Profilschärfung: Fokussieren Sie Ihre persönlichen Stärken

Wenn Sie sich Stellenbeschreibung durchlesen, dann sollten Sie darauf achten, dass Sie Ihre Stärken darin wiederfinden. Kommen Ihre Stärken nur im Durchschnitt zum Zuge, dann Finger weg von dem Angebot. Sie wollen ja keine durchschnittliche Leistung bieten und durchschnittlich bezahlt und durchschnittlich befördert werden. Investieren Sie also in Ihre Stärken!

Hand auf das Herz: Kennen Sie Ihre persönlichen Stärken? Viele Coaching-Gespräche drehen sich genau darum, die eigenen persönlichen Stärken auszugraben und bewusst zu machen. Sie können sich auf die Spurensuche machen, indem Sie sich fragen „Was macht mir Spaß?“, „Was ist mir wichtig?“ und „Stimmt meine Eigenwahrnehmung mit der Fremdwahrnehmung überein?“

Der Spaßfaktor

Sie werden es bereits kennen: Das, was Ihnen Spaß macht, das geht Ihnen leicht von der Hand. Zugleich sind Sie voller guter Energie. Wie steht es mit den Aufgaben, die Sie aus Pflichtgefühl und gegen Ihre Neigung ausüben? Schlechte Laune und Erschöpfung sind nur einige der Auswirkungen. Fragen Sie sich einmal, was Ihnen schon als Kind Spaß gemacht hat. Was hat Ihnen in der Schule, auf der Uni und in Ihrer bisherigen Anstellung Spaß gemacht? Überprüfen Sie, ob die „Spaßfaktoren“ in Ihrem angestrebten Job erfüllt werden können. Wenn ja, dann werden Sie mit einem Lächeln Karriere machen!

Der Wertefaktor

Neulich sprach ich mit einem jungen Berufseinsteiger. Er hatte BWL studiert und ist in die Branche der Medizintechnik eingestiegen. Dort arbeitet er als Key-Account-Betreuer im Vertrieb. Seine Glücksgefühle zieht er aus den Erfolgserlebnissen: Hohes Gehalt, Mercedes als Firmenwagen und die Perspektive, in naher Zukunft Vertriebsleiter für Deutschland zu werden. Doch: Wofür das alles? Aus heiterem Himmel kam ihm diese Frage.

Und noch mehr: Eigentlich ist es nicht korrekt, was da passiert. Er verkauft Medizintechnik zu hohen Preisen. Die Margen und Gewinne seiner Firma gehen auf Kosten der Allgemeinheit, die mit ihren Steuerbeiträgen die Gesundheitskosten trägt. Ein klassischer Wertekonflikt. Er hat Spaß am Vertrieb und besitzt alle Fähigkeiten, die man braucht, um erfolgreich zu sein. Zugleich besorgt ihn das Geschäftsgebaren seiner Branche. Es kollidiert mit seinen persönlichen Werten, die Gewinnmaximierung nicht als einziges Ziel eines Unternehmens sehen. Es ist ihm zu wünschen, dass er eine Vertriebsaufgabe in einer Branche findet, die mit seinen Werten vereinbar ist.

Dann wird er nicht nur Erfolg haben, sondern zugleich mit sich im Reinen sein. Es ist also absolut wichtig – und gesundheitsfördernd –, im Einklang zu seiner eigenen Wertewelt zu handeln. Wählen Sie Ihren Arbeitgeber und Ihre Branche nach diesen Gesichtspunkten aus. Die Perspektive ist immer Ihre eigene. Es gibt Ingenieure, die sehen ihre Arbeit in einem Rüstungskonzern als Beitrag zur Friedenssicherung, andere hingegen fühlen sich dort als Kriegsvorbereiter.

Die Fremdwahrnehmung

In Jahresgesprächen erhalten Sie Feedback von Ihrem Vorgesetzten. Er weist Sie auf Ihre Stärken und Schwächen hin, und Ihnen wird die Perspektive für den weiteren Karriereverlauf aufgezeigt. Rückmeldungen durch den Chef sind eine Möglichkeit, das eigene Bild von seinen Stärken zu verifizieren. Weitere Chancen bieten Gespräche mit einem Freund oder einem neutralen Dritten. Dies wird umso wichtiger für Sie, wenn Sie glauben, dass die Wahrnehmung durch Ihren Vorgesetzten nicht ehrlich formuliert werden. Will Ihr Chef Sie zum Beispiel nicht befördern, da es für ihn bequemer ist, Sie in seiner Abteilung zu halten, dann wird er Ihre Stärken als Führungskraft nicht groß erwähnen. Neben Feedback-Ritualen bietet das Alltagsleben viele Chancen, eigene Stärken und Schwächen gemeldet zu bekommen:

  • Achtsamkeit: Achten Sie auf die Wirkung Ihrer Wort und Taten. Wenn die Reaktion für Sie unverständlich ist, fragen Sie nach und seien Sie offen für ein Feedback.
  • Respekt: Respektieren Sie das Feedback bzgl. Ihrer Person. Hier spricht Ihr Gegenüber seine Wahrnehmung aus – eine Chance für Sie!
  • Kinder: Jeder der Kinder hat, besitzt einen ehrlichen Spiegel seiner selbst! Nutzen Sie die Chance, die Ihnen Ihre Kinder geben. Sie spiegeln unverfälscht Ihr Verhalten. Was Sie an Ihren Kindern stört, hat oft seinen Ursprung in Ihrem Verhalten als Eltern. Vielleicht reagiert das Kind aggressiv, weil Sie es selber sind.
  • Abneigungen: Wenn wir Menschen nicht mögen bzw. uns an ihnen über Gebühr reiben, dann stehen wir oft einem Spiegel unserer Eigenschaften gegenüber. Was uns am Anderen stört sind häufig Eigenschaften, die wir selber besitzen. Wer hierauf achtsam reagiert, kann sehr viel über sich lernen.

Karriere aus und mit eigener Stärke

Um nicht im Durchschnitt zu enden, sollten Sie immer daran denken, was Ihre eigentlichen Stärken sind. Indem Sie intuitiv Ihrer Neigung und Ihrem Spaß am Leben folgen, sind Sie schon auf der richtigen Spur. Bringen Sie diese Spur in Einklang mit Ihren Werten und überprüfen Sie Ihre Selbstwahrnehmung durch Feedback von Dritten.

Autor:

Sascha-Schmid_neu_2
Sascha Schmidt, Coach & Karriereberater in München



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