Doktortitel

Ph.D. und MBA: Was hilft der Karriere?

Lohnt es sich noch, den Doktor zu machen?

Lange galt der Doktortitel als ultimativer Beweis für Expertise und Erfolg. Doch hat er immer noch so viel Einfluss auf die beruflichen Aufstiegschancen wie früher? Kaum. Ein anderer Abschluss läuft dem Ph.D. nämlich langsam aber sicher den Rang ab.

Hilft ein Doktortitel der Karriere

Viele haben sich an das obligatorische Wörtchen „Dr.“ vor den Namen berühmter CEOs gewöhnt – vier der zehn erfolgreichsten DAX-Unternehmen werden von promovierten Spitzenkräften geführt. Wie viel Einfluss hat der Doktortitel also tatsächlich auf die beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten?

Die Zahlen aus der Experteer Datenbank zeigen, dass nur 12 Prozent der Geschäftsführer von Großunternehmen einen Ph.D. besitzen (klingt nach nicht besonders viel, doch ist die Quote damit doppelt so hoch wie bei Arbeitnehmern auf niedrigeren Karrierelevels). Ist der Doktortitel also Karrierebooster für diejenigen, die eine Führungsrolle im Visier haben? Kommt darauf an, sagt Dr. Andranik Tumasjan, der an der Technischen Universität München forscht.

Ein Doktortitel für die Karriere? Die Branche zählt …

Die Daten zeigen, dass Arbeitnehmer in den meisten Fachbereichen – darunter in der wissenschaftlichen Forschung, im Fremdsprachenbereich, den Kultur- und Sozialwissenschaften sowie in der freien Wirtschaft, – mit einem Doktortitel mehr verdienen als ohne. Doch wenn es darauf ankommt, sich eine Führungsposition zu sichern, hängt vieles vom Fachbereich ab.

In technischen Branchen wie der IT, der verarbeitenden Industrie und im Pharmabereich könne ein Doktortitel den Anwärtern auf eine gehobene Position im Management durchaus in die Hände spielen, sagt  Dr. Tumasjan. „Aber im Dienstleistungsbereich wie in der Hotel- und Gastronomiebranche, in Sales-orientierten Branchen oder im Entertainment-Geschäft, ist der Titel nicht ausschlaggebend“, erklärt er.

Das beweisen auch zahlreiche Praxis-Beispiele. Technik-orientierte Großunternehmen wie BASF, E-on und Daimler und kleinere Firmen wie Sennheiser (Unterhaltungselektronik) und EOS (3-D-Drucker) werden allesamt von promovierten CEOs geführt. Im Einzelhandels- und Finanzsektor sieht es dagegen anders aus: Bei Metro Group, Allianz und Deutsche Bank zum Beispiel haben die Geschäftsführer niedrigere Abschlüsse.

… und die Unternehmensgröße auch

Der Doktortitel hilft in einem Großunternehmen mehr als in einem kleinen oder mittelständischen Unternehmen, betont Tumasjan, „und zwar aufgrund der großen Anzahl an verfügbaren Management-Positionen. Je höher der Bildungsgrad, desto einfacher ist es, bemerkt und befördert zu werden.“ Der Doktortitel ist damit eine Art Alleinstellungsmerkmal. „In kleinen Unternehmen ist der Prestigefaktor eines Titels dagegen weniger wichtig. Die Aufgabenbereiche sind dort von Haus aus bodenständiger, jeder muss operativ mitarbeiten – ob Doktor oder nicht“, fügt Tumasjan an.

Doktortitel

Der Doktortitel – für Frauen wertvoller als für Männer?

Doktortitel: Bringt er Frauen mehr als Männern?

In den vergangenen Jahren gab es immer mehr Frauen, die ihren Doktor in Fächern wie Mathematik oder im Ingenieurwesen gemacht haben. Tumasjan glaubt, dass berufstätige Frauen in der Businesswelt mehr von einem Doktortitel profitieren als Männer. Gerade unter den erfahrenen Arbeitnehmern wird Frauen, die einen Doktor haben, mehr Glaubwürdigkeit als potenzielle Führungskraft beigemessen. Bei jüngeren Generationen „wird das allerdings keine Rolle mehr spielen.“

Der Abschluss der Zukunft ist der MBA

Das alles führt zwangsläufig zu der Frage: Hat der Doktortitel seinen Status als „Experten“-Auszeichnung im Business verloren?`“Definitiv“, erwidert Tumasjan. „Der MBA ist heute viel wichtiger für Arbeitnehmer, die eine Führungsposition anstreben.“ Damit spielt Tumasjan auf einen Trend in deutschen Unternehmensberatungen an: Wo die Berater früher eine Auszeit genommen haben, um ihren Doktor zu machen, entscheiden sich heute viele stattdessen für den MBA an einer Top Business School. Hinzu kommt, dass Universitäten ihre Anforderungen für Doktoranden erhöht haben. Damit wird es für „externe“ Doktoranden (z.B. für Consultants, die während einer zweijährigen Auszeit vom Job promovieren wollen) noch schwieriger, sich einen Ph.D. zuzulegen.

Und gleichzeitig wächst auch die Anzahl an MBA-Programmen in Deutschland. Mehr als 250 Programme werden derzeit an 100 verschiedenen Institutionen angeboten.

Der Doktortitel ist nicht länger der begehrteste Hochschulabschluss der nächsten Führungsgeneration. Tumasjan warnt sogar vor Situationen, in denen ein Ph.D. hinderlich ist. „Die Leute halten dich dann für zu akademisch und verkopft.“ Das gelte zum Beispiel für Stellen im Dienstleistungssektor.

Über die Autorin

Kate RodriguezKate Rodriguez  hat über 20 Jahre lang in öffentlichen und privaten Organisationen gearbeitet. Sie war als internationale Handelsanalytikerin für die US-Regierung tätig und sammelte Erfahrungen als Karrierecoach an einer Universität. Ihr Spezialgebiet ist die internationale Karriere.



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