Das Trump-Dilemma

Können Sie Komplimente?

Mit seinem zur französischen Präsidentengattin Brigitte Macron genuschelten „Sie haben sich so gut gehalten“ trat Donald Trump voll ins Kommunikationsfettnäpfchen. Besonders im Büro ist der Grat zwischen gelungenem Kompliment und peinlichem Fauxpas schmal . Wir hätten da ein paar Tipps, mit denen Führungskräfte den richtigen Ton treffen.

Wenn der Chef Komplimente verteilt, kann das heikel werden. Schließlich will sich niemand mit Präsident Trump vergleichen lassen. Dessen Schmeichelei an Brigitte Macron ging nämlich nach hinten los.

Gerade Männer tun sich im beruflichen Umfeld augenscheinlich schwer, vor allem Kolleginnen und Mitarbeiterinnen gegenüber das richtige Maß und den richtigen Ton zu treffen. Mit unseren Tipps bewegen Sie sich in Sachen Komplimente ab sofort auf sicherem Terrain und tun gleichzeitig etwas für die Motivation und das Arbeitsklima im Team.

Schmeichelei oder Kompliment?

Der Kommunikationsexperte Michael Fischer rät zu einem maßvollen Umgang mit Komplimenten im Job.

Der Kommunikationsexperte Michael Fischer rät zu einem maßvollen Umgang mit Komplimenten im Job.

Der Kommunikationsexperte Michael Fischer erläutert den feinen Unterschied. „Als Kompliment bezeichnet man eine Äußerung, die wahrheitsgemäß eine besondere Eigenschaft eines Menschen hervorhebt, wie etwa ‚Sie haben wirklich einen genauen Blick für die wichtigen Details’. Zur Schmeichelei wird ein Kompliment, wenn die Äußerung stark übertreibt, wie etwa ‚Wenn ich irgendetwas nicht weiß, muss ich nur zu Ihnen kommen und das Problem ist garantiert gelöst’.“ Sie merken schon, mit dem ehrlich gemeinten ersten Kompliment lösen Sie bei Ihrem Gesprächspartner Loyalität aus, die Schmeichelei hingegen kann das Gegenteil auslösen, nämlich Misstrauen („Warum sagt der Chef das denn jetzt ausgerechnet mir …?“), weil der Adressat hinter Ihrer Botschaft die Absicht erkennt.

Fischer rät: „Damit Sie mit Ihren Komplimenten beim Gegenüber wirklich die gewünscht positive Wirkung erzielen, gilt es folgendes zu beachten: der Zeitpunkt, der Anlass und vor allem das Maß der gemachten Komplimente müssen stimmig sein.“ Verteilen Sie also keinesfalls Komplimente nach dem Gießkannenprinzip, sondern überlegen Sie genau, in welcher Situation Sie welchem Kollegen welches Kompliment machen möchten. Im Privatleben mögen spontane Komplimente oft die besten sein, im Job können Sie sich damit gewaltig die Finger verbrennen.

Die Kollegin – das unbekannte Wesen

Coach Yvonne Welser meint, dass Frauen im beruflichen Umgang wie Männer behandelt werden möchten.

Coach Yvonne Welser meint, dass Frauen im beruflichen Umgang wie Männer behandelt werden möchten.

Der Unsicherheit vieler Manager, wie sie mit Kolleginnen und Mitarbeiterinnen umgehen sollen, entgegnet Yvonne Welser, Trainerin bei improwe: „Gehen Sie einfach davon aus, dass eine Frau prinzipiell nicht anders behandelt werden möchte als ihre männlichen Kollegen.“ Für Welser hängt alles von der Einstellung des männlichen Chefs ab: „Jeder Manager sollte sich explizit die Frage stellen, wie seine Haltung gegenüber Frauen als Mitarbeiterinnen ist. Tatsächlich stecken noch viele alte Muster hinter dem Genderthema vor denen Mann keine Scheu haben sollte, sie genauer zu betrachten. Sie sind ja über Generationen gewachsen und man kann sie nur durch das Bewusstsein darüber verändern.“

Drei No-Gos für Komplimente

Martin Bergmann, Berater und Sozialpädagoge, gibt Tipps für richtige Komplimente.

Martin Bergmann, Berater und Sozialpädagoge, gibt Tipps für richtige Komplimente.

Martin Bergmann, Soziologe und Geschäftsführer von improwe, ist überzeugt, dass das Geschlecht im allgemeinen sachlichen Umgang miteinander im Business keine Rolle mehr spielen darf. Probleme entständen auf emotionaler Ebene. Daraus leitet er die drei wichtigsten No-Gos für „Komplimente“ ab.

  1. Komplimente zu Äußerlichkeiten

Völlig angebracht im Job. Jegliches Feedback bezogen auf körperliche Merkmale kann und wird als sexuell anzüglich und übergriffig wahrgenommen. Finger weg!

  1. Komplimente zu angeblich typisch weiblichen Attributen und Eigenschaften

Floskeln wie „Sie haben so eine ‚zarte’ Stimme, klären Sie das doch bitte mit dem (verärgerten) Kunden“ oder “Setzen Sie doch Ihren Charme ein” stempeln die Frau als Stereotyp ab und gehören in die Mottenkiste.

  1. Anzügliche Scherze und überhebliche Macho-Sprüche

Sexistische Witze gehen gar nicht. Auch Sprüche, die alte Rollenbilder bedienen, wie: “Mann verdient Geld, Frau macht Haushalt” schaden Ihrer beruflichen Chefbeziehung zu weiblichen (und auch vielen männlichen) Kollegen.

So machen Sie richtig Komplimente

  • Bleiben Sie auf der Sachebene, insbesondere wenn ihre Beziehung sehr distanziert ist. Sprechen Sie über Ihre Arbeit und weniger über Privates, hier lauern Fettnäpfchen. Selbstverständlich verzichten Sie nicht auf Höflichkeit, wie eine freundliche, unverfängliche Begrüßung.
  • Stellen Sie fachliche Leistungen heraus, bei Frauen und Männern. Fördern Sie Ihre Mitarbeiter dementsprechend und machen Sie dies transparent.
  • Verteilen Sie Aufgaben nach tatsächlicher Kompetenz und Fähigkeiten, nicht nach Rollenbildern wie „Frau Müller, schreiben Sie doch Protokoll, Sie haben eine so schöne Handschrift“ oder „Herr Meier, übernehmen Sie das doch, das erfordert doch erhebliches Durchsetzungsvermögen und Stärke.“. Ein besseres Kompliment gibt es nicht.

Kommunizieren Sie sachlich, klar, offen und wertschätzend, mit jedem Ihrer Mitarbeiter. Machen Sie dabei bitte keine Unterschiede nach Geschlechtern. Dann fühlen auch Sie sich in Ihrer Chefrolle sicherer und besser.