Kontaktanbahnung mit Headhuntern: Die größten Fehler

Kontaktanbahnung mit Headhuntern: Die größten Fehler

Headhunter können Ihnen helfen, Ihren nächsten Karriereschritt zu realisieren. Diese Zusammenarbeit ist zeitlich beschränkt, meistens auf einige Wochen, soll jedoch für alle Seiten erfolgreich verlaufen – und zwar langfristig. Neben Themen wie fachlicher Eignung für eine Vakanz, Passung der Rahmenbedingungen (Arbeitsort, Gehalt, Sprachkenntnisse), gibt es Punkte in der Art und Weise der Zusammenarbeit, die sich als Fehler – im schlimmsten Fall sogar als „Kooperationskiller“ – herausstellen können.

An dieser Stelle geben wir Ihnen einen Überblick über die größten Fehler, die Sie in der Zusammenarbeit mit einen Headhunter machen können. Subjektiv, aus unserer Erfahrung, jeder Headhunter mag da andere Vorstellungen haben. Wir betrachten dabei die Phase des ersten Kontakts, die Folgetelefonate, Zusendung Ihrer Unterlage bis zur Vereinbarung eines Termins für ein persönliches Vorstellungsgespräch mit dem Berater. Alles über das erste Gespräch mit Headhuntern erfahren Sie in unserem nächsten Beitrag.

Kontaktanbahnung mit Headhuntern: Die größten Fehler

 

1. Fehler: Kontakt am Unternehmenstelefon

 

Sollte der Headhunter Sie beim Erstkontakt am Arbeitsplatz anrufen, lauert hier schon die erste Fehler-Quelle. Verabreden Sie mit dem Berater einen Zeitpunkt für ein Telefonat (das aus juristischen Gründen nicht über die Kommunikations-Infrastruktur Ihres Arbeitgebers laufen darf). Der Headhunter darf an dieser Stelle nicht ausführlich mit Ihnen reden (denn er würde sonst die Infrastruktur der Firma belegen, was er juristisch nicht länger als für den ersten kurzen Kontakt erforderlich darf)! Siehe hierzu folgendes BGH-Urteil.

Zudem ist es schlichtweg ein Fehler, wenn Sie – egal aus welcher Intention heraus – nun einen Dialog beginnen wollen, indem Sie z.B. Fragen zur Position stellen. Selbst Ihre Aussage „Ich bin alleine, wir können reden“ entbindet den Headhunter nicht von der Pflicht, das Telefonat über die Infrastruktur Ihrer Firma möglichst kurz zu halten. Fangen Sie nun kein Gespräch über Sinn oder Unsinn dieser Regelung an oder darüber, dass der Berater sich daran hält. Im Zweifel vermutet der Berater, dass Sie ihn entweder aufs Glatteis führen wollen oder, dass Sie jemand sind, der sich an Irrelevantem aufhält, anstatt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Lösung: Sie geben ihm Ihre private Mobilfunk- oder Festnetznummer. (Auch hier gilt: Ihr Firmenhandy ist tabu.) Nun können Sie einen Zeitpunkt für ein Telefonat vereinbaren.

Hat der Berater Sie auf einem Karriereservice wie Experteer identifiziert und schreibt Sie dort an? Geben Sie eine private Telefonnummer an und nennen Sie am besten einige Terminvorschläge. Aus Sicht eines Headhunters ist es sogar sinnvoll, wenn Sie eine private Email-Adresse nennen und a priori um Zusendung eines Stellen-Exposees bitten. So kann das nachfolgende Telefonat besonders fundiert geführt werden.

Anmerkung: Es gibt Berater, die dies nicht mögen – sie wollen Herr des Prozesses bleiben und zunächst möglichst wenige Informationen über die Stelle preisgeben. „Führen durch Informationsvorbehalt“ passt aus unserer Sicht zum CV-Händlertum, nicht aber zum Executive Search.

 

2. Fehler: Sie sind nicht erreichbar

 

Nun schließt sich der nächste mögliche Fehler an: Sie sind zum verabredeten Zeitpunkt nicht erreichbar! Abgesehen davon, dass es unhöflich ist (der Berater nimmt sich immerhin extra Zeit für Sie), lässt es den Schluss zu, dass Sie entweder nicht gut planen können oder unzuverlässig sind. Oder nehmen Sie die Angelegenheit nicht ernst genug?

 

3. Fehler: Unkonzentriert im Telefonat

 

Ein weiterer Fehler ist es, im Telefonat unkonzentriert wirken. Natürlich kann es sein, dass Sie im Auto unterwegs sind; dann sollten Sie aber trotzdem in der Lage sein, frei und fokussiert zu sprechen. Können Sie das nicht, sollten Sie von vorneherein einen anderen Zeitpunkt wählen.

Schlimmer noch ist es, wenn Sie das Telefonat nebenbei führen. Zum Beispiel, während Sie Ihre Kinder zu Bett bringen, Rauchen, Essen oder versuchen, Ihren Hund zu bändigen. Auch hier signalisieren Sie, dass Sie das Telefonat nicht wertschätzen. Der Berater tut dies aber. Nehmen Sie sich also Zeit!

Unsere Auswertungen und Erfahrungen zeigen, dass Kandidaten, die die ersten Telefonate nicht ernst nehmen, auch das nachfolgende persönliche Gespräch eher nebenbei führen. Sie sind nicht gut vorbereitet und verlassen sich ganz auf ihr vermeintlich gewinnendes Wesen.

Wir empfehlen, sich eines klar zu machen:

Der Berater hat einen Auftrag – er soll für eine wichtige Vakanz geeignete Kandidaten präsentieren. Im Gespräch mit Ihnen versucht er demnach festzustellen, ob Sie die richtige Person sind und ob die Vakanz für Sie ein interessanter und langfristiger Karriereschritt sein kann. Er wird seine Energie nicht auf jemanden verwenden, der nur halbherzig bei der Sache ist.

 

4. Fehler: Marktwert testen

 

Auch mit der Meinung „Man soll sich ja alles anhören“ kommen Sie nicht weit. Wenn Sie sich alles anhören, und zwar ohne echtes Interesse, vermitteln Sie den Eindruck, keine Prioritäten setzen zu können. Oder wollen Sie sich einfach nur unterhalten lassen? Ihren Marktwert testen? Das könnte einem Berater sicherlich sauer aufstoßen.

Anmerkung: Es gibt Spitzenkräfte, die sehr viele Kontaktanfragen bekommen. Trotzdem: Filtern Sie und führen Sie die ausgewählten Gespräche mit Ernsthaftigkeit. Die Haltung „Ich kriege so viele Anfragen = ich behandle alle abweisend oder gelangweilt“ ist nicht sinnvoll. Vielleicht verbauen Sie sich mit dieser Haltung den idealen nächsten Karriereschritt.

Lösung: Seien Sie verbindlich und führen Sie ein ernsthaftes und ernst gemeintes Telefonat.

Seien Sie auf dieses Telefonat soweit vorbereitet, dass Sie relevante Fragen beantworten können – zu Ihrem Werdegang, zu Ihrer Person, Ihren Zielen und zum Wechselmotiv – und nutzen Sie die Gelegenheit, wichtige Fragen zu stellen. Das Ziel des Telefonates ist es, zu entscheiden, ob Sie bereit für den nächsten Schritt sind oder nicht. Alles, was vage bleibt, zieht sich als Fragezeichen durch den Prozess. Und zwar bis der Berater ihn stoppt, weil in Ihrer Person zu viele Unwägbarkeiten festzustellen sind.

Beispiel: Es ist nicht schlimm, wenn Sie auf die Frage nach Ihrer Umzugsbereitschaft sagen, dass Sie dies erst familiär klären müssen. Negativ ist es allerdings, wenn Sie ausweichen. Sie sprechen über „Reisebereitschaft“, „mal sehen“, „na klar“, und das obwohl das Thema familiär nicht abgestimmt ist. Hier muss der Berater ständig das Risiko befürchten, dass Sie nur Ihren Marktwert testen wollen und am Ende doch nicht umziehen.

 

5. Fehler: Unverbindlichkeit

 

Ein weiterer Fehler ist es, die Haltung „Sie (der Berater) kamen doch auf mich zu“ einzunehmen. Das stimmt zwar, allerdings steht dahinter ein Ziel: interessante und geeignete Personen für Vorstellungsgespräche beim Mandanten zu identifizieren. Wenn Sie sich zu sehr als „Umworbener“ aufspielen, wird sich das negativ auf die Beurteilung Ihrer Person auswirken.

Machen Sie sich den möglichen wechselseitigen Nutzen klar: Vielleicht braucht der Berater genau Sie, um seinen Auftrag zu erfüllen. Vielleicht ist der Berater genau derjenige, der Ihnen den idealen nächsten Karriereschritt ermöglichen kann.

Lösung: Seien Sie klar, professionell und verbindlich! Sagen Sie, was geht und was nicht geht. Wenn Sie sich nämlich als Zeit-Räuber herausstellen, wird der Headhunter Sie fortan meiden.

Sie haben vereinbart, dass Sie dem Berater Ihre Unterlagen zukommen lassen? Dann halten Sie sich an die zeitliche Zusage und prüfen Sie, ob Ihre Unterlage vollständig (Lebenslauf und relevante Zeugnisse, ggf. Anschreiben) und aussagefähig ist. Kein Bearter wird Ihnen aufgrund fehlender Dokumente hinterher laufen.

 

6. Fehler: Überstürzt handeln

 

Wenn Sie sich zu einem persönlichen Gespräch verabreden wollen, sollten Sie gemeinsam an einer Terminmöglichkeit arbeiten. Es gibt dabei zwei wichtige Parameter – Zeit und Ort. Sehen Sie zu, dass sich ein Kompromiss finden lässt: Entweder sind Sie räumlich flexibel (d.h. Sie nehmen Anreise zum Gespräch in Kauf) oder aber Sie sind es zeitlich (d.h. Sie richten sich nach dem Berater, der räumlich auf Ihre Wünsche eingeht). Ein Fehler ist es, wenn Sie einerseits vorschnell zum Termin kommen wollen. Ist noch nicht einmal der Umzug geklärt, braucht es auch kein persönliches Gespräch. Genau darin besteht das Risiko eines Kardinal-Fehlers: Sie bestätigen Umzugsbereitschaft, treffen sich mit dem Berater und teilen ihm im Gespräch mit, dass Sie mit Umzug natürlich eine Zweitwohnung mit Wochenend-Pendeln meinen (dazu mehr im nächsten Artikel).

Wechsel der Perspektive:

Verlassen Sie die Rolle des Umworbenen und sehen Sie sich und den Berater als Team, das ein gemeinsames Projekt bearbeitet. Beide Projekt-Mitglieder haben dabei die Möglichkeit, sich selbst aber auch den anderen aus dem Projekt herauszunehmen.

Stellen Sie fest, dass Sie kein Interesse am Erfolg des Projekts haben, sollten Sie sich zurückziehen, denn Sie sparen Zeit. Halten Sie das Projekt hingegen für Ihren idealen nächsten Karriereschritt, dann müssen Sie den Erfolg möglich machen. Die faktischen Bedingungen dazu können Sie nicht ändern, der persönliche Beitrag zum Gelingen liegt jedoch klar in Ihren Händen und drückt sich in Ihrer Haltung aus!

 

Über den Autor

Thomas Friederichs hat nach einer mehrjährigen Laufbahn als Offizier der Bundeswehr Ende der 90er Jahre seine Tätigkeit in der Personalberatung aufgenommen. Früh hat er sich neben der operativen Arbeit mit Methodik und Systematik der Personalgewinnung beschäftigt und bereits ein Fachbuch und mehrere Ratgeber zu diesem Thema veröffentlicht. Heute ist der Autor Vorstand und Gesellschafter des Executive-Search-Unternehmens Tröger & Cie. AG in Frankfurt/Main. Diese Beratung ist ein Experte für anspruchsvolle Mandate im Executive Search. Das deutschlandweit und international tätige Unternehmen kann in allen relevanten Branchen Referenzen aufweisen. Die langjährige Erfahrung des eigenen Research-Teams und leistungsfähige interne Strukturen und Abläufe stellen für Kandidaten und Mandanten den Erfolg sicher. Nach der Maxime BESSER BERATEN präsentiert sich Tröger & Cie. denjenigen Unternehmen, die nicht einfach “Personal” sondern Leistungsträger suchen, als qualitätsorientierter und zuverlässiger Dienstleistungspartner.

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