Wie man Frauen fördert und für den MINT-Sektor begeistert

Wie man Frauen fördert und für den MINT-Sektor begeistert

Mehr als flexible Arbeitszeiten und Mentoring

Frauen sind in technischen Branchen wie der Automobilindustrie nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Insbesondere die Führungsetagen werden vor allem mit Männern besetzt. Doch aufgrund des Fachkräftemangels setzen immer mehr Unternehmen wie der Automobilzulieferer HELLA auf die gezielte Förderung von Frauen. Im Interview gibt das Familienunternehmen Einblicke in seine Personalstrategie und zeigt, wie man ein frauenfreundliches Umfeld schafft.  

Wie man Frauen fördert und für den MINT-Sektor begeistert

Um mehr Frauen für sich zu gewinnen, müssen Unternehmen ihre Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen. Dazu gehören flexible Arbeitszeitmodelle, Unterstützung bei der Kinderbetreuung sowie eine gezielte Förderung durch Mentoring-Programme.

 

HELLA beschäftigt rund 38.000 Mitarbeiter in rund 35 Ländern hat sich auf Lichtsysteme und Fahrzeugelektronik spezialisiert. Die Förderung von Frauen ist für das börsennotierte Familienunternehmen längst zum festen Bestandteil der HR-Strategie geworden. Dabei spielen Angebote zur Vereinbarung von Familie und Beruf, flexible Arbeitszeitmodelle, Home-Office-Möglichkeiten, Kinderbetreuungsangebote und Mentoring eine wichtige Rolle. Im Interview gewährt Christian Rebbe aus der Abteilung Global Recruiting & HR Services bei HELLA einen Blick hinter die Kulissen.

Herr Rebbe, wie groß ist der Frauen-Anteil in Ihrem Unternehmen – generell und speziell in Führungspositionen?

Rebbe: Als Automobilzulieferer befinden wir uns in einer traditionell sehr von Männer dominierten Branche. Allerdings können wir generell auf dem Arbeitsmarkt beobachten, dass sich zunehmend mehr Frauen für technisch orientierte Studiengänge und Ausbildungen interessieren. Bei HELLA in Deutschland beträgt der Anteil an weiblichen Mitarbeiterinnen an der Belegschaft heute etwa 30%. Mit verschiedenen Maßnahmen wie einem speziellen Mentoring-Programm möchten wir Frauen gezielt für Positionen im Mittel- und Top-Management begeistern.

Wie fördern Sie weibliche Nachwuchsführungskräfte?

Rebbe: Für uns beginnt die Frauenförderung bereits beim Recruiting. Als Partner der bundesweiten Netzwerk-Initiative „Komm, mach MINT“ führen wir regelmäßig verschiedene Events und Karriereworkshops unter dem Motto „Women Wanted“ durch. Außerdem beteiligen wir uns am deutschlandweit stattfindenden „Girls Day“.

Um die Karriere von Frauen zu fördern, haben wir ein Mentoring-Programm für weibliche Führungskräfte ins Leben gerufen. Dabei werden die Teilnehmerinnen von erfahrenen weiblichen Führungskräften aus dem Top Management gecoacht. Darüber hinaus führen wir regelmäßig einen Women Summit durch – eine internationale Netzwerkveranstaltung, auf der für Frauen relevante Karrierethemen diskutiert werden.

 

Christian Rebbe aus der Abteilung Global Recruiting & HR Services bei HELLA.

Welche Möglichkeiten bieten Sie berufstätigen Eltern, um den Alltag zu erleichtern?

Rebbe: Als Familienunternehmen ist uns bewusst, dass sich der Spagat zwischen Familie und Beruf nicht immer leicht gestalten lässt. Aus diesem Grund möchten wir unseren Mitarbeitern den Rücken stärken und bieten eine Reihe an Unterstützungsleistungen an. So verfügen wir über zwei Betriebskindergärten mit naturwissenschaftlicher und internationaler Ausrichtung sowie über einen Familienservice, der die Eltern in Notfällen bei Betreuungsengpässen oder bei der Vermittlung von Angeboten zur Hausaufgabenbetreuung unterstützt. Darüber hinaus bieten wir Rückkehrer-/innen aus der Elternzeit die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten. Dank flexibler Arbeitszeitmodelle lassen sich private und berufliche Termine sehr gut vereinbaren. Auch Mobile Working, die Arbeit von zu Hause aus, ist für viele unserer Kolleginnen und Kollegen bereits Standard.

Gibt es spezielle Angebote für die Kinderbetreuung in den Sommerferien, die für berufstätige Eltern ja immer eine besondere Herausforderung darstellen?

Rebbe: Gerade in den Sommerferien ist es für vollzeitbeschäftigte Eltern schwierig, die Betreuung abzudecken. Deswegen bieten wir den Kindern der Mitarbeiter mit dem Kids Camp eine spannende Freizeitgestaltung an. Dabei können sie nicht nur Ausflüge in die Umgebung unternehmen, sondern auch den Arbeitgeber ihrer Eltern näher kennenlernen, etwa beim gemeinsamen Mittagessen im Betriebsrestaurant. Das Kids Camp wird so gut angenommen, dass die Plätze jedes Jahr erweitert werden müssen. Ein Zeichen dafür, dass Kinder und Eltern dieses Angebot sehr zu schätzen wissen.

Fazit

Mehr Frauen für den MINT-Sektor zu begeistern, kann ohne ein attraktives Arbeitsumfeld mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, Unterstützung bei der Kinderbetreuung und einer gezielten Förderung nicht funktionieren. Darüber hinaus sollten Frauen auch durch Networking-, Coaching- und Mentoring-Programme stärker dabei unterstützt werden, in traditionellen Männerdomänen ihren Weg zu gehen und Karriere zu machen. Für Unternehmen sind diese Maßnahmen unerlässlich, um sich in Zeiten des Fachkräftemangels besser zu positionieren, ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu erhöhen und im „War for Talents“ erfolgreich zu sein.