Fragen an einen Personalberater: Es gibt keine zweiten Chancen

    Wir haben uns gefragt wie wir Ihnen am besten Tipps zu Bewerbungsgesprächen geben können. Dann haben wir uns Folgendes überlegt: Wenn wir wissen wollen wie wir die beste Pizza machen, fragen wir einen Koch (oder das Internet). Wenn wir wissen wollen wie wir unseren Fahrradreifen flicken sollen, fragen wir einen Fahrradmechaniker (oder das Internet). Wenn wir also wissen wollen wie man am besten auf die Fragen in einem Bewerbungsgespräch antwortet, müssen wir uns mit jemandem unterhalten, der anhand der Antworten die richtigen Bewerber aussucht: einen Personalberater oder im Fachjargon Recruiter. Und so können Sie am Ende wieder uns (bzw. das Internet) fragen wenn Sie wissen möchten: „Welche Frage sollte ich im Interview lieber nicht stellen?“ Hier sind unsere 5 Fragen an einen Personalberater.

    Fragen an einen Personalberater

    1. Worauf achten Sie bei Bewerbern im Interview besonders?

    Wir führen in der Regel mit Bewerbern sogenannte Competency-Based-Interviews durch, bei denen es darum geht die wesentlichen für die zu besetzende Position wichtigen „Soft Skills“ mit Hilfe von situativen Fragen zu überprüfen. Dabei achten wir natürlich insbesondere darauf (neben den einzelnen Antworten), wie ein Kandidat mit einem solchen Interview klarkommt beziehungsweise wie er überhaupt darauf reagiert. Daneben achten wir natürlich auf die Klassiker: Auftreten, Kleidung/Aussehen, Körpersprache, Gesprächsverhalten, Interesse an der Position, Vorbereitung auf das Interview, usw.

    2. Wie geduldig sind Sie im Interview? Geben Sie Kandidaten eine „zweite Chance“?

    Ich gehöre zu den sehr geduldigen Menschen und breche nie ein Interview nach 5-10 Minuten ab, auch wenn zu dem Zeitpunkt bereits zu 100% klar ist, dass der Kandidat für die zu besetzende Position auf keinen Fall in Frage kommt (Ich weiß, dass viele Kollegen da rigoroser sind). In so einem Fall ärgere ich mich eigentlich meist über mich selbst, da ich das schon beim CV-Screenen hätte erkennen müssen. Und dafür kann der Kandidat nichts. Insofern führe ich dann das Gespräch weiter und versuche zu erkennen für welche Position der Kandidat geeignet sein könnte. Und wenn wir eine solche Position haben, dann ist der Kandidat einer der ersten der wieder angesprochen wird. Auf der selben Position gibt es allerdings nie eine zweite Chance.

    3. Welche Fragen sollten Bewerber im Interview nie stellen?

    Das ist eigentlich gar nicht so direkt zu beantworten und hängt eher von der Position aber auch vom Verlauf des Interviews ab. Die Frage nach den Verdienstmöglichkeiten am Ende eines Interviews ist im allgemeinen kein Problem, als Eröffnungsfrage eines Interviews allerdings fast schon das Aus. Generell tabu sind natürlich auch Fragen wie „Toleriert der neue Arbeitgeber privates Surfen am Arbeitsplatz? Oder privates Telefonieren?“ usw. oder rassistische beziehungsweise sexistische Fragen.

    4. Wie mache ich mich als Bewerber interessant für einen Headhunter?

    Ideal ist es natürlich weit im Vorfeld einer Bewerbung sich einen Namen in einem bestimmten Gebiet aufzubauen (durch Publikationen), sodass der Headhunter bei einem entsprechenden Mandat sofort an den Bewerber denkt. Im Bewerbungsverfahren selbst sicherlich indem die Bewerbungsunterlagen sich von den Standardbewerbungen gemäß Leitfaden XYZ unterscheiden. Wichtig ist auch, dass der Headhunter auf einen Blick erkennen kann, wen er vor sich hat und warum er oder sie für die Position geeignet ist (wichtig: In den Unterlagen, ob im Anschreiben oder im Lebenslauf selbst, den ganz konkreten Bezug zur zu besetzenden Position herstellen, keine Fließbandbewerbung. Wenn zum Beispiel in der Ausschreibung eine bestimmte Branchenerfahrung gefordert ist, dann muss die eindeutig in den Unterlagen erkennbar sein).

    5. Gibt es erkennbare Trends bei den Besetzungswünschen Ihrer Kunden?

    Generell versuchen Unternehmen so viel in eine Stelle zu packen wie möglich. So müssen sie nur eine Position mit einer flexiblen Fachkraft besetzen, die in verschiedenen Rollen tätig sein kann. Flexibilität ist auch in der Hinsicht wichtig, wenn es darum geht irgendwann eine andere Position an einem anderen Ort zu übernehmen. Die Erwartungen werden dabei immer höher und so muss ein Bewerber die Anforderungen zu 100% erfüllen.

    Vielen Dank, Herr Schmidt, für diese interessanten Einblicke in Ihre Arbeit als Top-Recruiter.

    Dieses Interview fand bereits vor längerer Zeit statt. Wir wollten Ihnen jedoch die Tipps, die Herr Schmidt Ihnen zum Thema Bewerbung geben kann, nicht vorenthalten und haben die fünf wichtigsten für Sie zusammengefasst.

    Über Werner Schmidt:

    SelbstmarketingWerner Schmidt ist Director von Harvey Nash Executive Search Germany. Mit mehr als 20 Jahren an Erfahrungen in der Industrie und mehr als 10 Jahren Erfahrungen in der Personalbeschaffung konzentriert sich Werner Schmidt vor allem auf Positionen im Sales- und Marketing-Bereich sowie im General Management und vermittelt auch Stellen als CIO. Dabei ist er vor allem im Technologiesektor tätig. Seit seinem Unternehmenseintritt im Jahre 2000 hat Werner Schmidt erfolgreich eine Vielzahl an Stellen für namhafte Unternehmen vermittelt, darunter IBM, Adidas, Nortel, British Telecom, AT&T, CSC, Nestlé und viele mehr. Aufgrund seiner Erfahrungen mit US-Unternehmen (er hat für 2 Jahre in den USA gearbeitet) blickt er auf eine positive Zusammenarbeit mit internationalen US-Unternehmen zurück, denen er Talente in Deutschland vermitteltn konnten (z.B.: Danaher Group, ClearEdge, IBM).



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