Erfolg im Business

Mehr “German Mut”, bitte!

Das deutsche Business kennt viele Werte – doch Mut gehört nicht unbedingt zu den Primärtugenden. Aber ohne Mut gibt es keine Veränderung, ohne Risiko keine Zukunft. Wir erklären, warum nur Manager, die sich aus der Komfortzone bewegen, wirklich Erfolg haben können. Und wie Sie in deren Fußstapfen treten.

Raus aus der Komfortzone, nur Mut!

Die Deutschen haben ein extrem hohes Sicherheitsbedürfnis. Das gilt auch fürs Business. Dabei lohnt sich Mut dort ganz besonders.

„Ihre Zeit ist begrenzt, also verschwenden Sie sie nicht. Lassen Sie sich nicht von Dogmen in die Falle locken. Lassen Sie nicht zu, dass die Meinung anderer Ihre innere Stimme erstickt. Am wichtigsten ist es, dass Sie den Mut haben, Ihrem Herzen und Ihrer Intuition zu folgen. Alles andere ist nebensächlich.“ Diese Kernsätze aus Steve Jobs berühmter Rede, die er 2005 in Stanford für Studenten hielt, kann man vor allem als Manager und Führungskraft gar nicht oft genug lesen und verinnerlichen. Sie sind ein flammendes Plädoyer für Mut und Offenheit. Und für das Leben. Sätze, die vor allem wir Deutsche uns mit dickem Stift hinter die Ohren schreiben sollten. Denn unsere German Angst vor diesem und jenem, vor allem und jedem ist weltweit berühmt-berüchtigt. Wo ist unser Mut geblieben? Und wie gewinnen wir ihn (zurück)?

Wir Angsthasen!

SPIEGEL Classic "Sehnsucht nach Sicherheit" - Mut und Angst sind zwei Seiten einer Medaille

SPIEGEL Classic “Sehnsucht nach Sicherheit” – Mut und Angst sind zwei Seiten einer Medaille

Wir Deutsche sind Spitzenreiter in Sachen Angstvorsorge. Denn wir geben europaweit am meisten Geld für Versicherungen aus – stolze 2.387 Euro pro Jahr und Kopf. Und warum? Weil wir glauben, uns gegen jeden noch so unwahrscheinlichen Not- und Ernstfall (finanziell) absichern zu können. Einer aktuellen Experteer-Studie zufolge herrscht auch in deutschen Management-Etagen ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis.

Der SPIEGEL widmet der Angst in seiner Sonderausgabe Classic gar das Titelthema „Sehnsucht nach Sicherheit“ und konstatiert darin ernüchtert, die „gefühlte Angst“ in Deutschland sei dramatisch angestiegen. In der Tat geht es bei Ängsten vor allem um den gefühlsmäßigen Umgang damit und weniger um die Objekte der Angst. In Deutschland erfragt die R+V-Versicherung sogar die „Angst des Jahres“. 2016 war es die Angst vor Terrorismus… Angst haben wir aber vor vielen Ereignissen: Jobverlust, Digitalisierung, Altersarmut, Krankheit. Die in den meisten Fällen objektiv kaum zu begründen ist. Das Lebens- und Sicherheitsniveau in Deutschland ist laut SPIEGEL nach wie vor extrem hoch.

Aber Angst entsteht eben zuallererst in unseren Köpfen und setzt sich dort dann wie ein stetig wachsendes Geschwür fest. Mit der Folge, dass Ängste unsere Entscheidungen massiv mitbestimmen. Doch dagegen lässt sich durchaus etwas unternehmen. Nicht still grübeln, sondern neu anpacken!

German Mut statt German Angst

Gegen Angst hilft Mut. So einfach das zunächst klingt, so schwierig ist es oftmals umzusetzen. „Mut ist das Zutrauen zu uns selbst, etwas zu wagen. Es ist eine Fähigkeit, die man erlernen kann“, behauptet die Münchner Psychologin Anne Frey. Ihre Aussage sollte alle eher mutlosen Menschen in Job und im Privatleben motivieren. Besonders Menschen, die ihre Wertvorstellungen kennen, besitzen gute Grundanlagen für Mut. Als Grundvoraussetzung für Mut wird in der Psychologie das Gefühl der Selbstwirksamkeit beschrieben. Mit anderen Worten: Ich denke, dass ich mit meinem Handeln auch wirklich etwas bewirken kann! Jede Führungskraft, die sich in ihrer eigenen Haut wohlfühlt, kann stärker auf die Bedürfnisse ihre Mitarbeiter achten, weil ihre eigenen Bedürfnisse akzeptiert und respektiert werden.

Raus aus der Komfortzone

Die Schweizer Psychotherapeutin Sara Michalik stellt fest, dass Menschen insbesondere im Berufsleben ihre Komfortzone nur sehr ungern verlassen. „Denn das, was ich bereits kenne, gibt mir ein Gefühl von Vertrautheit und Sicherheit. Selbst dann, wenn es mich unzufrieden oder gar unglücklich macht. Das Bekannte scheint besser zu sein als alles Unbekannte, weil ich es kenne, weil ich weiß, wie ich handeln muss, wie ich mich schützen kann.“ Sich an Routinen festzuklammern bietet einen größeren „Überlebensvorteil“ als das Eingehen von Risiken.

„Mut im Job beginnt damit, dass sich Beschäftigte aus ihrer Komfortzone bewegen“, weiß der Coach und Buchautor Alexander Verweyen. Er rät, unseren „Veränderungsmuskel“ zu trainieren, indem wir uns bewusst echten Herausforderungen stellen. Nur dann seien wir im Ernstfall in der Lage, eventuelle Krisen souverän und im Sinne unserer Mitarbeiter zu managen.

Sara Michalik formuliert fünf Tipps, wie wir unseren Mut (wieder)entdecken und auch entwickeln können:

  • Entkräften Sie das schlimmste Szenario

Benennen Sie dieses, schreiben Sie es detailliert auf. Machen Sie sich deutlich, was passieren könnte.

  • Veränderung braucht Kraft

Beschreiben Sie Ihre Gedanken, wenn Sie an Veränderungen denken. Schreiben oder malen Sie auf, was Sie wollen. Und was nicht. Verbildlichen Sie Ihre Gedanken.

  • Veränderung braucht Mut

Werden Sie sich bewusst, welche Probleme Sie bereits gemeistert haben, welche Hürden Sie aus dem Weg geräumt haben. Steigern Sie somit Ihren Glauben an sich selbst.

  • Ändern Sie Ihre Sichtweise

Betrachten Sie Ihre Situation von außen oder aus der Vogelperspektive. Was sehen Sie nun? Welchen Impuls spüren Sie?

  • Kleine Schritte – kleine Widerstände

Suchen Sie sich  e i n en  kleinen Schritt aus, den Sie gehen wollen. Bringen Sie damit den Stein ins Rollen.

Der Sicherheitsexperte und Autor Jörg Schindler trifft es erschreckend genau: „Wir sind die gesündesten, reichsten und am längsten lebenden Menschen der Geschichte. Und wir werden immer ängstlicher“. Eben weil es uns so gut geht – wir haben Angst davor, dass wir das Beste bereits hinter uns haben. Schluss damit! Steigen wir aus diesem Kreislauf aus und halten es lieber mit Steve Jobs: „Bleiben Sie hungrig. Bleiben Sie verrückt.“

Über den Autor

joergurbachJörg Peter Urbach ist Autor, Redakteur und Blogger aus Sprachleidenschaft. Seit mehr als 25 Jahren schreibt er. Für Print und Online. Konzepte. Geschichten. Fachartikel. Nach seinem Studium der Musikwissenschaft, Germanistik und Literaturwissenschaft arbeitete Jörg Peter als Editorial Manager im klassischen Musikbusiness. Als langjähriger Chefredakteur des Portals wissen.de weiß er, wie man Leser begeistert und Themen findet.

Wenn der gebürtige Kieler nicht schreibt, durchwandert und fotografiert er die Alpen. Oder lauscht der Oper. Mit Achtsamkeit.


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