herCAREER 2016

herCAREER inspiriert

Die besten Karrieretipps für starke Frauen

Was hält Frauen bei ihrer Karriere zurück? Diese einfache (und gleichzeitig hochkomplexe) Frage schwang auf der herCAREER Messe mit, die zwischen dem 13. und 14. Oktober in München stattfand. Im Fokus stand die moderne Frau, die sich beruflich weiterentwickeln möchte. Die Klischees abstreifen und Hürden überwinden will. Starke Führungsfrauen nahmen auf den Bühnen der herCAREER nicht nur Geschlechter-Klischees aufs Korn, sie gaben auch konkrete Tipps, wie Frauen sich im beruflichen Umfeld besser präsentieren können und endlich das einfordern, was ihnen zusteht.

herCAREER 2016

Selbstmarketing: Wer bin ich eigentlich?

Was gibt es im Unternehmen nur, weil ich da bin? Was fällt mir leicht? Unter welchen Bedingungen arbeite ich effizient? Um als beruflich kompetente Person wahrgenommen zu werden, muss frau erst einmal herausfinden, wie sie sich selbst sieht. Im zweiten Schritt sei es wichtig zu evaluieren, welche Signale man aussendet, sagt Cosima Kienzle (femalemanagers.de). „Im Arbeitsalltag auf sich aufmerksam zu machen hat nichts mit ‚Sich-Wichtig-Machen‘ zu tun“, ergänzt Karrierecoachin Angelika Vavala. „Viele Frauen denken, ihr Engagement müsse automatisch bemerkt werden – dem ist nicht so.“
Im Anschluss hat Vavala noch ein paar konkrete Tipps: „Kommunizieren Sie nicht immer in der Wir-Form. Besser: Projekt X ist uns gelungen, weil ich meine Fähigkeit Y zielführend eingesetzt habe.“ Auch Lob sollte frau nicht einfach abtun, denn mit einem „ach, das war doch nicht schwer“ spricht sie sich ihre eigenen Kompetenzen ab. Ein einfaches „Danke“ tut’s auch.

Die Quintessenz

Frauen gehen davon aus, dass ihr Fleiß, ihre Leistung und ihr Engagement bemerkt werden, auch ohne dass sie konkret darauf hinweisen. Gerade in großen Unternehmen kann sich das als Trugschluss erweisen. Senden Sie also die richtigen Signale: Ergreifen Sie in Team-Meetings das Wort, fordern Sie Projekte ein und kommunizieren Sie klar und deutlich, was Sie können, wohin Sie wollen und für welche Aufgaben man Sie vorsehen kann.

Stereotypen: Wo werde ich eingeordnet?

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Dr. Nadja Tschirner und Moderatorin Elfriede Kerschl über Gender-Klischees.

Es gibt verschiedene Klischeebilder, denen Frauen gerne zugeordnet werden. Dr. Nadja Tschirner von Cross Consulting hat im Vortrag auf der herCAREER ein paar davon vorgestellt. So erzählte Tschirner von einer Professorin, die sich wie ihre männliche Kollegen ihrer wissenschaftlichen Forschung widmen wollte. Dafür wurde sie regelmäßig von kritisiert. Warum sie sich nicht lieber um ihre Studenten kümmere, hieß es. Automatisch wurde ihr die Mutterrolle zugewiesen. Stereotypen wie dieses sind oftmals der Grund dafür, dass Frauen der berufliche Weg nach oben verwehrt wird.

Eine interessante Studie liefert Thomas Eckes: Er erforschte den Zusammenhang zwischen den Wahrnehmungsfaktoren „nett“ und „kompetent“ – jeweils beim Mann und bei der Frau. Männer, die als „nett“ und „kompetent“ wahrgenommen wurden, beschrieb man als den „typischen Mann“ oder „Manager“. Frauen, die als extrem nett, aber nicht als kompetent empfunden wurden, steckte man in die Schublade „typische Frau“. Frauen jedoch, die extrem kompetent wirkten, wurden als „Karrierefrauen“ gesehen und von den Befragten auf der Nettigkeitsskala als wenig sympathisch eingestuft.

Die Quintessenz

Frauen, die zu nett oder zu mütterlich wirken, werden als wenig kompetent eingestuft. Andersherum ist der Sympathiefaktor bei kompetenten Karrierefrauen gering. Versuchen Sie nicht, es jedem Recht zu machen. Oder von allen gemocht zu werden – das funktioniert nicht und wirkt sich im schlimmsten Fall negativ auf ihre berufliche Autorität aus. Stehen Sie für sich und Ihre Überzeugungen ein – Sie sind kein Klischeebild, Sie sind großartig.

Equal Pay: Was kann ich fordern?

Männer und Frauen werden unterschiedlich bezahlt, das ist kein Geheimnis. Allgemein wird die Lohnlücke auf 21 Prozent beziffert. Ungerecht, schnaubt die innere Feministin! Und stellt sich gleichzeitig die Frage: Woran liegt das? An den Männern? Der Gesellschaft? Etwa an den Frauen selbst?!

In einer Podiumsdiskussion auf der herCAREER wirft Moderatorin Regina Mehler (Gründerin der Women Speaker Foundation) gemeinsam mit Finanzexpertin Astrid Hastreiter (Frauenvermögensverwaltung AG), Rechtsanwältin Astrid Bendiks, Headhunter Alfred Fernholz (Gründer der Initiative FrauenPunktManagement) und Wally Kratzenberg-Franke vom Forum Equal Pay Day ein Schlaglicht auf diese Fragen. Zur Sprache kommt nicht nur die mangelnde Gehaltstransparenz in Unternehmen – auch die Zögerlichkeit vieler Frauen wird thematisiert: Die Zurückhaltung, sich eigenständig mit finanziellen Angelegenheiten zu beschäftigen, beispielsweise. „Sie sollten selbstbewusst für sich und Ihre Interessen einstehen und aktiv anfangen, über Geld nachzudenken“, sagt Hastreiter. Fragen Sie sich: Was verdiene ich? Was gebe ich monatlich aus? Und: Reicht mir das?

Am wichtigsten aber sei die Frage nach dem eigenen Wert. Denn wenn es heißt, konkrete Gehaltsforderungen zu formulieren, kommt bei vielen Frauen die Unsicherheit wieder zum Vorschein. Der könne man jedoch mit einer adäquaten Vorbereitung in Form eines Marktvergleichs sowie der Zusammenstellung der eigenen Leistungen und Erfolge entgegenwirken.

Die Quintessenz

Frauen verkaufen sich unter Wert. Sie sollten anfangen, sich aktiv mit ihren Finanzen zu beschäftigen, regelmäßig ihren Marktwert prüfen (das geht zum Beispiel mit dem Gehaltsatlas der FAZ oder dem Experteer Gehaltsrechner) – und sie sollten anfangen, sich ein Netzwerk aufzubauen. Jetzt.


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