5 Mythen rund ums Topmanagement – und worauf es wirklich ankommt

Mythos FührungskraftKarriereziel Topmanagement – für viele klingt das nach Macht und Einfluss und natürlich auch nach einem hohen Gehalt. Allerdings sind mit dem Begriff Topmanagement zuweilen auch eine Reihe von Vorstellungen verbunden, die die Karriere sogar behindern können. Executive Coach Gudrun Happich aus Köln beschreibt fünf der gängigen Mythen und gibt Tipps, was man auf dem Weg nach ganz oben wirklich beachten muss.

Mythos Nr. 1: Für meine Karriere zählt vor allem die fachliche Kompetenz.

Eine sehr weit verbreitete Annahme, die mir immer wieder begegnet. Fachliche Kompetenz ist zwar eine Voraussetzung, um ins mittlere Management zu gelangen. Beim Wechsel ins Topmanagement ist sie allerdings nicht mehr gefragt, und wer sich dann darauf verlässt, ist wahrscheinlich schnell verlassen. In der oberen Führungsetage spielen andere Dinge eine Rolle: Beziehungen, Einfluss und Verhandlungsgeschick vor allem. Hier gilt die Faustregel: Es kommt nur zu 10 % auf das Fachwissen an, 30 % zählt das Auftreten und ganze 60 % entfallen auf Beziehungen. Das bedeutet im Klartext: Wer im Topmanagement Karriere machen möchte, fängt besser früher als später damit an, sich ein strategisches Netzwerk aufzubauen.

Mythos Nr. 2: Wenn ich erst mal ganz oben bin, habe ich es geschafft und bin glücklich.

Viele Manager sind extrem leistungsorientiert. Sie engagieren sich sehr für ihren Job, stellen alles andere zurück und sind bereit, weit mehr als der Durchschnitt zu arbeiten. Nicht zuletzt deshalb, weil sie glauben, dass sie, wenn sie es erst einmal ganz nach oben geschafft haben, endlich glücklich sein werden. Leider ist diese Hoffnung häufig trügerisch. Macht, Einfluss und Geld sind für viele wichtig, aber noch wichtiger ist es, wirklich den richtigen Platz zu finden, an dem man seine Fähigkeiten bestmöglich einsetzen kann. Das vermittelt eine innere Zufriedenheit, die sich auch durch viel Geld nicht unbedingt erreichen lässt. Mir begegnen immer wieder Klienten, die es von außen betrachtet „geschafft“ haben: ein Vorstandsposten und ein sehr hohes Jahreseinkommen sowie alle weiteren Insignien des Erfolges. Und dennoch fühlen sie sich manchmal innerlich leer und haben keine Freude mehr an ihrer Arbeit. Mein Rat daher: Halten Sie immer wieder einmal inne und fragen Sie sich, ob der nächste Karriereschritt Sie wirklich Ihren Zielen näher bringt und Ihren Stärken entspricht.

Mythos Nr. 3: Manche Angebote kann man nicht ausschlagen!

Eine Beförderung ist natürlich immer schmeichelhaft, erst recht, wenn es um die Top-Führungsebene geht. Wer träumt nicht davon, als Geschäftsführer oder Vorstandsvorsitzender die Geschicke des Unternehmens lenken zu können? Das führt dazu, dass man solchen verlockenden Angeboten nicht widerstehen kann und sie akzeptiert – ohne vorab zu prüfen, ob sie wirklich zu einem passen. Ich empfehle meinen Klienten in diesem Fall immer, genau zu überlegen, welche fünf bis sieben Bedingungen bei einem Positionswechsel unbedingt erfüllt sein müssen. Denn es ist tatsächlich so: Wie die tropische Pflanze Bougainvillea hat jeder von uns ein paar Faktoren, die unser Wachsen und Blühen unterstützen. Fehlt auch nur ein einziger dieser Faktoren, dann verkümmern wir. Nehmen Sie sich also die Zeit und erstellen Sie eine Wunschliste, auf der Sie alle Rahmenbedingungen festhalten die optimalerweise erfüllt sein sollten. Und bestimmen Sie dann diejenigen Faktoren, auf die Sie unmöglich verzichten können, um weiter zu wachsen.

Mythos Nr. 4: Auf dem Weg nach oben hat man immer nur eine Wahl: weiter nach oben.

Viele denken, eine Karriere ließe sich zielstrebig planen und ganz linear durchziehen. Teilweise ist das auch richtig: Es macht Sinn, sich seine Ziele klarzumachen und entsprechend strategisch zu handeln. Aber wer glaubt, dass man ohne Umwege am schnellsten zum Ziel kommt, wundert sich manchmal darüber, warum es einem – oben angekommen – immer noch nicht so richtig gut geht. Das hat meiner Meinung auch damit zu tun, dass so manche Karriere zu schnell und zu glatt geht. „Umwege erweitern die Ortskenntnis“, heißt es. Und manchmal ist ein neuer Job auf derselben Hierarchiestufe die bessere Wahl, weil man dort mit seinen Fähigkeiten viel besser aufgehoben ist und wertvolle Erfahrungen sammeln kann. Die nächste Herausforderung wartet dann bestimmt schon bald. Und kann dann viel selbstbewusster gestemmt werden.

Mythos Nr. 5: Je weiter nach oben man kommt, umso weniger Fremdsteuerung gibt es.

Dieser letzte Mythos ist besonders vertrackt: Denn wer denkt, man könne im Topmanagement endlich frei entscheiden, hat sich leider getäuscht. Erfahrene Topmanager wissen, dass die Fremdsteuerung noch zunimmt, je höher hinauf es geht. Was auch hier hilft: sich frühzeitig einen Kreis von Vertrauten aufbauen, mit denen man sich auch über kritische Themen austauschen kann. Lernen, mit den komplexen Anforderungen kreativ umzugehen. Und ganz großen Wert darauf legen, die Rahmenbedingungen für die eigene Karriere mitzubestimmen. Denn auf diese Weise kann man die Karriere realisieren, die wirklich zu einem passt. Auch ganz oben im Topmanagement.

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GudrunGudrun Happich Happich ist Executive Coach und Inhaberin von Galileo . Institut für Human Excellence. Seit 1994 arbeitet sie als Coach und schöpft aus den Erfahrungen von ca. 15.000 Coachingstunden; weit mehr als 800 Leistungsträger hat sie mittlerweile gecoacht. Als eine der ersten Beraterinnen wurde sie nach dem weltweit höchsten Qualitätsstandard für Coaches von der International Coach Federation (ICF) zum „Master Certified Coach“ (MCC) zertifiziert. Sie ist Autorin des erfolgreichen Ratgebers „Ärmel hoch! Die 20 schwierigsten Führungsthemen und wie Top-Führungskräfte sie anpacken“ (Orell Füssli 2011). Weitere Informationen zu unserer Gastautorin finden Sie unter www.galileo-institut.de und auf ihrem Leistungsträger-Blog unter www.leistungstraeger-blog.de.


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