Runter vom hohen Ross

In 5 Schritten zum zukunftsreifen Chef

Privilegien abgeben? Oder gar Macht? Nicht mit Ihnen! Mit dieser überholten Ich-bin-der-Chef-Einstellung kommen Sie in Zeiten von new work nicht mehr weit. Da müssen Sie etwas ändern. Erfahren Sie deshalb von Organisationsexperte Hartmut Wiehle, wie Sie langfristig als Chef erfolgreich sein können.

zukunftsreifer Chef

Um erfolgreich Mitarbeiter zu führen, müssen Chefs ihr Statusgehabe ablegen. Und sich an die veränderten Bedingungen der Arbeitnehmer anpassen.

Sie können es einfach nicht mehr hören: Digitalisierung hier, Globalisierung dort und jetzt auch noch: new work! Am liebsten wäre es Ihnen, man ließe Sie einfach nur in Ruhe Ihr Ding durchziehen. Bisher lief doch alles prima! Klar, Sie sind ja auch der Boss! Doch als Chef vom alten Schlag – mit ausgeprägtem Statusgehabe und schnellen Erfolgen aber auch ohne Zukunftsmut und Offenheit und mit Widerstand in der Organisation – werden Sie bald nur noch Geschichte sein. Also, sichern Sie Ihre Zukunft, öffnen Sie sich für neue Ansätze und werden Sie jetzt aktiv. Hinterfragen Sie Ihren Status und Ihre Haltung, treiben Sie Änderungen aktiv voran. Eventuell müssen Sie anfangs sogar Macht abgeben … Aber langfristig sind Sie ganz weit vorn.

Kulturwandel statt Kosmetik

Die new work, also die Arbeitswelt der Zukunft, schwebt wie ein Damoklesschwert über Senior Managern und Führungskräften. Aus Angst vor unberechenbaren Folgen gravierender Umwälzungen betreiben sie dabei oft in vielen Problemlagen nur reine Kosmetik, die wirklichen Veränderungsthemen packen sie damit aber nicht an. Das reicht aber nicht, weil es bei der new work um nicht weniger als einen tiefgreifenden „Wandel der Unternehmenskultur“ geht, wie Fabian Kienbaum von Kienbaum Consulting konstatiert.

Als Verantwortlicher müssen Sie dafür sorgen, dass neu zu gestaltende Prozesse und Verantwortungsbereiche mit den Werten und der Wunsch-Kultur im eigenen Unternehmen zusammenpassen. Kienbaums Forderung hierzu klingt revolutionär, ist aber weitsichtig formuliert: „Die Chefs müssen von ihren hohen Rössern absteigen. Einfach nur den Schlips ausziehen, reicht jedenfalls nicht!“

Macht abgeben heißt: Wirksamkeit gewinnen

Für Sie als Chef könnte das also bedeuten: Auf Wiedersehen, Einzelbüro! Adé, Dienstwagen! Tschüss, Sekretärin! Aber keine Angst – Sie werden rasch erkennen, dass derartige „Verluste“ nur auf den ersten Blick ein Rückschritt sind. Wenn Sie die Bereitschaft zeigen, Ihre Haltung zum Status quo zu überdenken, eröffnen sich Ihnen völlig neue Perspektiven. In denen das Einzelbüro eher Last als Lust ist. Und Sie befreit durchstarten können.

In 5 Schritten zum zukunftsreifen Chef

Der Organisationsexperte Hartmut Wiehle empfiehlt Chefs: Offen sein und neugierig bleiben.

Der Organisationsexperte Hartmut Wiehle empfiehlt jedem Chef: Authentisch sein und neugierig bleiben.

Der Münchner Managementberater und Organisationsexperte Hartmut Wiehle rät Managern, die ihre führende Position auch in der new work zukunftssicher gestalten möchten, vor allem zur intensiven Selbstreflexion und zur Optimierung des eigenen Arbeits- und Führungsmodells. Dafür schlägt er eine 5-Schritt-Lösung vor, wobei die einzelnen Schritte durchaus parallel ablaufen können.

  1. Klärungen durchführen
  2. Strukturen schaffen
  3. Bewusst kommunizieren
  4. Strategischer managen
  5. Agile Arbeitsmethoden einführen und nutzen

Wiehle erläutert die einzelnen Schritte: „Gerade Klärungen können schmerzhaft sein! Sie erfordern erhebliche Anstrengung und negatives Feedback ist möglich. Aber größere Klarheit reduziert Ihren Aufwand, nachsteuern zu müssen. Und den Gegenwind gegen Ihre Führungsmaßnahmen.“ Das Schaffen von Strukturen trägt zur besseren Transparenz in puncto Verantwortlichkeiten und gegenseitigen Erwartungen bei. Zur bewussteren Kommunikation empfiehlt Wiehle: „Formulieren Sie klare Ziele, packen Sie diese in wenige, stimmige Botschaften, benennen Sie die wesentliche Strategie dafür und vor allem – sprechen Sie mit Ihren Mitarbeitern über Ihre Werte, über das, was Ihnen wichtig ist. Seien Sie dabei Sie selbst und spielen Sie keine Rolle“.

„Entwickeln Sie eine Management-Strategie – aber nicht allein, sondern mit Ihren Mitarbeitern und auch mit Beratern oder Coaches. Leiten Sie die KPIs ab und verfolgen Sie diese. Klassifizieren Sie das Stakeholdermanagement nach Einfluss, Interesse und Zugänglichkeit – vergessen Sie nicht, auch Ihre Mitarbeiter können wichtige Stakeholder sein! Und führen Sie agile Arbeitsweisen ein, bilden Sie kleine Teams und lassen Sie sich diese über KANBAN oder Scrum-Mechanismen selbst steuern“, rät Kulturexperte Wiehle.

Die Haltung macht’s

All diese Techniken und Stellschrauben in Ihrem Management sind für die Katz, wenn es an Ihrer Einstellung mangelt. Hartmut Wiehle weiß: „Werden Sie ‚bewusster’. Und vor allem: Verstehen Sie den Veränderungsbedarf als spannende Aufgabe und nicht als lästiges Problem.“ Bei all diesen Aufgaben, die Sie selbst auch (ein Stück weit) verändern werden, sollten Sie auf Ihre eigene Balance achten und authentisch bleiben. „Wenn Sie sich als unzulänglicher oder gar verletzlicher Mensch und Chef zeigen, werden Sie schwach und angreifbar – aber nur vordergründig. Im zweiten Schritt werden Sie für Ihre Mitarbeiter jedoch ‚anfassbarer“ und vor allem auf der menschlichen Ebene voll akzeptiert.“ Lassen Sie die new work ruhig kommen. Sie sind gerüstet.

Über den Autor

joergurbachJörg Peter Urbach ist Autor, Redakteur und Blogger aus Sprachleidenschaft. Seit mehr als 25 Jahren schreibt er. Für Print und Online. Konzepte. Geschichten. Fachartikel. Nach seinem Studium der Musikwissenschaft, Germanistik und Literaturwissenschaft arbeitete Jörg Peter als Editorial Manager im klassischen Musikbusiness. Als langjähriger Chefredakteur des Portals wissen.de weiß er, wie man Leser begeistert und Themen findet.

Wenn der gebürtige Kieler nicht schreibt, durchwandert und fotografiert er die Alpen. Oder lauscht der Oper. Mit Achtsamkeit.



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