bis hin zu Hindernissen wie sozialer Akzeptanz. Das Verhältnis zwischen Risiko und Gewinn hängt davon ab, ob das Unternehmertum in einer Kultur akzeptiert wird. In zahlreichen europäischen Kulturen sind die Leute glücklicher, wenn sie eine sichere Stelle bei einem ansässigen Unternehmen haben – im Gegensatz zum Silicon Valley, wo Unternehmergeist in der Gesellschaft sehr geschätzt wird. Aber man muss zuversichtlich in die Zukunft blicken. Es ist eine Mischung aus Optimismus, positiver Einstellung, aber auch Ernsthaftigkeit und Substanz. Man muss den Optimismus wirklich verinnerlichen und darf ihn nicht nur vorspielen. Es ist schwierig, aber man macht es, weil es Spaß macht. Ich will kein langweiliges Leben führen. Als Entrepreneur wählt man nicht den leichten Weg, sondern nutzt seinen Tatendrang, seine Ambitionen und seine Leidenschaft, um etwas zu bewirken.

 

Vielen Dank an Sie,  Herr Göttsch, für diesen Einblick in die Entstehungsgeschichte von Experteer. Wir hoffen, wir konnten unseren Lesern ein paar Ideen und Inspirationen für deren eigene Start-up-Gründung mit auf den Weg geben und wünschen allen angehenden Unternehmern viel Erfolg!


Experteer wurde von Focus als eines der Top Karriere Portale 2015 ausgezeichnet.



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