Hier haben Frauen die besten Karrierechancen

Hier haben Frauen die besten Karrierechancen

Die Diskussion über die Frauenquote kennen wir alle – doch die Anzahl an Mitarbeiterinnen sagt noch längst nichts über deren Karrieremöglichkeiten im Unternehmen aus. Ein Großteil der deutschen Führungsetagen ist nach wie vor fest in Männerhand. Der Frauen-Karriere-Index soll für mehr Transparenz sorgen: Er legt offen, welche Unternehmen Frauen die besten Karrierechancen bieten. Wie ticken Deutschlands Unternehmen in Sachen Frauenförderung?

Wir haben mit Barbara Lutz, Chefin der auf Frauen spezialisierten Personalberatung Hunting/Her gesprochen. Gemeinsam mit Familienministerin Schwesig hat sie die frauenfreundlichsten Unternehmen 2015 ausgezeichnete. Lutz hat selbst langjährige Erfahrungen im Management gesammelt – und zwar auch im Ausland. Sie gibt Ihnen heute exklusive Einblicke und zeigt auf, wo Sie als Frau am schnellsten die Karriereleiter emporklettern können.

  Hier haben Frauen die besten Karrierechancen

 

In welchen Branchen haben Frauen die besten Karrierechancen?

 

Geburtenrückgang, Fachkräftemangel – Rahmenbedingungen wie diese sind dafür verantwortlich, dass sich viele Branchen im Wandel befinden. Gerade im Bereich Consulting und in Anwaltskanzleien haben ambitionierte Frauen es jedoch nach wie vor nicht leicht. „Diese Bereiche sind sehr leistungsgetrieben“, erklärt Barbara Lutz. „Es herrscht die Mentalität, ‚up or out‘, also Karriere machen oder du bist raus.“

Auch in der MINT-Branche, also den Bereichen Mathematik, Informationstechnologie, Naturwissenschaft, Technik haben weibliche Führungskräfte bislang Seltenheitswert. Das wollen MINT-Unternehmen ändern. Sie setzen zunehmend auf Maßnahmen, um ihre Attraktivität für hochqualifizierte Frauen zu steigern.

Eine Vorreiterrolle nimmt hierbei der TÜV Rheinland ein, der im aktuellen Frauen-Karriere-Index unter die Top 10 gewählt wurde. Neben dem unternehmenseigenen „Women’s Network“ bietet der TÜV Rheinland Initiativen wie ein spezifisches Mentoring-Angebot für weibliche Fach- und Führungskräfte. „Wir wollen die Karriereperspektiven für Frauen in unserem Unternehmen verbessern und diese gezielt fördern. Schließlich wollen wir den Frauenanteil in Führungspositionen weiter steigern – da haben wir Nachholbedarf“, erläutert Personalvorstand Thomas Biedermann. Seiner Überzeugung nach sollte ein globales Unternehmen möglichst divers aufgestellt sein – denn Teams, die besonders vielfältig in Bezug auf Alter, Geschlecht und kulturellem Hintergrund aufgebaut sind, arbeiten am konstruktivsten und erfolgreichsten.

Eine erfolgreiche Führungsebene besitzt die Fähigkeit, Sachverhalte aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, weiß auch Barbara Lutz. Am Ende profitieren also auch Unternehmen von mehr Frauen in der Management-Etage: „Meiner Erfahrung nach besitzen gemischte Management-Ebenen mehr Kompetenz zur Entscheidungsfindung und denken kreativer.“ Eine Frauenquote allein reiche nicht, so Lutz. „Wichtig ist die Ernsthaftigkeit und Nachhaltigkeit der Maßnahmen, mit denen Frauen gefördert werden sollen.“

 

Welche Hürden müssen Frauen im Management überwinden?

 

Im Alter zwischen 30 und 40 spielt bei Frauen oft der Wunsch nach Mutterschaft eine Rolle. Aus diesem Grund zögern viele Unternehmen noch, Führungspositionen mit Frauen dieses Alters zu besetzen. „Eine Mutterschaft kann für Unternehmen einen Arbeitsausfall von bis zu 3 Jahren bedeuten“, weiß Lutz. Kind oder Karriere, heißt es dann. Damit hochqualifizierte Frauen auch als Mütter weiter in auf ihren Positionen arbeiten können, befassen sich Unternehmen intensiv mit der Entwicklung von Lösungsansätzen. Neben Teilzeitmodellen bieten einige Firmen bereits Job-Sharing für Führungskräfte an.

Eine weitere Hürde für Frauen ist deren mangelndes Selbstbewusstsein. Viele qualifizierte Frauen scheinen ihren Wert nicht richtig einschätzen zu können. „Im Vergleich zu Männern sind Frauen zurückhaltender und spielen ihre Stärken herunter“, sagt Barbara Lutz.

 

Welche Unternehmen bieten die besten Aufstiegschancen?

 

In diesem Jahr heißt der Spitzenreiter HP – kein anderer Konzern setzte sich besser für die Aufstiegsmöglichkeiten von Frauen ein. Frauen in Führungspositionen zu bringen sei ein zentraler Wirtschaftsfaktor, so HP-Chefin Angelika Gifford. „Unsere offene Unternehmenskultur hilft uns, tradierte Muster zu durchbrechen und unsere Maßnahmen nachhaltig zu verankern. Flexible Arbeitszeitmodelle, Home-Office und Mentoring sind bei HP schon lange selbstverständlich. Im letzten Jahr haben wir eine Reihe weiterer Maßnahmen geschaffen, mit denen wir unsere weiblichen Talente gezielt motivieren, Führungsrollen zu übernehmen.“ Insgesamt schnitten die deutschen Tochterunternehmen ausländischer Konzerne in der Studie überproportional gut ab. Von insgesamt 21 Unternehmen finden sich neben HP gleich neun Unternehmen mit einem internationalen Hauptsitz in der Spitzengruppe.

Es scheint, als können deutsche Unternehmen von ihren internationalen Kollegen noch einiges lernen. „In vielen internationalen Konzernen sind Frauen im Management an der Tagesordnung“, so Lutz. „Bei uns in Deutschland ist das leider noch nicht der Fall.“ Doch Lutz ist zuversichtlich. „Die Rahmenbedingungen haben sich geändert. So nehmen beispielsweise immer mehr Männer eine Elternzeit in Anspruch.“

Aber auch einige deutsche Unternehmen setzen gezielt auf Frauenförderung. So entschied sich die Deutschen Telekom bereits im Jahr 2010 für eine freiwillige konzerninterne Frauenquote. Statt 19 Prozent sind inzwischen 25,6 Prozent der Führungskräfte bei der Deutschen Telekom Frauen. Dazu sagte Telekom-Personalchef Frank Hohenadel:  „Zur Zeit  kümmern wir uns intensiv um die Ausgestaltung moderner Arbeitswelten und eine gezielte Karriereunterstützung für Frauen, aber auch Männer in der Elternphase. Die Auszeichnung ist für uns dabei ein toller Ansporn diesen Weg weiterzugehen.“

 

Über Barbara Lutz:

HUNTINGHER Barbara Lutz

Barbara Lutz ist Dipl. Betriebswirtin und hat als Geschäftsführerin für ein amerikanisches sowie ein französisches internationales börsennotiertes Kommunikationsnetwork gearbeitet. Später wechselte sie in den Bankensektor und hat als Leiterin der Segmentkommunikation der Commerzbank unter anderem die kommunikative Begleitung zur Übernahme der Dresdner Bank verantwortet.

Unter der Förderung des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend hat sie den Frauen-Karriere-Index entwickelt und umgesetzt. Barbara Lutz berät Unternehmen bei der Umsetzung personalwirtschaftlicher Maßnahmen und ist eine nachgefragte Sprecherin zum Beispiel zum Thema Personal Branding. Frau Lutz führt gemeinsam mit Christian Boehnke die auf Frauen spezialisierte Personalberatung HuntingHer.


Experteer wurde von Focus als eines der Top Karriere Portale 2015 ausgezeichnet.



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