Neue Jobs durch Digitalisierung

Das sind die Stellen der Zukunft

Neue Jobs durch die Digitalisierung?

„Print ist tot“, unkten Pessimisten vor 15 Jahren, als die Digitalisierung gerade in die Gänge kam. Die gute Nachricht: Es gibt immer noch Journalisten. Zeitungen und Magazine ebenso. Was ist also dran an der Behauptung, die Digitalisierung schaffe neue Stellen und mache andere überflüssig? Wir haben mit einem gesprochen, der den Stellenmarkt kennt wie seine Westentasche: Martin Krill, Headhunter und Geschäftsführer der Hager Unternehmensberatung erklärt uns, welche Positionen in Zukunft besonders begehrt sind – und welche womöglich vor dem Aus stehen.

Neue Jobs durch Digitalisierung

Welche neuen Jobs sich durch die Digitalisierung ergeben, erklärt Martin Krill von der Hager Unternehmensberatung.

Herr Krill, als Personalberater haben Sie einen guten Überblick über den Stellenmarkt. Welche neuen Stellen werden sich Ihrer Meinung nach durch die Digitalisierung ergeben?

Wir sehen, dass permanent neue Jobs und Jobprofile entstehen. So wächst beispielsweise die deutsche ITK-Branche (Informations- und Kommunikationstechnologie, Anm. d. Red.) dauerhaft. Ein gutes Beispiel ist das Berufsbild des CDO, also des Chief Digital Officers. Das ist erst durch die Digitalisierung entstanden.

Gibt es auch Stellen, die durch die Digitalisierung gefährdet sind?

Ob Automobilindustrie, Handel, Banken oder Maschinenbau – überall spielt Software eine immer größere Rolle für den Firmenerfolg.
Panik ist zwar nicht angebracht, aber es werden einige Berufe verschwinden. Doch bei vielen Berufsbildern werden sich die Anforderungsprofile verändern.

Wie können sich Arbeitnehmer auf die veränderten Anforderungen durch die Digitalisierung vorbereiten? 

Für Unternehmen ist es wichtig, Mitarbeiter von Beginn an ‚mitzunehmen‘, dafür zu sorgen, dass sie nicht von der Digitalisierung überrollt werden. Die Mitarbeiter selbst sollten sich auf flexibleres Arbeiten einstellen: Eine Fixierung auf feste Orte und Zeiten ist oft nicht mehr erforderlich. Dies impliziert auf der einen Seite mehr Flexibilität und Freiheit, bedeutet allerdings auf der anderen Seite, dass sich Arbeits- und Privatzeit miteinander vermischen können. Dazu müssen Arbeitnehmer bereit sein. Zudem sollten sie sich aktiv mit digitalen Medien beschäftigen und aufgeschlossen sein. Veränderte Prozesse sollten sie nicht als Bedrohung, sondern als Chance begreifen.

Wie hoch schätzen Sie den Stellenwert von Digitalkompetenz für Bewerber ein?

Das hängt von der Stelle ab, auf die man sich bewirbt. Bin ich Online-Markteing-Manager? Dann ist die Digitalkompetenz als fachliche Kompetenz fest ins Stellenprofil eingebunden. Im Vertrieb kann das anders aussehen. Letztlich zählt das fachliche Können, doch Tatsache ist: Heutzutage ist in fast allen Berufen ein gewisses Maß an Digitalkompetenz erforderlich. Jeder fünfte Entschei­der will die digita­len Fähig­kei­ten künftig zu einem zentra­len Einstel­lungskri­te­rium machen. Deshalb sollten auch Bewer­ber aus ehemals IT-fernen Branchen wie etwa dem Einzel­han­del oder der Automobil­industrie neben ihren Fachkenntnissen eine »Digital-first-Denkweise« mitbrin­gen.

Führungskräfte müssen führen – brauchen Sie überhaupt Digitalkompetenz?

Auch für Führungskräfte ist die Digitalkompetenz unerlässlich. Und zwar neben den klassischen Führungsinstrumenten wie Durchsetzungsfähigkeit, Empathie, Komplexitätsmanagement und den fachlichen Kenntnissen. Führungskräfte müssen mit der strategischen Ausrichtung die Weichen eines Unternehmens stellen. Dafür brauchen sie Marktkenntnis – und eben auch digitales Know-How. Auch im Rahmen digitaler Transformation im Unternehmen ist es wichtig, dass Führungskräfte die Mitarbeiter „mitnehmen“ können.

Wie können Mitarbeiter ihr digitales Know-How weiterentwickeln? Wie wird das aktuell in Unternehmen gefördert?

Digitales Know-How und digitale Excellence können durch fachspezifische Seminare und Kongresse unterstützt  werden. Trotzdem ist jeder Mitarbeiter auch selbst dafür verantwortlich, seine digitalen Kenntnisse und Fähigkeiten zu verbessern.  Vielfach bedeutet Digitalisierung auch, bestehende Prozesse zu reflektieren und ggf. neue und innovative Arbeitsabläufe zu definieren. Hierzu bedarf es der Intuition und des digitalen Verständnisses jedes Einzelnen.


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