Ihr Charakter auf dem Seziertisch

So viel verraten Persönlichkeitstests

Irren ist menschlich das gilt auch für die Besetzung von Stellen. Manchmal ist der erste Eindruck einer Person schlichtweg trügerisch. „Aber sie schien doch so kompetent / sympathisch / flexibel“, heißt es dann vergebens. Um teure Fehlbesetzungen zu vermeiden, setzen immer mehr Unternehmen auf technische Unterstützung: Persönlichkeitstests, die schonungslos die Stärken und Schwächen, Vorlieben und Abneigungen kurz, den Charakter von Stellenanwärtern evaluieren. Wir erklären, was Sie über Persönlichkeitstests im Bewerbungsgespräch wissen müssen.

Gut vorbereitet in den Interviewprozess: Die wichtigsten Persönlichkeitstest im Überblick

Persönlichkeitstests im Bewerbungsgespräch: Eine Auswahl

Personalverantwortliche sind auch nur Menschen, ein Bewerbungsgespräch keine „normale“ Situation, die sich eins zu eins auf den Arbeitsalltag übertragen lässt. Oftmals achten Personaler im Bewerbungsgespräch auf die falschen Dinge oder lassen sich vom Erscheinungsbild und Auftreten der Kandidaten beeinflussen. Der Preis für eine Fehlbesetzung: bis zu 150 Prozent eines Jahresgehaltes so viel kann es kosten, einen Senior Professional nach kurzer Zeit zu verlieren und ersetzen zu müssen. Seit Jahren verlassen sich Unternehmen, beispielsweise im Vertriebsbereich, daher auf zusätzliche Eignungstests, um herauszufinden, ob ein Kandidat die richtigen Charaktereigenschaften für eine Stelle besitzt. Die Bandbreite dieser Tests wächst. Es ist also gut möglich, dass auch Sie beim nächsten Bewerbungsgespräch Ihre Eignung so unter Beweis stellen sollen. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Persönlichkeitstests vor.

Der Big 5 Persönlichkeitstest

Das Format: Eine Serie von Aussagen, bei der Sie anhand einer 5-Punkte-Skala („trifft nicht zu“ bis „trifft vollkommen zu“) bestimmen, wie stark diese auf Sie zutreffen. Beispiel: Es fällt mir leicht, Freundschaften zu schließen oder ich vertraue Leuten, wenn sie mir etwas sagen.

Das verrät der Test über Sie: Dieser Test wird auch das Fünf-Faktoren-Modell genannt und teilt die Befragen in fünf Persönlichkeitsdimensionen ein: Offenheit Gewissenhaftigkeit, Verträglichkeit, Extraversion und Neurotizismus und misst, wie hoch ihre Punkte in den jeweiligen Bereichen sind. Bei der Verträglichkeit, zum Beispiel, bedeutet eine geringe Punktzahl, dass Sie eher ein Skeptiker sind, lieber alleine arbeiten und zu schnellen Urteilen über den Charakter anderer neigen. Positiv daran ist, dass Sie ein relativ unabhängiger Denker sind, gut Entscheidungen treffen können und Sachverhalte objektiv bewerten. Leute, auf die das zutrifft, arbeiten gerne in einem Bereich, in dem sie Macht haben und unabhängig agieren können beispielsweise im Recht, der Politik oder im Gesetzesvollzug.

Myers-Briggs-Typenindikator (MBTI)

Das Format: Der weltweit bekannteste Persönlichkeitstest gibt Ihnen eine Serie von Aussagen vor, die Sie mit Ja oder Nein beantworten müssen. Beispiel: Sie glauben, dass alles im Leben relativ ist oder Sie vertrauen eher auf Ihren Verstand als auf Ihre Gefühle.

Das verrät der Test über Sie: Der Test basiert auf dem Gedanken, dass sich Leute systematisch dabei unterscheiden, wie und was sie wahrnehmen und wie sie Entscheidungen treffen. Der Persönlichkeitstest ordnet die Teilnehmer in vier verschiedene Dichotomen ein: Kategorie 1) Motivation & Antrieb, werden als Introversion (I) und Extroversion (E) gemessen, Kategorie 2) Aufmerksamkeit, also wie man Informationen verarbeitet, wird in Sensorik (S) und Intuition (N) unterteilt, Kategorie 3) Entscheidungen, befasst sich damit, wie Entscheidungen getroffen werden und wird in Denken (T) und Fühlen (F) unterteilt, und Kategorie 4) Lebensstil, beschreibt, wie schnell jemand seine Eindrücke strukturieren kann und zeigt sich in Wahrnehmung (P) und Beurteilung (J). Wer den Test abgeschlossen hat, erhält einen Code, der aus vier Buchstaben besteht und damit den jeweiligen Persönlichkeitstyp beschreibt. Wenn Sie zum Beispiel ein ENTP sind, würden andere Sie wahrscheinlich als energetisch, proaktiv, logisch veranlagt und dem Wandel zugetan bezeichnen.

Das Caliper Profil

Das Format: Der Test besteht aus 180 Fragen mit Multiple-Choice-Antworten. Sie entscheiden sich für die Antwort, die Ihrer Meinung am meisten entspricht und diejenige, die Ihre Meinung am wenigsten widerspiegelt. Beispiel:

A) Ich denke meist nicht zweimal über meine Entscheidungen nach, B) Ich bemühe mich, nicht zu aggressiv von anderen zu fordern, C) Ich würde an einer gelben Ampel eher anhalten als darüber zu fahren, D) Ich werde oft von Leuten ausgenutzt.

Das verrät der Test über Sie: Der Caliper Persönlichkeitstest misst 26 Charakterzüge, die in Bezug zur Leistung im Job stehen. Diese fallen in vier übergeordnete Kategorien: Führung/Überzeugungsfähigkeit, Zwischenmenschliche Kompetenz, Problemlösungs- und Entscheidungskompetenz und Selbstorganisation/Zeitmanagement. Arbeitgeber bestimmen vorab, welche Fähigkeiten sie in ihrem Team brauchen und gleichen im Anschluss die Liste der Ergebnisse ab.

Clifton StrengthsFinder

Das Format: Der Online-Test gibt Ihnen über 170 Paare von „Selbstbeschreibern“ vor. Sie wählen eine der beiden Wahlmöglichkeiten, die Sie selbst am besten beschreibt. Beispiel: Ich träume von der Zukunft vs. Andere Menschen sind meine stärksten Verbündeten.

Das verrät der Test über Sie: Der Test basiert auf 34 „Talent-Themen“ und misst, wie viele von diesen ein Kandidat besitzt. Beispiele dieser Themen sind Ideenfinder (Faszination von Ideen und in der Lage, Querverbindungen zwischen augenscheinlich unzusammenhängenden Phänomenen zu ziehen) und Erfolgsmensch (besitzt Ausdauer, Arbeitsmoral und ist ein klarer Befürworter von Produktivität). Die Teilnehmer des Tests werden mit ihren fünf Top-Themen konfrontiert und auch mit allen anderen, die ihre Persönlichkeit widerspiegeln. Der Sinn des Tests liegt darin, den Teilnehmern ihre Stärken und ihr noch schlummerndes Potenzial vor Augen zu führen, um damit ihre Karriereplanung voranzutreiben und ihre Arbeitsleistung zu steigern.

16-Persönlichkeits-Faktoren-Test (16PF)

Das Format: Wenn Sie diesen Persönlichkeitstest im Bewerbungsgespräch absolvieren sollen, werden Sie mit 185 Aussagen über Alltagssituationen konfrontiert. Jede davon bewerten Sie anhand einer 5-Punkte-Skala, von „Ich stimme vollkommen zu“ bis „Ich stimme gar nicht zu“. Beispiel: Ich löse gerne komplexe Probleme. Ich höre nie auf, bevor etwas perfekt ist. Ich interessiere mich nicht besonders für abstrakte Ideen. 

Das verrät der Test über Sie: Die 16 Hauptfaktoren von Persönlichkeiten werden hier untersucht – beispielsweise Wärme, emotionale Stabilität, Zurückgezogenheit, Selbstvertrauen und Perfektionismus – und gemessen, wie stark sie auf den Teilnehmer zutreffen. Für Perfektionismus, zum Beispiel, wird der Kandidat in einem Feld zwischen toleriert Störungen und Perfektionist verortet. Der PF16 ist ein gutes Instrument, um Verhalten und Leistungen vorherzubestimmen und wird vor allem im Karrierecoaching sowie in der Auswahl von Talenten eingesetzt.

Persönlichkeitstests werfen immer die Frage nach der Verlässlichkeit auf. Haben sie wirklich zur Folge, dass bessere Kandidaten eingestellt werden? Einige Unternehmen behaupten, die Durchführung von Persönlichkeitstests im Bewerbungsgespräch hätte zu einer geringeren Fluktuation geführt. Andere dagegen sagen, ein Persönlichkeitstest könne die Leistung eines Mitarbeiters nicht voraussagen. Bewerber könnten das System schließlich überlisten und bewusst die Antworten ankreuzen, die ein Arbeitgeber hören will. Es ist also klar, einen perfekten Weg, um die besten Mitarbeiter zu finden, gibt es nicht. Doch da Persönlichkeitstests im Bewerbungsgespräch immer mehr zur Norm werden, sollten Sie vorbereitet sein. Wer weiß, vielleicht steht ein Test gleich in Ihrem nächsten Vorstellungsgespräch an?

Über die Autorin

Kate RodriguezKate Rodriguez besitzt mehr als 20 Jahre Erfahrung in öffentlichen und privaten Organisationen, wo sie als internationale Handelsanalytikerin für die US-Regierung tätig war und als Karrierecoach an einer Universität arbeitete. Dort spezialisierte sie sich auf internationale Karriere.



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