Arbeitsrecht

Trennungsstrategien: Gefallene Helden

Trennungen im Beruf sind unvermeidlich. Sie kosten Kraft und Nerven. Und vor einer plötzlichen Kündigung sind auch die härtesten Manager nicht gefeit. Um den brutalen Bruch im Arbeitsleben abzufedern, gibt es ausgeklügelte und professionelle Trennungsstrategien.

Der Chef rief nicht mehr an. Die Kollegen wurden auch einsilbiger. Die Einladungen zu wichtigen Meetings blieben aus. Aber Furcht vor einem Rauswurf? Die hatte Peter Wilhelms* nicht. Was sollte ihm schon passieren? Ihm, dem Vize eines international agierenden Unternehmens. Doch dann kam das Kündigungsschreiben. Der Anfang vom Ende. Er hatte die Vorzeichen der Trennung übersehen. Es folgten Schock, Frust, Wut. Und das bittere Ende.

Top-Manager sitzen fest im beruflichen Sattel? Spätestens seit der globalen Finanzkrise 2007 ist dies nur mehr eine Mär. Denn auch Leitende Angestellte können die Kündigung erhalten. Einfach so. In deren Umfeld spricht man dann allerdings eher von „Trennung“. Wenn die Entscheidung gefallen ist, einen Mitarbeiter auch auf einem oberen Management-Level loszuwerden, dann passiert dies in der Regel auch. Ohne Wenn und Aber. Wir zeigen, wie Sie professionell und sachlich aus einer Trennung rauskommen.

Im Trennungsprozess

Wie bei Otto Normalverdiener ist auch bei Managern und Führungskräften die Trennung vom Arbeitgeber von den juristischen Begriffen „Kündigung“, „Aufhebung“ und „Abwicklung“ geprägt. Nur landen deren Fälle deutlich seltener vor einem Arbeitsgericht. Denn Führungskräfte interessieren eher die optimalen Bedingungen der Trennung und nicht unbedingt eine Weiterbeschäftigung auf Biegen und Brechen. Ein Trennungsprozess sollte ausnahmslos von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht professionell begleitet werden. Der Ihnen im Idealfall auch als Coach zur Seite stehen kann.

Führen Sie noch oder leiten Sie schon?

Steffen Rohrig, Fachanwalt für Arbeitsrecht

Steffen Rohrig, Fachanwalt für Arbeitsrecht, erklärt, wie Sie sich bei einer Kündigung verhalten sollten.

Jeder Leitende Angestellte ist eine Führungskraft – nicht aber umgekehrt. Ob ein Arbeitnehmer nun Leitender ist oder nicht, ergibt sich ausschließlich aus seiner Position und den Umständen des Einzelfalls. Wenn es um eine Kündigung geht, ist es entscheidend, ob Sie Leitend sind oder nicht. Denn das Kündigungsschutzgesetz gilt für Leitende nur sehr eingeschränkt – was viele Unternehmen auszunutzen versuchen. Indem sie behaupten, ein Mitarbeiter sei Leitend. Was tun? Steffen Rohrig, Fachanwalt für Arbeitsrecht, schlägt vor: „Drohen Sie mit einer ganz normalen Kündigungsschutzklage. Die scheuen die Unternehmen wie der Teufel das Weihwasser“. Weil die abschließende Feststellung eines Gerichts Konsequenzen für zukünftige Fälle im Unternehmen haben kann. Der Arbeitgeber strebt daher einen Vergleich ohne großes Aufheben und vor allem ohne Gericht an.

Wie läuft eine Trennung bei Top-Managern ab?

Normalerweise wird überhaupt keine Kündigung ausgesprochen. Ist die Entscheidung gefallen, dass eine Top-Kraft gehen soll, legt man dem Betroffenen die Trennung nahe – und gleichzeitig fast immer einen Aufhebungsvertrag vor. Den viele in ihrer Schockstarre einfach unterschreiben. Und damit einen unumkehrbaren Fehler machen.

Wie sehen Verteidigungsstrategien aus?

Die Betroffenen benötigen gerade zu Beginn der Trennungsphase mehr psychologische und strategisch-taktische Hilfe als juristische Hilfe. Anwalt und Coach Steffen Rohrig empfiehlt: „Agieren Sie stark, souverän und gelassen. Mit der richtigen Einstellung, der richtigen Strategie und der richtigen Taktik kann man also seine Verhandlungsposition erheblich verbessern. Was sich dann in einem weitaus höheren Gesamtpaket widerspiegelt.“

Wie gehe ich ins Trennungsgespräch?

Ein guter Berater stellt den Arbeitnehmer richtig ein: in Sachen Strategie, Wortwahl und Körpersprache. Im Trennungsgespräch verhandelt man gleich die „Big Points“. Deswegen muss die Führungskraft fit gemacht werden für diese wesentlichen Punkte. Steffen Rohrig weiß: „Es ist besser, dieses Trennungsgespräch ohne Anwalt zu führen. Weil dann Menschen miteinander sprechen, die sich kennen und in der Regel an einer einvernehmlichen Regelung interessiert sind.“

Imageschäden oder Win-Win-Situation?

Aus eigener Erfahrung weiß Experte Rohrig, dass „nur wenige Firmen bei Trennungen mit offenem Visier“ kämpfen. „Leider ist es eher verbreitet, den Mitarbeiter mit undurchsichtigen und seltsamen Methoden zu verunsichern und so eventuell in eine Eigenkündigung zu treiben.“ Sein Tipp? Externe Hilfe für das Trennungsmanagement in Anspruch nehmen. Dann verlaufe die Trennung fast immer im Dreischritt – fair, transparent, konsequent. Und ohne Imageschäden.

* Name geändert

Über den Autor

joergurbachJörg Peter Urbach ist Autor, Redakteur und Blogger aus Sprachleidenschaft. Seit mehr als 25 Jahren schreibt er. Für Print und Online. Konzepte. Geschichten. Fachartikel. Nach seinem Studium der Musikwissenschaft, Germanistik und Literaturwissenschaft arbeitete Jörg Peter als Editorial Manager im klassischen Musikbusiness. Als langjähriger Chefredakteur des Portals wissen.de weiß er, wie man Leser begeistert und Themen findet.

Wenn der gebürtige Kieler nicht schreibt, durchwandert und fotografiert er die Alpen. Oder lauscht der Oper. Mit Achtsamkeit.



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