Künstliche Intelligenz in der Personalberatung 

Watson: ein digitaler Schlaumeier als Game Changer

Schnellere und bessere Search-Vorgänge sparen Zeit und Geld: Warum die neue Supersoftware das Zeug dazu hat, die gesamte Branche zu verändern.

Künstliche Intelligenz in der Personalberatung 

Watson, so erklärt Dirk Heitmann von IBM, interpretiert Daten, egal woher sie kommen und in welcher Form sie vorliegen. Bisher waren rund 80 Prozent aller entstehenden Informationen für Computer nicht verwertbar.

Wer oder was ist Watson?

Ein mit Algorithmen gefütterter Informationskoloss von biblischem Ausmaß, über den der Mensch früher oder später die Kontrolle verliert?

Ein digitale Wolke, die sich leise, still und heimlich mehr von uns einverleibt, als wir für möglich halten?

Ein fabelhaftes Werkzeug einer Gegenwart, in der Mensch und Maschine sich wie Kollegen ganz wunderbar ergänzen?

Kaum eine Technik katalysiert derzeit die Phantasie wie die von IBM geschaffene Künstliche Intelligenz. Also: Wer oder was ist Watson? Auf der Experteer-„Leaders Lounge“ treffen wir jemanden, der es wissen muss: Dirk Heitmann, Director Analytics bei IBM: „Es ist“, sagt Heitmann und lächelt hintergründig, „ein modulares, kognitives IT-System, das für die neue Fähigkeit von Computern steht, zu lernen, abzuwägen und in natürlicher Sprache mit Menschen zu kommunizieren.“

Künstliche Intelligenz in der Personalberatung 

Eine intelligente Auswahl von Top-Kandidaten – das verspricht das Programm des Super-Computers Watson.

Was erst einmal ein wenig profan klingt, ist in Wahrheit nicht weniger als eine der größten Innovationen unserer Zeit: Watson zählt zu dem Schlauesten, was findige Ingenieure bislang hervorgebracht haben. Er ist einer der leistungsstärksten Computer der Welt; ein Gehirn aus Kunststoff und Silizium, das in einem Sekundenbruchteil Millionen von Daten erfassen und ordnen kann. Das System ist in der Lage zu lesen, zu sprechen, zuzuhören, zu schreiben. Es kann Texte analysieren, Zusammenfassungen von Diskussionen erstellen, komplexe Arbeitsabläufe organisieren. „Und Watson weiß nicht nur enorm viel“, sagt Heitmann, „er lernt auch schnell, indem er permanent sein Verständnis weiterbildet, das er aus Erfahrung und Interaktion mit seiner Umwelt ableitet.“

Kein Wunder also, das das Supersystem bereits auf verschiedensten Feldern zum Einsatz kommt. In der der Diagnostik von Krebstherapien, in der Einkaufsberatung, im direkten Kundenservice oder im Beschwerdemanagement von Versicherungen, wo Watson eingereichte Schadensfälle eigenständig auswertet, sie interpretiert und an den entsprechenden Sachbearbeiter weiterleitet.

Bei diesen Fähigkeiten liegt es doch nahe, dass Watson – benannt nach dem IBM-Unternehmensgründer Thomas J. Watson – auch in der Branche der Personalberater als Game Changer wertschöpfend zum Einsatz kommen könnte…

„Selbstverständlich“, sagt Heitmann und skizziert folgende Einsatzgebiete:

Bei der Suche nach Kandidaten

„Watson lässt sich für eine optimierte Executive-Suche mit allerhand KPI-Daten füttern: Gehaltslevel, Verfügbarkeit, Branchenrelevanz, Projekterfahrungen und vieles mehr. Je mehr Datenquellen zugänglich sind, desto größer sind die Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz, den perfekten Fit zu finden. Was im Endeffekt erfasst wird, ist anhand von 50 Schnittstellen individuell festlegbar.

Watson sucht und filtert ein komplexes Bild der am besten geeigneten Kandidaten – wesentlich schneller und genauer, als wir Menschen das können – und gleicht sie in Echtzeit gegeneinander ab. Auch bei der Fotoerkennung und -auswertung kann Watson nützlich sein: Wenn beispielsweise ein CEO gesucht wird, der nicht älter aussieht als 45 Jahre, aber 30 Jahre Berufserfahrung hat, kann Watson die entsprechend jugendlichen Gesichter herausfiltern.“

Beim Auswerten von Anschreiben und CVs

„Watson ist in der Lage Anschreiben und Lebensläufe blitzschnell zu lesen und nach Übereinstimmungen mit dem Jobprofil zu sortieren. Er kann CVs mit von ihm gefundenen Material ergänzen – mit Auszeichnungen, zum Beispiel, der Teilnahme an Personalentwicklung oder Urlaubsverläufen. Bei seiner Analyse ist Watson erstaunlich feinfühlig: Er erkennt nicht nur die Wortwahl und berücksichtigt Zusatzinformationen wie den häufigen Gebrauch von Ausrufezeichen – er kann sogar die Nuancen der menschlichen Ausdrucksweise korrekt interpretieren und feststellen, ob es ein Schreiber ehrlich oder ironisch meint.“

Bei der Gesprächsführung

„Es wäre kein Problem, Watson auch ein Gespräch führen zu lassen. Er kann Fragen stellen, zuhören, das Gespräch aufzuzeichnen, automatische Transcripts  erstellen und diese auswerten.“

Watson, das Elektronengehirn, das immer menschlicher wird – das irgendwann ein Mensch wird und damit zur Bedrohung?

Nein, heißt es bei IBM, die Maschine solle den Menschen dort stärken, wo er von Natur aus schwächelt: beim Finden und Auswerten großer Datenmengen. „Watson trifft keine autonome Entscheidungen“, sagt Dirk Heitmann, „das intuitiv Richtige zu tun, wird immer beim Menschen liegen. Ganz klar: Es geht ums Ergänzen, nicht darum, den Kostenfaktor Mensch zu ersetzen.“

Eine Chance für besseres und schnelleres Business

Digitale Mündigkeit und einen seriösen Umgang mit Daten vorausgesetzt: Für Personalberater bieten Systeme wie Watson eine wirkliche Chance, ihren Wertschöpfungsprozess zu optimieren – zumindest die theoretische Kausalkette ist in zweifacher Hinsicht schlüssig:

  • Gute Daten verhelfen zu besseren Personalentscheidungen. Passt der Fit, ist der Mitarbeiter in der Regel zufrieden, motiviert und produktiv – was nicht zuletzt auf den Qualitätsstandard des Personalberaters einzahlt.
  • Mit Künstlicher Intelligenz lassen sich Search- und Auswertungsprozesse erheblich beschleunigen – was den nach Geschwindigkeit fragenden Unternehmen entgegenkommt und dem Recruiter einen Vorteil vor Mitbewerbern verschafft. Zusätzlich bliebe dem Menschen bei maschineller Unterstützung mehr Zeit, die eigenen intellektuellen Potenziale zu nutzen.

Der Reset alter Arbeitsweisen, Recruiting reloaded – wie gesagt: Theoretisch verspricht Watson der Personalberatung fast paradiesische Erfolgsaussichten. Ob er dieses Versprechen auch halten kann, wird die Praxis in der Zukunft zeigen. Hoffentlich.