Flexible Arbeitszeiten

Thank God, it’s Feierabend!

Immer mehr Deutsche machen am Freitag früher Schluss. Viele Chefs geben dazu ihr OK. Sie gehören auch dazu? Prima,  dann haben Sie verstanden, dass in puncto Arbeitszeiten vor allem eines wichtig ist: Flexibilität und Freiheit. Die führen im Gegenzug zu höherer Produktivität und Effizienz. Ein Plädoyer für den frühen Feierabend, in den Sie Ihre Mitarbeiter ruhig öfter schicken sollten.

Zu viele Überstunden machen unproduktiv. Ein früher Start ins Wochenende bewirkt das Gegenteil.

Im Büro macht sich eine schier ausgelassene Stimmung breit. Der sonst sauertöpfische Abteilungsleiter schwebt durch die Gänge. Der strenge CEO begrüßt die neue Praktikantin mit einem herzlichen Lächeln. Sogar die chronisch ausgetrockneten Topfpflanzen scheinen grüner als sonst. Kein Wunder. Es ist Freitag. Kein Tag wie jeder andere. Und dann kommt er, der Klang der imaginären Feierabendglocke. Ab geht’s ins Wochenende!

Thank God it’s Feierabend!

Was sich wie ein schöner Traum liest, ist in vielen deutschen Unternehmen bereits Realität. Jeder zweite Mitarbeiter geht freitags deutlich früher nach Hause. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage von indeed.com. Am Freitag verlassen demnach mehr als 94 % der Befragten ihren Arbeitsplatz bereits vor 16 Uhr. Und augenscheinlich haben die meisten Chefs auch nichts dagegen. Warum sollten sie auch?

Überstunden machen unproduktiv

Reine Anwesenheit ist kein Beleg für Produktivität. Das wissen Sie als Führungskraft natürlich und gehen doch oft leider mit schlechtem Beispiel voran. Im Schnitt verbringen Führungskräfte 46 Stunden pro Woche im Büro, bei den Top-Managern sind es gern auch mal 70. Dabei belegen zahlreiche internationale Studien, dass zu langes Arbeiten nicht nur die Produktivität deutlich senkt, sondern auch zu erheblichen gesundheitlichen Risiken führt.

Flexibilität tut gut

Über 40 % der Beschäftigten können am Abend nicht wirklich von der Arbeit abschalten, wie das Landesinstitut für Arbeitsgestaltung NRW herausfand. Ein halber freier Freitag ist dafür zwar nicht der alleinseligmachende Problemlöser, kann aber im Rahmen einer flexibleren Gestaltung der Arbeitszeiten durchaus zu positiven Veränderungen beitragen; wie auch die Ergebnisse einer US-amerikanischen Studie eindrucksvoll belegen. Demnach reduzierten sich bei den Befragten die Konflikte zwischen Familie und Job deutlich, entwickelte sich das persönliche Gesundheitsbewusstsein überdurchschnittlich positiv und erhöhte sich weiterhin die Produktivität der Mitarbeiter bei geringerer Arbeitszeit.

Donnerstag ist der neue Freitag

Dass es auch mit weniger Stunden geht, zeigt Unternehmer und Gründer Andreas Stückl von Bike Citizens, einem erfolgreichen Startup in Berlin und Graz. Er führte nach Rücksprache mit seinen Mitarbeitern sogar eine Vier-Tage-Woche ein. Der Freitag ist frei. Warum? „Wir wollen in erster Linie, dass es unseren Mitarbeitern gut geht. Und wenn alle motivierter sind, hat das natürlich einen Einfluss auf die Qualität der Arbeit. Ich würde es so sagen: Wir arbeiten weniger und der Laden läuft trotzdem.“

Bei Bike Citizens ist Donnerstag also der neue Freitag. Stückl führt aus: „Das Wochenende ist länger. Du kannst einfach mehr deinen privaten Interessen nachgehen und am gesamtgesellschaftlichen Leben teilnehmen. Manche haben auch Familie und finden es gut, sich mehr einbringen zu können. Alle sind motivierter, die Atmosphäre ist entspannt. (…) Anfragen, die am Freitag auflaufen, werden einfach am Montag bearbeitet. Das funktioniert.“

Und Japan so?

Von derart paradiesischen Verhältnissen können die Japaner nur träumen. Das Land ist berühmt-berüchtigt für seine langen Bürozeiten, in denen die Angestellten zahllose Überstunden aufhäufen. Mehr als 100 Tote fordert die Überarbeitung dort pro Jahr. Nun hat die Regierung eine Kampagne zum „Super-Freitag“ eingeführt: Japaner sollen jeweils am letzten Freitag des Monats um 15 Uhr Feierabend machen dürfen. Der Handel reibt sich ob des zu erwartenden Konsums schon mal die Hände. Nun müssen noch die Chefs mitspielen. Was sie bisher nicht tun. Lediglich drei Prozent geben ihren Mitarbeitern tatsächlich frei…

Über den Autor

joergurbachJörg Peter Urbach ist Autor, Redakteur und Blogger aus Sprachleidenschaft. Seit mehr als 25 Jahren schreibt er. Für Print und Online. Konzepte. Geschichten. Fachartikel. Nach seinem Studium der Musikwissenschaft, Germanistik und Literaturwissenschaft arbeitete Jörg Peter als Editorial Manager im klassischen Musikbusiness. Als langjähriger Chefredakteur des Portals wissen.de weiß er, wie man Leser begeistert und Themen findet.

Wenn der gebürtige Kieler nicht schreibt, durchwandert und fotografiert er die Alpen. Oder lauscht der Oper. Mit Achtsamkeit.



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