Wild wucherndes Wort-Kauderwelsch

Manager-Sprech: Wenn die Floskeltrompete ertönt

Manager mögen Floskeln, keine Frage. Dass sie damit oft ihre Botschaften verwässern – sei’s drum. Doch es geht auch anders. Denn deutlich, klar und floskelfrei zu kommunizieren ist wahrlich kein Hexenwerk.

Nervige Managersprache

Viele Manager drücken sich besonders umständlich aus, um imposant zu wirken. Dabei ist gerade eine klare und einfache Sprache ein Qualitätsmerkmal.

Jahreshauptversammlung eines DAX-Konzerns. Im vollbesetzten Saal wird getuschelt. Die Spannung steigt. Der Vorstandsvorsitzende klopft ans Mikrofon. Er sammelt sich kurz. Und beginnt … „In der optimierten Fokussierung auf unsere wie immer zukunftsgerichteten Aktivitäten sieht der Vorstand eine unverzichtbare Herausforderung für unsere Prozesse, deren Innovationskapazitäten aber gleichzeitig gewaltige Synergieeffekte inkludieren.“ Wow! In diesem – zugegeben leicht konstruierten – Satz  finden sich nicht weniger als neun Floskeln, die es den Zuhörern nicht wirklich leicht machen zu verstehen, um was es geht. Und derartig verschwurbelte Sätze sind kein Einzelfall in deutschen Unternehmen. Ganz gleich ob Vorstand oder Aufsichtsrat, Abteilungsleiter oder Teamleader: Viele Manager verwenden diese sprachlichen Leerstellen auch in ihrer täglichen Kommunikation. Und plagen damit Kunden und Kollegen gleichermaßen. Warum nur?

Floskeln sagen nur eins aus – nichts!

Floskeln bezeichneten in der antiken Rhetorik noch einen Sinnspruch. Später entwickelten sich daraus reine Redewendungen, die schmückendes, aber vor allem nichtssagendes Beiwerk sind. Jeder kennt sie: „geschimpft wie ein …“ oder auch „heimlich, still und …“, Floskeln eben. Diese sind „eine sprachliche Unart“, wie der Autor und Sprachstillehrer Wolf Schneider es auf den Punkt bringt.

Floskeln hätten aber auch durchaus Vorteile. „Sie senden das Signal: Ich gehöre zu euch, ich weiß Bescheid.“  Über Floskeln lässt sich also ein Gemeinschaftsgefühl wecken. Getreu dem Motto: Wir sprechen doch eine Sprache. Viele Manager verstecken sich einfach hinter penetrant verwendeten Floskeln wie „Herausforderungen“, „Innovationen“ und „Aktivitäten“. Weil sie unkonkret bleiben können. Und sich somit in ihren Aussagen unangreifbarer machen, wenn es mal hart auf hart kommt. Allerdings auf Kosten von Deutlichkeit und Verständlichkeit in der täglichen Kommunikation mit Mitarbeitern und Kollegen. Wer nur fortissimo in die Floskeltrompete bläst, ist vor allem eins: bequem und denkfaul.

Wie man klar und deutlich kommuniziert

© Holger Stöhrmann: Kommunikationsexperte Michael Fischer hält nichts von Floskeln.

Eine passende Antwort auf Floskeldichte und Satzaufblähungen hat der Kieler Kommunikationsexperte und Germanist Michael Fischer. „Mit Sprache muss man gerade in postfaktischen Zeiten extrem sorgsam umgehen. Insbesondere im hohen Kommunikationstempo des digitalen Berufslebens, wo durch unsaubere Sprache rasch Missverständnisse auftreten. Etwa dann, wenn man seinen Mitarbeitern unangenehme Botschaften überbringen muss. Keinesfalls darf ich meine Adressaten mit hohlen, die Tatsachen verschleiernden Floskeln für dumm verkaufen. Die Wortwahl muss exakt und passend sein. Offen und ehrlich.“ Aber wie sieht es mit der Umsetzung in der Praxis aus?

Wolf Schneider gibt in seinem Buch „Deutsch!“ folgende Experten-Tipps, die in den sprachlichen Alltag einbezogen werden sollten, wenn der Sprecher Wert auf eine klare, ungekünstelte und auch verständliche Sprache legt.

  • Bringen Sie nicht das ganze Wissen in einem Satz unter.
  • Hauptsachen gehören in Hauptsätze.
  • Nebensätze werden auf keinen Fall eingeschoben, sondern nur angehängt.
  • Nach zwölf Wörtern hat der Adressat alles zu wissen.
  • Lesen Sie Ihren Text laut – denn der ideale Text ist ans Mündliche angelehnt.
  • Adjektive sind die überflüssigste Wortart.
  • Meiden Sie Nominalstil.

Kleiner Tipp zum Einstieg: Legen Sie eine Blacklist an – auf der Sie alle Floskeln notieren, die Sie ab sofort nicht mehr verwenden möchten. Suchen Sie nach klaren und ausdrucksstarken Varianten. Mit einer von Floskeln weitgehend bereinigten Sprache wird Ihre Kommunikation klarer und verständlicher. Aber dieser Weg ist kein leichter. Wolf Schneider pointiert es in der ihm unnachahmlichen Art: „Es muss sich nur einer plagen: der Schreibende. Nicht der Lesende.“ In einer kleinen Reihe stellen wir Ihnen in den nächsten Wochen die hohlsten Floskeln der Managersprache vor – und zeigen natürlich auch, mit welchen Methoden und Begriffen Sie zum besseren Kommunikator werden.

Über den Autor

joergurbachJörg Peter Urbach ist Autor, Redakteur und Blogger aus Sprachleidenschaft. Seit mehr als 25 Jahren schreibt er. Für Print und Online. Konzepte. Geschichten. Fachartikel. Nach seinem Studium der Musikwissenschaft, Germanistik und Literaturwissenschaft arbeitete Jörg Peter als Editorial Manager im klassischen Musikbusiness. Als langjähriger Chefredakteur des Portals wissen.de weiß er, wie man Leser begeistert und Themen findet.

Heute berät er Unternehmen zu den Themen Content Marketing und Digitale Kommunikation. Wenn der gebürtige Kieler nicht schreibt, durchwandert und fotografiert er die Alpen. Oder lauscht der Oper. Mit Achtsamkeit.


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