Familie und Karriere

Wie Sie Ihre Vaterrolle im Beruf nutzen

Männer nehmen immer öfter Elternzeit – darunter auch Führungskräfte. Viele berichten von Fähigkeiten, die sie erst durch den Nachwuchs gelernt haben. Und die auch im Job als Schlüsselkompetenzen gelten.

Animateur, Tränentrockner, Problemlöser – die Vaterrolle definiert sich heute breiter und facettenreicher als früher. Viele Qualitäten können Väter aus dem Alltag für ihre Karriere nutzen.

Einst war alles klar geregelt: Der Vater brachte das Geld nach Hause, die Mutter übernimmt die Erziehung der Kinder. Heute sind diese Aufgaben längst nicht mehr derart klassisch verteilt, und das liegt nicht nur daran, dass immer mehr Frauen berufstätig sind. Wie eine Studie von Ernst & Young zeigt, stimmen mehr als 88 Prozent der Väter der Aussage zu, die Entwicklung ihrer Kinder von Beginn an aktiv begleiten zu wollen. In Deutschland gehen ein Drittel der Befragten in Elternzeit, darunter finden sich auch viele Führungskräfte. Inzwischen ist bei den Unternehmen angekommen, wie wichtig engagierte und zufriedene Väter sind. Für ihre Väter-Studie befragte die Commerzbank im vergangenen Jahr ihre Mitarbeiter mit Kind. Das Ergebnis: Mitarbeiter berichteten von Schlüsselkompetenzen, die sie im Familienalltag gelernt oder ausgebaut haben. Grund genug, einen Blick auf die Papa-Qualitäten zu werfen, die ebenfalls im Büro besonders wertvoll sein können.

Längerer Geduldsfaden

Es wäre doch zu schön, wenn die neun Monate alte Tochter endlich „Papa“ sagen könnte. Oder der dreijährige Sohn schon galante Eckbälle schießen könnte, wie der begeisterte Fußballfan sich das erträumt. Dies gelingt aber eben nicht immer auf Anhieb. Genauso wenig, wie die Projektidee nicht immer beim ersten Pitch final ausgereift ist. Geduld ist eine Tugend – und wie könnte man sie besser erlernen als mit Kindern?

Produktiver im Büro

Möglichst lange im Büro bleiben, um einen guten Eindruck bei Vorgesetzten und Kollegen zu machen: Dieses Credo galt früher in den meisten Unternehmen. Doch in den vergangenen Jahren kritisierten immer mehr Experten diese Präsenzkultur. Denn wer länger am Schreibtisch sitzt, arbeitet noch lange nicht effektiver als andere. Männer, die ihre Kinder aus der Kita abholen müssen oder mit ihnen abends ein paar Stunden Zeit verbringen möchten, sind eher gewillt, sich pünktlich in den Feierabend zu verabschieden – und bis dahin gründlich und effizient ihre Aufgaben zu erledigen.

Multitasking

Die Kleine quengelt, das Essen steht auf dem Herd und zu allem Überfluss ruft auch noch die Schwiegermutter an. Wer ein Kind hat, lernt vor allem eines: Dass mehrere Sachen gleichzeitig Priorität haben. Auch im Job geht es manchmal drunter und drüber – das weiß keiner so gut wie Sie. Praktisch, wenn Sie dann auch dort mehrere Dinge gleichzeitig erledigen können, ohne ins Schleudern zu geraten.

Immer eine Lösung parat

Die Opernkarten sind gekauft, der Anzug samt Fliege hängt auf dem Kleiderbügel bereit und die Vorfreude auf den romantischen Abend zu zweit ist groß. Dann ruft der Babysitter an und meldet sich krank. Ersatz muss her. Eltern und Schwiegereltern, Freunde und Bekannte abtelefonieren, hoffen, bangen, und schließlich erleichtert die Kinder fertig machen, ins Auto setzen und zur besten Freundin der Frau in den Nachbarort bringen. Improvisation bestimmt den Elternalltag, egal ob nun der Babysitter ausfällt, die Erzieherinnen der Kita streiken oder ein Termin in der Arbeit länger dauert als erwartet. Wer diesen täglichen Wahnsinn meistert, bleibt auch bei unvorhergesehen Problemen im Büro gelassen – und lässt sich immer irgendwas einfallen.

Die richtigen Worte zum richtigen Zeitpunkt

Die Tochter schmiert sich lieber die von Papa gekochten Spaghetti ins Gesicht als sie zu essen und der Sohn schmeißt sein Spielzeug zum fünften Mal in Folge auf den Boden. Ein paar strenge Worte müssen her, um den Kindern ihre Grenzen aufzuzeigen. Das richtige Verhalten zwischen Härte und Laisser-faire ist ein Drahtseilakt – als Familienvater wie auch als Führungskraft im Berufsleben. Auch wenn Mitarbeiter nicht mit quengelnden Kleinkindern zu vergleichen sind, so kann es ab und an nicht schaden, sich in kritischen Situationen zu erinnern, mit welchen Worten und in welchem Tonfall man damals seine Kinder erfolgreich zurechtgewiesen hat.

Stets die goldene Mitte finden

Carlotta will in den Zoo, Max möchte gerne in den Freizeitpark. Und ihre Sekretärin Frau Maier lässt mehr Gehalt anfragen. Jeder Mensch hat Interessen, die er gerne durchsetzen würde – sowohl die Tochter oder der Sohn als auch die geschätzte Mitarbeiterin. Doch als Vater und Führungskraft hat Mann ebenfalls gewisse Aufgaben. Er muss beispielsweise die Familienkasse und das Abteilungsbudget im Blick behalten und will weder seine Kinder zu sehr verwöhnen noch Frau Maiers Kollegen das Gefühl geben, benachteiligt zu werden. Was also tun? Kompromisse finden. Carlotta darf dieses Wochenende in den Zoo, kommende Woche geht es dann in den Freizeitpark. Und mit Frau Maier wird im kommenden Jahr das Gehalt neu verhandelt.

Über die Autorin

Felicitas Wilke klein

Felicitas Wilke hat BWL und Journalismus studiert und die Deutsche Journalistenschule besucht. Sie arbeitet als freie Journalistin in München.

Beruflich begeistert sie sich für Themen rund um Wirtschaft, privat bereist sie gerne Skandinavien und hat ein Herz für schwarz-gelben Fußball aus dem Ruhrgebiet.