Mangelnde Innovationskraft? Diese Innovationsbremsen sollten Sie meinden.

Das Trump-Syndrom in deutschen Unternehmen

Wie Sie Innovationsbremsen einfach ausbremsen

Angst statt Mut. Regulierungswut statt flexibler Offenheit. Deutsche Unternehmen sind laut einer Studie in puncto Innovationskraft aktuell nur noch Mittelmaß. Doch gerade jetzt ist es wichtig, Mauern niederzureißen und neue Perspektiven zuzulassen. Die 2-Pizza-Regel ist dabei nur eine von vielen kreativen Möglichkeiten.

Mangelnde Innovationskraft? Diese Innovationsbremsen sollten Sie meiden.

Grübeln, zaudern, hinterfragen: Deutsche Unternehmen sind angeblich nicht innovativ genug, besagt eine Studie. Dabei könnten sie sich viel von der internationalen Konkurrenz abschauen.

„Das Leitbild der Bundesrepublik Deutschland soll sein: ein Land der Ideen!“ Es klang nach Aufbruch und Zukunft, was Horst Köhler 2004 bei seinem Amtsantritt als Bundespräsident vehement forderte. Ein gutes Jahrzehnt später zeigen Studien die bittere Realität auf. Deutschlands Innovationskraft ist im globalen Wettbewerb nur Mittelmaß. Das Weltwirtschaftsforum (WEF) wird noch deutlicher: Deutschland verspiele seine wirtschaftliche Zukunft. Woran liegt das? In welchen Ländern läuft es besser? Und warum? Was kann Deutschland tun, um noch auf den rasanten Innovationszug aufzuspringen?

Die Lage

Einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) aus dem Jahr 2016 zufolge hat Deutschland erneut an Innovationskraft verloren. Kein deutsches Unternehmen landet unter den Top 10. Spitzenreiter in puncto Innovation sind die USA mit ihren globalen Zugpferden Apple, Google und Tesla Motors. Bayer hält als beste deutsche Firma Rang 11. „Das Ergebnis sollte ein Weckruf für deutsche Unternehmen sein“, warnt BCG-Deutschlandchef Carsten Kratz. Das WEF attestiert Deutschland außerdem erhebliche Defizite beim Intrapreneurship, also der unternehmensinternen Innovationskraft und beim Entrepreneurship, also bei den dynamischen Firmengründungen.

Mangelnde Innovationskraft in Deutschland

„Deutsche Unternehmen betreiben zwar einen immensen Aufwand an Forschung und Entwicklung, doch ihre konservativen Strukturen sind nicht dafür gemacht, wirklich bahnbrechend Neues zu entwickeln“, befand der Innovationsexperte Dr. Jens-Uwe Meyer bereits im Jahr 2011. Er identifizierte vor allem vier Innovationsbremsen in Deutschland:

  • Starre Strukturen
  • Regelwut
  • das Bedürfnis nach Kontrolle
  • die Angst, nicht perfekt zu sein

Neben diesen firmenspezifischen Problemfeldern sind auch die Standortbedingungen in Deutschland alles andere als ideal. So hat sich seit 2004 die Zahl der Existenzgründungen halbiert. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bemängelt ein Bildungssystem ohne IT-Schwerpunkt und vor allem investorenunfreundliche Steuerregeln.

Und die Anderen?

Wie so oft zeigt ein Blick über den Tellerrand Möglichkeiten auf, die auch hierzulande funktionieren könnten. Was machen innovationsstarke Unternehmen anders? Amazon entwickelte Strukturen, die den Namen kaum noch verdienen: Teams wurden nach der 2-Pizza-Regel gegliedert: Kann ein Team mehr als zwei Pizzen essen, wurde es geteilt. Google wirft nicht selten Ideen auf den Markt, ohne dafür ein fertiges Businesskonzept zu haben – lediglich im Vertrauen auf die Kraft dieser Ideen. Nike gewährt seinen in der Entwicklung arbeitenden Mitarbeitern fast grenzenlose Freiheit. Stechuhr? Fehlanzeige.

Diese Beispiele zeigen, dass innovationsstarke Unternehmen vor allem ein gemeinsames Verständnis entwickelt haben: Innovation ist eine Kultur. Eine Kultur, die sich nicht einfach per Mustervorlage verordnen lässt. Innovation erfordert vor allem eines. Umdenken. Und Mut. Bei allen. Denn ein neuer Pioniergeist kann nur dort entstehen, wo aktiv nach Risiken gesucht wird. Die Organisationsberaterin Dr. Maria Spindler überspitzt: „Die Bewusstseinsgrenzen des CEO sind die Wachstumsgrenzen des Unternehmens“.

Wie man Innovationskraft stärken kann

Damit aus dem „Land der Ideen“ nicht das Land der Ideenlosen wird, benötigen deutsche Unternehmen dringend externe Impulse durch die Politik. Das ist klar. Aber Innovation beginnt zuerst in den Köpfen. Deshalb gilt es, eine Offenheit nach außen zu leben, die Einfachheit nach innen dabei aber nicht zu vernachlässigen. Wie wäre es, wenn Unternehmen hierzulande

  • Grenzen überschreiten, wie es Google vormacht? Akzeptiere das Scheitern. Und lerne daraus.
  • echte Kreativräume schaffen, in denen man querdenken kann? Hierbei werden rasch aufzubauende räumliche Konfigurationen wie z. B. „Innovationsbühnen“ gestaltet, in denen kreative Situationen ausgelebt werden. So entwickelte die US-Firma Steelcase 2013 ein Innovation Center auf 30.000 m2 mit Projektstudios, in denen interdisziplinäre Teams agieren.
  • Mitarbeiter zu Innovatoren werden lassen? Bei gleichzeitigem „Welpenschutz“. Um innovativ sein zu können, müssen Mitarbeiter Ideen nicht nur entwickeln wollen, sondern auch dürfen!
  • intrinsische Motivation fördern? Mitarbeiter sollen sich ihre Entwicklungsprojekte selbst suchen. Sie sind dann schneller und produktiver als Kollegen, denen Innovation „verordnet“ wird.

Über den Autor

joergurbachJörg Peter Urbach ist Autor, Redakteur und Blogger aus Sprachleidenschaft. Seit mehr als 25 Jahren schreibt er. Für Print und Online. Konzepte. Geschichten. Fachartikel. Nach seinem Studium der Musikwissenschaft, Germanistik und Literaturwissenschaft arbeitete Jörg Peter als Editorial Manager im klassischen Musikbusiness. Als langjähriger Chefredakteur des Portals wissen.de weiß er, wie man Leser begeistert und Themen findet.

Heute berät er Unternehmen zu den Themen Content Marketing und Digitale Kommunikation. Wenn der gebürtige Kieler nicht schreibt, durchwandert und fotografiert er die Alpen. Oder lauscht der Oper. Mit Achtsamkeit.


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