Kind und Karriere

Warum der Nachwuchs von berufstätigen Müttern profitiert

Mütter, die nach der Schwangerschaft schnell wieder in den Job einsteigen, haben in Deutschland noch immer mit Vorurteilen und Kritik zu kämpfen. Völlig zu Unrecht, denn: Studien haben erwiesen, dass gerade Kinder, bei denen beide Elternteile berufstätig sind, bessere Zukunftschancen haben.

Kind und Karriere

Berufstätige Mütter, vernachlässigtes Kind? Von wegen! Studien haben herausgefunden, dass Kinder, bei denen beide Elternteile arbeiten, selbst bessere Bildungs- und Erfolgschancen haben.

Die meisten Mütter stehen irgendwann vor der Frage, wie sie Kind und Karriere unter einen Hut bringen sollen. Viele plagt ein schlechtes Gewissen, ihre Kinder fremdbetreuen zu lassen. Gleichzeitig wollen sie ihre Karriere nicht aufgeben, weil sie Mutter werden. Studium, Ausbildung, Berufserfahrung, Fortbildungen – Frauen haben viel Zeit und Mühe in ihr berufliches Fortkommen gesteckt. Wenn sie erst einmal Führungspositionen erreicht haben, wollen sie sich diesen Status erst recht nicht mehr so leicht nehmen lassen. So beginnt oftmals eine innere Zerreißprobe für weibliche Spitzenkräfte, die zwischen der Verantwortung für ihr Kind und dem eigenen Anspruch an die Berufstätigkeit hin- und herschwanken.

Kinder profitieren, wenn beide Elternteile arbeiten

Eine Publikation der Konrad-Adenauer-Stiftung hat mehrere Studien zum Thema Kind und Karriere zusammengefasst und analysiert. Dabei kommt heraus, dass Kinder mit berufstätigen Müttern in nichts hinter Kindern, bei denen ein Elternteil zu Hause ist, zurückbleiben. Im Gegenteil, die Gymnasialquote dieser Kinder liegt höher. Auch die frühe Fremdbetreuung schadet den Kindern nicht. Optimal sei es, die Kinder das erste Lebensjahr zu Hause zu betreuen. Danach sei eine Betreuungszeit von bis zu 30 Stunden pro Woche in Ordnung. Voraussetzung ist eine hochwertige Betreuung mit einem niedrigen Betreuungsschlüssel in kleinen Gruppen, die von qualifiziertem Personal geleistet wird.

Haben Sie kein schlechtes Gewissen!

Kinder spüren die emotionale Befindlichkeit ihrer Eltern mit ihren feinen Antennen. Wenn Mütter, die Kind und Karriere vereinen wollen, ein schlechtes Gewissen haben, ist das kontraproduktiv für die Entwicklung der Kinder. Darum sollten Sie sich klar machen, dass es in Ordnung ist, wenn Sie Ihr Kind für wenige Stunden am Tag in eine qualifizierte Betreuung geben, und welche Vorteile alle daraus ziehen. Denn der höhere Lebensstandard der Familie macht nicht nur viele Annehmlichkeiten möglich, sondern ist für Kinder auch eine Chance auf vielfältigere Freizeitaktivitäten und bessere außerschulische Förderung.

Denken Sie daran: Sie sind Vorbild

Der Berufsalltag beider Partner sollte Kindern schon früh vorgelebt werden. Gerade junge Mädchen lernen so, dass Beruf und Familie vereinbar sind. Übrigens: Familien, in denen beide Partner arbeiten, haben in der Regel eine ausgewogenere Rollenverteilung als Familien, in denen ein Elternteil für Haushalt und der andere für die finanzielle Absicherung zuständig ist. Partner von berufstätigen Müttern binden sich stärker in Haushalt und Kindererziehung ein. In solchen Familien lernen kleine Jungen und Mädchen, dass es normal ist, wenn sowohl Mama als auch Papa ihre Arbeit im Haushalt, bei der Kindererziehung und im Beruf leisten, und profitieren von zwei gleichberechtigten, kompetenten Ansprechpartnern.

Berufstätige Mütter sind zufriedener

Die verschiedenen Studien belegen, dass Frauen, die ihre Berufstätigkeit nicht aufgeben, im Schnitt zufriedener sind als diejenigen, die der Kinder wegen zu Hause bleiben. Diese Zufriedenheit führt zu einem ausgeglicheneren Erziehungsstil und einem harmonischeren Familienleben – zwei wichtigen Voraussetzungen für gute schulische Leistungen der Sprösslinge und deren gesunde psychische Entwicklung. Die Kombination von Kind und Karriere bringt also in der Regel glückliche Mütter und Väter mit stabilen Kindern hervor. Vorausgesetzt, die Betreuung der Kinder funktioniert reibungslos.

Kind und Karriere: Unternehmen sind gefragt

Vieles hängt also davon ab, wie gut sich die Berufstätigkeit mit der Elternschaft vereinen lässt. Hier können Unternehmen viel tun, um ihren weiblichen Teamleitern oder Führungskräften dabei zu helfen, Kind und Karriere optimal zu organisieren. Eine firmeneigene Kita schafft einen stressfreien Morgen und trägt zu längeren Arbeitszeiten der Mutter bei. Spezielle Notfallbetreuungssysteme greifen dann, wenn Kinder krank werden und die Eltern beruflich eingespannt sind. Viele Unternehmen setzen auch auf Kooperationen mit anderen Trägern, um in den Ferienzeiten zusätzliche Betreuungsmöglichkeiten anzubieten und so die Eltern zeitlich zu entlasten. Unternehmen, die flexiblen Arbeitszeitmodellen, Jobsharing und Homeoffice gegenüber offen sind, haben gute Chancen, ihre weiblichen Führungskräfte auch als Mütter weiter zu beschäftigen.



'Warum der Nachwuchs von berufstätigen Müttern profitiert' hat 8 Kommentare

  1. 14. Mai 2017 @ 17:26 Anja

    So ein Schwachsinn. Mit einer Fremdbetreuung von 30h die Woche, schafft man nur einen Teilzeitjob von max. 25 h. Dann ist Feierabend, eine Karriere verlangt aber min 50-60h Arbeit. Das kann frau nur noch mit einer weiteren Person schaffen. Da der Mann meist ausfällt, bräuchte man somit eine Vollzeit Oma. Schön für den, der sie hat. Ansonsten kann man Kinder nicht mal eben hinten anstellen.

    Antworten

    • Susanne Schloßbauer

      15. Mai 2017 @ 11:07 Susanne Schloßbauer

      Sie haben Recht, das Modell zweier berufstätiger Elternteile funktioniert nur mit Unterstützung. Unterstützung von der Familie, vom Arbeitgeber, vom Staat. Da ist definitiv noch Aufholbedarf in Deutschland. Doch wir sprechen mit vielen Personalern und Unternehmen und wissen: Es bewegt sich etwas. Mag sein, dass es noch etwas dauert, bis dahin heißt es: Geduld haben. Die eigenen Rechte (z.B. auf Karriere oder Unterstützung durch den Arbeitgeber) einfordern. Dann glauben wir, dass wir auf einem guten Weg sind.

      Antworten

    • 18. Mai 2017 @ 13:52 Marie

      Wer legt fest, dass Karriere min 50 Stunden abverlangt?

      Antworten

  2. 14. Mai 2017 @ 20:16 Manuela

    Dem Artikel stimme ich nur zum Teil zu. Bin seit dem 8ten Lebensmonates meines Kindes wieder beim Arbeiten und dachte, dass es mein Arbeitgeber zu schätzen weiß, dass ich so früh wieder zurück komme. Dem war leider nicht so. Ganz im Gegenteil. Ich wurde zu Beginn Zitat meines Chefs als “nicht vollwertige Mitarbeiterin” betitelt, als ob ich in der kurzen Zeit meiner Abwesenheit immens viel von meiner Kompetenz eingebüßt hätte. Die Arbeitgeber in Deutschland sind trotz hinreichender Studien darüber, dass Teilzeit Arbeitskräfte deutlich effizienter als Vollzeit Arbeitskräfte arbeiten, nicht bereit vermeintlich “zurück stecken zu müssen”. Hinzu kommt, dass meine Aufgaben Zuteilung nun wieder der von mindestens einer Vollzeit Kraft entspricht, ich meine Sachen nur noch oberflächlich abarbeiten kann und die Qualität entsprechend darunter leidet. Die Arbeitgeber müssen in Deutschland hierzu wirklich schnell Umdenken, den die Wertschätzung lässt schlicht zu wünschen übrig. Mein Chef hat beispielsweise kein Verständnis dafür, dass ich schlicht überfordert bin, da ich Zitat “mich jeden Nachmittag ausreichend von meinem Job erholen kann”. Logisch: Kinderbetreuung ist die reinste Erholung… Insbesondere dann, wenn man mal wieder wg dem Chef, der gerne Mittags im Büro erscheint um neue Aufgaben zu verteilen, zu spät das Kind abholen kann, welches dann übermüdet mal keine Lust auf Essen oder sonst was hat und dann erst mal 2 Stunden Theater macht. Ich kann aus meiner heutigen Sicht nur jeder Mama davon abraten, so früh wieder zum Arbeiten anzufangen, denn die Wertschätzung lässt einfach nur zu Wünschen übrig.
    Die meisten Arbeitgeber sind hier einfach noch lange nicht so weit… Leider….

    Antworten

    • Susanne Schloßbauer

      15. Mai 2017 @ 11:03 Susanne Schloßbauer

      Vielen Dank, dass Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen – wir wissen das zu schätzen! Es ist leider nicht schön zu reden, dass das große Umdenken in vielen Unternehmen noch nicht stattgefunden hat. In Ländern wie Frankreich oder Spanien ist es ein gängiges Modell, dass Müttern schon nach kurzer Zeit der Einstieg in den Beruf wieder ermöglicht wird (dies wird sogar erwartet). Dafür gibt es jedoch auch hervorragende Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder. Dass Ihr Chef Ihren schnellen Wiedereinstieg nicht würdigt, ist traurig. Es weist auf einen Mangel an Einfühlungsvermögen hin und – schlicht gesagt – auf Defizite in seinem Führungsverhalten. Wir wünschen Ihnen, dass Sie die Wertschätzung erhalten, die Sie verdienen und hoffen, dass Ihr Wiedereinstieg ins Berufsleben gut gelingt!

      Antworten

    • 27. Juni 2017 @ 18:03 Christiane

      Bin nach 1 Jahr auch wieder Vollzeit eingestiegen, keine Großeltern in der Nähe und Mann ständig beruflich unterwegs. Mein Kind war auch nicht besonders oft krank. Wertschätzung war keine da… höchstens von Müttern in gleicher Situation. Eine Gehaltserhöhung wurde abgelehnt, da ich von allen die mit den wenigsten Überstunden war. Die vielen Kaffeepausen, die ich mir hingegen nicht wie alle anderen gegönnt habe, weil ich eben nur mein VZ-Stundenfenster hatte, sieht keiner. Konsequenz: Jobwechsel. Da hat man das Müttersein nicht als plötzlichen Kompetenzverlust gesehen, sondern ich hatte quasi damit eine Chance auf einen unbelasteten Neuanfang. Schade, weil ich meinen alten Job liebte und die Kollegen meinen Weggang bedauerten. Manchmal sollten Führungskräfte an ihrer sozialen Kompentenz gegenüber Vollzeit arbeitenden Müttern gemessen werden. Und nicht an der Quote wievielen männlichen Kollegen Elternzeit gewährt wird und man als Unternehmen ach so fortschrittlich ist. Wir sind vielleicht die Wegbereiter. Erst unsere Kinder werden hoffentlich davon profitieren.

      Antworten

  3. 26. Juni 2017 @ 20:40 Marcellina

    Ich bin Lehrerin und man müsste meinen, dass es uns besonders einfach gemacht wird, mit Kind zu arbeiten und nach der Entbindung schnell zurückzukehren, zumal die Präsenzzeit in der Schule im Verhältnis zur Gesamtarbeitszeit relativ kurz ist. Da jetzt im Freundes- und Kollegenkreis viel Nachwuchs auf die Welt gekommen ist, habe ich erschreckendes feststellen müssen: Verständnis für Mütter sucht man lange. Zum einen gibt es immer noch zu wenige Kita Plätze, insbesondere in ländlichen Gegenden hat man mit einem kleinen Kind von einem Jahr kaum eine Chance, da älteren Kindern Vorzug gegeben wird. Tagesmütter sind Glückssache, aber auch die haben Urlaub oder sind krank und richten sich dabei nicht immer nach den eigenen Zeiten. Was aber Mütter an Schulen erleben ist zum Teil reinste Schikane. Junge Frauen mit einem Kind oder kurz nach der Einstellung gelten als Risikofaktor – sie könnten schwanger werden oder wegen des Kindes häufiger ausfallen und dann zum Problem werden. Dementsprechend ist häufig der Umgang mit Aufgabenverteilung und die Zuteilung von Klassen und Kursen – kaum Oberstufe, keine Leistungskurse wenn möglich nur Nebenfach, neuester Trend Deutschunterricht in Flüchtlingsklassen oder Abordnung an andere Schulen. Gleichzeitig hat man in vielen Schulen als Junge Frau gar keine Chance, in verantwortungsvollere Positionen zu kommen, wenn man seine Familienplanung noch nicht abgeschlossen hat und mit kleinem Kind schon mal gar nicht. Die Härte ist aber, dass junge Mütter kaum Unterstützung durch den Stundenplan bekommen. Kein Entgegenkommen und kaum merklich kürzere Anwesenheitszeit selbst bei Verringerung der Stundenzahl. Eine Kollegin ist durch die Stimmenverteilung bei halber Stelle genauso lange da, wie ich mit voller Stelle, dazwischen darf sie dann gerne auch vertreten oder Aufsicht machen o.Ä. Ich frage mich, wenn es in einem so familienfreundlichen Beruf wie Lehrer so zugeht, wie geht es dann in der freien Wirtschaft zu?

    Antworten

    • Susanne Schloßbauer

      27. Juni 2017 @ 09:21 Susanne Schloßbauer

      Vielen Dank, dass Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen! In der Tat haben es Mütter in der Wirtschaft oft noch schwer (ganz anders als beispielsweise in Frankreich, wo die berufstätige Frau ein voll akzeptiertes Rollenmodell ist). Doch gerade die Generationen Y und Z fordern mehr Freiraum, mehr Flexibilität bei der Arbeitszeiteneinteilung – das wird auch Müttern zugute kommen. Auch dass Männer Elternzeit für die Kinderbetreuung nehmen, hören wir immer öfter. Wir hoffen, dass sich auch in Deutschland bald durchsetzt, was in anderen Ländern bereits Gang und Gäbe ist. Denn Frauen und Mütter haben für die Wirtschaft ein enormes Potenzial. Wir wünschen Ihnen viel Glück und Erfolg im Beruf!

      Antworten


Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.