Schweden erwägt Sex-Pausen

Mittags-Quickies erhöhen die Produktivität im Job

Aus Skandinavien kommen viele innovative Ideen – die 4-Tage-Arbeitswoche zum Beispiel, oder das bedingungslose Grundeinkommen. Auch der neueste Geistesblitz der Schweden hat es in sich: Wie wäre es eigentlich, wenn man mittags mal eben zum Sex verschwinden könnte? Was hieße das für Produktivität und Motivation der Mitarbeiter? Und für die Firmenkultur? Wir haben bei zwei Experten nachgefragt.

Schweden erwägt den offiziellen Pausen-Quickie. Er soll Wohlbefinden und Produktivität im Job fördern.

Aber hinter dem Hype um die Schlagzeile steckt sehr viel mehr – es geht um das Wohlbefinden von Mitarbeitern. Wie die schwedische Regierung argumentierte sind Sex-Pausen gleichbedeutend mit Gesundheits-Pausen. Sie verbessern menschliche Beziehungen und reduzieren Stress. Zahlreiche Studien belegen, dass Mitarbeiter viel produktiver sind, solange sie gesund sind.

Wir haben zwei Experten nach ihrer Meinung zu Schwedens Sex-Vorschlag gefragt. Ist das vom Arbeitgeber genehmigte Schäferstündchen ein Trend, der sich durchsetzen könnte?

Mittagssex fördert die positive Arbeitseinstellung

Dr. Steve McGough weiß, wie förderlich Sex für die Produktivität ist.

Es ist schwer, zwischen physischen und emotionalen Vorteilen zu unterscheiden, die Sex auf reduzierten Stress und verminderte Angstgefühle hat, sagt Dr. Steve McGough, Professor der Klinischen Sexologie am Institute for Advanced Study of Human Sexuality (IASHS) in San Francisco.

Sex steigert die Produktion von Oxytocin im Gehirn, dem Glückshormon, das Wohlbefinden, Liebe und Verbundenheit hervorruft. Gleichzeitig fällt beim Sex das Kortisol-Level, das für Stress verantwortlich ist. “In einer modernen Gesellschaft ist der Kortisolwert bei den meisten chronisch erhöht”, fügt McGough an. Und das wirkt sich negativ auf unsere Einstellung und Gesundheit aus.

Sex hat jede Menge Vorteile für den menschlichen Körper, erklärt McGough. “Für unseren Körper fühlt sich Sex an, als würde er ganz tief frische Luft einatmen. Das Ergebnis: Man fühlt sich besser – und das wirkt sich natürlich positiv auf das Gefühlsleben aus.”

Wenig überraschend: Sex hilft auch im Arbeitsalltag. Eine aktuelle Studie, die im Journal of Management erschien, untersuchte verheiratete Berufstätige. Sie kam zu dem Ergebnis, dass diejenigen, die zwei Wochen lang daheim regelmäßig Sex hatten, am nächsten Arbeitstag einen positiven Effekt an sich bemerkten. Sie waren zufriedener mit ihrem Job und fühlten sich motivierter. Die Schweden scheinen einem Trend auf der Spur zu sein.

Schäferstündchen im Job wirft rechtliche Fragen auf

Jen Teague hält die Sex-Pausen für eine gute Möglichkeit, um “Stress abzubauen”.

Jen Teague arbeitet als HR- und Onboarding-Coach für kleine Unternehmen. Sie hält die Sex-Initiative der Schweden für eine gute Idee – zumindest aus der physischen Perspektive. “Die Auszeit hilft dabei, Stress abzubauen, der durch die Arbeit entstanden ist.” Gefühle von emotionaler Verbundenheit, die durch Sex hervorgerufen werden, tragen dazu bei, dass sich Arbeitnehmer unterstützt fühlen, sagt McGough. Für Arbeitgeber könnte durch die genehmigten Schäferstündchen also eine verbesserte Jobzufriedenheit und gesteigerte Loyalität seitens der Mitarbeiter entstehen.

Allerdings wirft eine vertraglich geregelte Sex-Mittagspause auch Probleme auf – zumindest aus arbeitsrechtlicher Sicht. Dürfen die Mitarbeiter nur mit Nicht-Mitarbeitern Sex haben? Was ist mit denen, die eine Beziehung zu einem anderen Kollegen haben? Und Mitarbeiter, die Single sind – ist die Pause vielleicht eine zusätzliche Stressbelastung für sie?

(Um das klarzustellen, die Schweden schlagen nicht vor, Sex-Pausen für ihre Mitarbeiter zu organisieren. Die Initiative der Regierung zielt auf verheiratete Paare ab und soll Mitarbeiter dazu anspornen, in ihrer bezahlten Mittagspause zu Hause Sex zu haben.)

Wie realistisch ist das Modell?

So unterhaltsam es auch klingt, der Mittags-Quickie wird sich wahrscheinlich nicht flächendeckend durchsetzen, glaubt Teague. Aus arbeitsrechtlichen und in manchen Ländern auch aus kulturspezifischen Gründen.

Aber das soll nicht heißen, dass Arbeitgeber Innovationen nicht vorantreiben oder sich nicht um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter kümmern sollten. Teague hat die Erfahrung gemacht, dass besonders Wellness Challenges gut funktionieren. Dabei erhalten Mitarbeiter Punkte, zum Beispiel dafür, dass sie mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen. Oder dafür, dass sie mindestens sieben Stunden pro Nacht schlafen. “Die Leute bewegen sich während dieser Challenges mehr und essen gesünder. Sie fehlen seltener in der Arbeit und sind insgesamt zufriedener,” sagt sie.

Die meisten Arbeitgeber sind sich der Vorteile von Gesundheits-Benefits für ihre Mitarbeiter gar nicht bewusst – obwohl sie so einen Einfluss auf die Mitarbeiterzufriedenheit haben. “Gesundheitsmodelle zeigen, dass das Unternehmen sich um seine Mitarbeiter kümmert und diese schätzt”, sagt Teague. Und das könnte die Antwort auf die Frage sein: Wie steigern wir die Produktivität im Unternehmen?

Über die Autorin

Kate RodriguezKate Rodriguez  hat über 20 Jahre lang in öffentlichen und privaten Organisationen gearbeitet. Sie war als internationale Handelsanalytikerin für die US-Regierung tätig und sammelte Erfahrungen als Karrierecoach an der Universität. Ihr Spezialgebiet ist die internationale Karriere.