Mitarbeiter haben keinen Respekt

Respekt des Teams gewinnen

Die Vertrauensfrage

Die britische Premierministerin Theresa May muss in diesen Tagen nicht nur mit der EU über den Brexit verhandeln, sondern auch ihr eigenes Kabinett in Zaum halten. Immer wieder leisten sich Minister Fehltritte, immer wieder ist von Putschversuchen einzelner Kabinettsmitglieder die Rede. Ist es für Führungskräfte möglich, Vertrauen und damit Loyalität und den Respekt ihres Teams zurück zu verdienen?

Mitarbeiter haben keinen Respekt

Wenn Mitarbeiter keinen Respekt haben, kann das viele Gründe haben. Oft spielt mangelndes Vertrauen eine Rolle.

Ihre Mitarbeiter haben keinen Respekt – woran kann das liegen?

Wenn die Loyalität der Mitarbeiter bröckelt, kann das mehrere Gründe haben, sagt Claudia Weiler, Führungskräftecoach aus Köln.

  • Im Team kann es schon von Grund auf ein Misstrauen geben, weil der Vorgänger Probleme liegen lassen hat. Theresa May hat von ihrem Vorgänger David Cameron den Brexit geerbt, beim Entscheider im Unternehmen kann es zum Beispiel die unbeliebte Umstrukturierungsmaßnahme sein.
  • Manchmal liegt es auch daran, dass die neue Führungskraft nicht einhält, was im Voraus versprochen hat. Kündigt sie zum Beispiel an, dass die Mitarbeiter unter ihrer Leitung mehr Feedback erhalten werden und gestalten dürfen, aber nichts davon passiert, dann ist Frust vorprogrammiert.
  • Und dann können unvorhergesehene Geschehnisse eintreffen, die sich negativ auf das Vertrauen der Mitarbeiter in ihren Vorgesetzten auswirken. Das kann im Fall von Theresa May das schlechte Abschneiden bei den Neuwahlen sein oder im Unternehmen eine schlechte interne Kommunikation, zum Beispiel, wenn es um Boni, Beförderungen oder Stellenstreichungen geht.

Wie Sie den Respekt Ihres Teams zurück gewinnen

Claudia Heller berät Führungskräfte. Sie weiß, was bei Theresa May schief läuft.

Geht es nach Weiler, dann kann es Führungskräften dieses Meisterstück durchaus gelingen. Dabei sollten sie einiges beachten:

  1. Das eigene Verhalten reflektieren. Um in den Dialog mit dem Team zurück zu finden, müsse man sich „erst selbst darüber klar werden, was schief gelaufen ist“, sagt Weiler. Theresa May dürfte sich ihre Gedanken gemacht haben, weshalb sie die von vielen als unnötig betrachteten Neuwahlen ausgerufen hat. Und eine strauchelnde Führungskraft im Unternehmen überlegt vielleicht, weshalb sie von den Mitarbeitern als illoyal oder ihre Strategie als Schlingerkurs wahrgenommen wird.
  2. Transparenz walten lassen. „Die Führungskraft sollte ihren Mitarbeitern erklären, weshalb die Dinge so gelaufen sind wie sie gelaufen sind und was die – vielleicht gut gemeinte – Absicht dahinter war“, sagt Weiler. Hier gilt: Fehler und Schwächen zuzugeben ist nicht nur erlaubt, sondern oftmals sogar notwendig, um wieder als glaubwürdige Führungskraft wahrgenommen zu werden. Theresa May hat zumindest das schon mal vorgemacht: Beim Parteitag ihrer Tories im Oktober entschuldigte sie sich für das schlechte Abschneiden der Partei und räumte Fehler im Wahlkampf ein.
  3. Einen Plan erarbeiten. Und zwar mit den Mitarbeitern gemeinsam. „Vertrauen lässt sich aufbauen, indem man Vertrauen schenkt, sagt Weiler. Zusammen berät das Team, wie es weiter geht – die Führungskraft gibt die Richtung vor, räumt den Mitarbeitern aber auch einen Handlungsspielraum ein, um sie zu motivieren und Respekt zurück zu erlangen. Für Theresa May kann das heißen, ihr chaotisches Kabinett zusammenzurufen und auch mal ein Machtwort zu sprechen. Und für Manager, die hoffentlich kein ganz so kompliziertes Team leiten? Sie sollten die Mitarbeiter einbeziehen und als Persönlichkeit überzeugen. Dann kann verloren gegangener Respekt bei den Mitarbeitern auch zurückkehren.
  4. Versprechen einhalten. „Eine Führungskraft kann nur dann Vertrauen zurück erobern, wenn sie das, was sie sagt, auch tut“, sagt Weiler. Entpuppen sich große Pläne als leere Versprechungen, ist es nicht weit her mit Loyalität und Respekt. Das gilt für Politiker genauso wie für Entscheider in Unternehmen.

Doch was ist zu tun, wenn die Mitarbeiter gar nicht mehr bereit sind, an der Beziehung zu ihrem Chef zu arbeiten, sondern wie der britische Außenminister Boris Johnson längst am Stuhl der Vorgesetzten sägen? „Das muss eine Führungspersönlichkeit bis zu einem gewissen Grad aushalten“, sagt Claudia Weiler. Klar sei aber auch: Gegenseitiges Vertrauen, Loyalität und Respekt könnten nur dann wieder entstehen, „wenn beide Seiten das wollen.”

Über die Autorin

Felicitas Wilke klein

Felicitas Wilke arbeitet als freie Journalistin in München.

Beruflich begeistert sie sich für Themen rund um Wirtschaft, privat bereist sie gerne Skandinavien und hat ein Herz für schwarz-gelben Fußball aus dem Ruhrgebiet.