Trennungsstrategien für Führungskräfte

Ich bin dann mal weg!

Führungskräfte und Top-Manager können nicht so einfach den Job wechseln. Auch sie müssen Kündigungsfristen und weitere Vertragsregeln einhalten. Wenn die Zeichen allerdings auf Wechsel stehen, gibt es durchaus gewitzte Strategien für eine schnelle und meist auch einvernehmliche Trennung.

Führungskräfte kündigen

Sie haben einen neuen Job in der Tasche, müssen sich aber mit der Kündigungsfrist herumärgern? Arbeitsrecht-Anwalt Steffen Rohrig gibt Tipps für eine reibungslose Trennung.

Der Anruf des Headhunters kommt überraschend für Jens Winters. In der Mittagspause. Das Angebot klingt sehr verlockend – ein lukrativer neuer Job mit hervorragenden Aufstiegschancen beim Weltmarktführer. Die Gesprächsrunden mit dem potenziellen Arbeitgeber verlaufen konstruktiv und positiv. Winters’ Entscheidung für einen Wechsel fällt rasch. Jetzt muss er nur noch rechtzeitig aus seinem jetzigen Job rauskommen …

Vor diesem Problem stehen in Deutschland viele Führungskräfte. Die aufgrund eines spannenden neuen Jobs ihr aktuelles Arbeitsverhältnis lieber heute als morgen beenden möchten. Oder die unzufrieden mit mangelnden Entwicklungsmöglichkeiten in ihrem jetzigen Unternehmen sind. Oder die plötzlich aufgrund eines Vorgesetztenwechsels auf dem Abstellgleis stehen.

Und dann bei der Trennung an augenscheinlichen Banalitäten wie Kündigungsfristen oder Verzögerungstaktiken des Arbeitgebers scheitern. Damit der neue Traumjob nicht nur ein Traum bleibt, sollten Sie kreative Trennungsstrategien für Führungskräfte kennen. Bei denen Sie um die Ecke denken und Stärke beweisen müssen.

Kündigungsfristen – kann man sie umgehen?

Fachanwalt Steffen Rohrig hat jede Menge Erfahrung im Trennungsmanagement.

Fachanwalt und Coach Steffen Rohrig hat jede Menge Erfahrung im Trennungsmanagement.

Prinzipiell gilt: Eine Kündigungsfrist ist einzuhalten. Das kann man drehen und wenden. Steffen Rohrig, Coach und Fachanwalt für Arbeitsrecht, kennt aus seiner langjährigen Praxis allerdings Lösungen für dieses Problem. Die kreativ sind und von der trennungswilligen Führungskraft auch ein wenig Mut erfordern. „Von beiden Seiten kann einvernehmlich eine Verkürzung der Kündigungsfrist vereinbart werden.

Geht dies nicht einvernehmlich, rate ich zu einem Vertragsverstoß, der wie folgt aussieht: Teilen Sie dem Arbeitgeber mit, dass Sie unter Verkürzung der Kündigungsfrist (etwa statt nach sechs schon nach zwei Monaten) ausscheiden und lassen Sie sich dies schriftlich bestätigen. Äußern Sie, dass Ihnen klar ist, dass dieses frühzeitige Ausscheiden vertraglich NICHT zulässig ist! Nach zwei Monaten gehen Sie. Der Arbeitgeber steht im Regen, droht mit Schadenersatz und weiteren Konsequenzen.“

Für dieses Vorgehen braucht die Führungskraft gute Nerven. „Und dieser Trick hat nur Chance auf Erfolge, wenn Sie NICHT zur direkten oder indirekten Konkurrenz wechseln – denn dann gilt das immanent immer mit vereinbarte vertragliche Wettbewerbsverbot. Bei einem Branchenwechsel gibt es hingegen in der Regel keine Probleme.“

Der Arbeitgeber stellt sich quer

Hat die Führungskraft den Trennungswunsch bekanntgegeben, erfolgt unter normalen Umständen eine Freistellung. Aber was tun, wenn der Arbeitgeber auf die Leistung pocht und die Führungskraft derart unter Druck setzt, dass eine Erkrankung droht? Hier empfiehlt Steffen Rohrig: „Wenn Sie unter dem Druck zusammenzubrechen drohen, hilft nur der Weg zum Arzt. Und eine Arbeitsunfähigkeitsschreibung. Oder agieren Sie geschickt: Treffen Sie keine Entscheidungen mehr.

Zwingen Sie den Arbeitgeber, seinerseits tätig zu werden. Wenn klar ist, was Inhalt einer Arbeitsanweisung an Sie ist, können Sie Dienst nach Vorschrift machen. Das Bundesarbeitsgericht hat zum Entsetzen der Arbeitgeber entschieden: Man muss nur so viel arbeiten, wie man muss und nur so gut, wie man kann.“

Im Zweifelsfall coachen lassen

In dieser außergewöhnlichen Lage kann ein Coaching helfen, das arbeitsrechtlich fundiert handelt. Ziel eines Coachings sollte am Ende der Trennung möglichst immer eine einvernehmliche Regelung sein. So sieht es auch Experte Rohrig: „Die Führungskraft hantiert im Job mit Millionenbeträgen, ist aber in Trennungssituationen extrem dünnhäutig und unsicher. Hier gilt es, den Betroffenen mit Fachwissen und Gespür zu unterstützen.“

Hase und Igel

Und wenn der Arbeitgeber der Führungskraft immer wieder in die Parade fährt? Rohrig rät: „Nicht unter Druck setzen lassen, ja nicht einknicken. Am besten sofort und hart zurückschlagen. Agieren Sie voller Power, schnell, effizient. Seien Sie der Hase und lassen Sie den Arbeitgeber in der Igelrolle!“

Und eine Abfindung?

Es gibt zwar keinen Anspruch auf Abfindung – oft zahlen Unternehmen aber Abfindungen zur einvernehmlichen Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Hier wird das Risiko eines Verlustes des Prozesses abgefunden bzw. kapitalisiert. Und da Kündigungsschutzprozesse rein statistisch mit fast 90 % von den Arbeitnehmern gewonnen werden, ist es nicht unrealistisch, dass der Arbeitnehmer gewinnt.

Über den Autor:

joergurbachJörg Peter Urbach ist Autor, Redakteur und Blogger aus Sprachleidenschaft. Seit mehr als 25 Jahren schreibt er. Für Print und Online. Konzepte. Geschichten. Fachartikel. Nach seinem Studium der Musikwissenschaft, Germanistik und Literaturwissenschaft arbeitete Jörg Peter als Editorial Manager im klassischen Musikbusiness. Als langjähriger Chefredakteur des Portals wissen.de weiß er, wie man Leser begeistert und Themen findet. Heute berät er Unternehmen zu den Themen Content Marketing und Digitale Kommunikation. Wenn der gebürtige Kieler nicht schreibt, durchwandert und fotografiert er die Alpen. Oder lauscht der Oper. Mit Achtsamkeit.



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