Hawthorne Effekt

Hawthorne-Effekt

Arbeitet Ihr Team nur dann richtig, wenn Sie hinsehen?

Warum steigt die Produktivität von Mitarbeitern, sobald sie das Gefühl haben, beobachtet zu werden? Sie haben wohl noch nicht vom Hawthorne-Effekt gehört. Alles, was Sie über das Phänomen wissen müssen – und wie Sie Ihr Team damit anspornen können.

Hawthorne Effekt

Der Hawthorne-Effekt zeigt: Mirtarbeiter sind dann produktiver, wenn sie das Gefühl haben, unter Beobachtung zu stehen.

Was ist der Hawthorne-Effekt?

Der Hawthorne-Effekt (auch als Beobachtereffekt bekannt) beschreibt das Phänomen der Verhaltensanpassung von Personen unter Beobachtung. In der Arbeitswelt könnte man es folgendermaßen beschreiben: Die Produktivität von Mitarbeitern steigt, sobald sie das Gefühl haben, unter Beobachtung zu stehen. Der Begriff Hawthorne-Effekt geht auf eine guppenbasierte Beobachtungsstudie bei den Hawthorne-Werken zurück. Ziel war es herauszufinden, wie man die Produktivität der Mitarbeiter dauerhaft steigern kann.

Zu Beginn dieser Studienreihe, angeleitet durch Elton Mayo, Professor an der Harvard Business School, zusammen mit seinen Kollegen F. J. Roethlisberger und William J. Dickson, untersuchten die Forscher die physischen und umgebungsbezogenen Einflüsse des Arbeitsplatzes (z.B. Helligkeit, Luftfeuchtigkeit). Schließlichen nahmen sie auch die psychologischen Aspekte (z.B. Pausen, Gruppendruck, Arbeitszeit, Führungsverhalten des Managements) unter die Lupe. Die Ergebnisse dieser Studie sollten wegweisend für die Definition von sozialen Gruppendynamiken sein und hatten Auswirkungen auf darauffolgende Experimente, Managementbeziehungen und den Informationsaustausch zwischen Mitarbeitern.

Die Hauptaussage der Studie war, dass unabhängig von der experimentellen Manipulation die Produktion der Mitarbeiter anzustiegen schien. Eine sinnvolle Schlussfolgerung daraus war, dass die Mitarbeiter sich durch die anhaltende Aufmerksamkeit der Studienleiter zu einer Leistungssteigerung anspornen ließen.

Was kann man aus der Studie lernen?

  • Die Begabung eines Individuums ist eine unvollständige Vorhersage der Leistungsfähigkeit dieser Person. Auch wenn dadurch das mentale Potenzial eingrenzbar ist, so ist das endültige Leistungsausmaß abhängig von sozialen Faktoren.
  • Ein unpersönliches Arbeitsklima wirkt sich negativ auf die Produktivität der Mitarbeiter aus. Die Studienleiter konnten eine Gruppendynamik zwischen den Mitarbeitern feststellen. Zudem zeigte die Studie, dass die Beziehung zwischen dem Vorgesetzen und seinen Mitarbeitern entscheidend für die Umsetzung von Anweisungen ist.
  • Gruppenregeln bestimmen die Produktivität. Dies war nicht die erste Studie, in der festgestellt wurde, dass jede Arbeitsgruppe eigene Standards im Hinblick zu den geforderten Tagesleistungen hat. Jedoch war dies die erste Studie, in der dieses Phänomen systematisch beschrieben und interpretiert wurde.
  • Der Arbeitsplatz ist ein soziales System. Die Forscher entwickelten eine unterschiedliche Sichtweise auf das Umfeld des Arbeitsplatzes. Für sie wurde der Arbeitsplatz zu einem sozialen System, das sich aus unabhängigen Teilen zusammensetzt.

Jahrzehntelang definierte die Hawthorne-Studie das Grundprinzip der sozialen Beziehungen in Unternehmen. Dann entwickelten zwei Forscher (Franke und Kaul, 1978) ein neues Verfahren namens Zeitreihenanalyse. Sie verwendeten dieselben Grundvariablen und berücksichtigten sowohl die Zeit der Großen Depression sowie die Umstände, dass zwei mittelmäßige Mitarbeiter durch zwei andere, produktivere Mitarbeiter ersetzt wurden, von denen einer die Rolle des Vorarbeiters übernahm. Franke und Kaul fanden heraus, dass die Produktivität durch zwei Aspekte dieser Maßnahme verändert wurde: Die grundlegend höhere Produktivität der neuen Mitarbeiter und den Effekt dieser Disziplinarmaßnahme auf die beiden anderen Mitarbeiter. Auch das Aufkommen der Großen Depression führte dazu, dass Mitarbeiter produktiver arbeiteten, möglicherweise aus der Befürchtung heraus, die Anstellung verlieren zu können. Auch regelmäßige Pausen und Gruppenziele förderten die Produktivität der Mitarbeiter.

Die vorliegenden Forschungarbeiten legten den Grundstein für weitere Entwicklungen innerhalb der Arbeits- und Organisationspsychologie. Wissenschaftler verstehen inzwischen, dass zwischenmenschliche Faktoren sowie soziale Beziehungsdynamiken in Betracht gezogen werden müssen, sobald soziale Systeme untersucht werden wollen.

Sobald ein Teil einer Gruppe isoliert wird und die entsprechenden Personen das Gefühl haben, “auserwählt” worden zu sein, wird dies Auswirkungen auf die Ergebnisse jeder Untersuchung haben.

Einige Wissenschaftler sind der festen Überzeugung, dass der Hawthorne-Effekt nicht existiert oder lediglich in die Kategorie “Placebo-Effekt” fällt. Andere glauben, dass es sich hier um die Anpassung an die Erwartungen handelt, die in einem Experiment an die Versuchsteilnehmer gestellt werden.

Egal was die Antwort auf diese Frage sein mag, Fakt ist, dass Individuen in sozialen Studien ihr Verhalten ändern. Dies ist nicht nur Psychologen klar sondern sollte auch durch jedes Management in jedem Unternehmen berücksichtigt werden. Als Teamleiter oder Manager ist es Ihre Pflicht, die Produktivität und Effizienz Ihrer Mitarbeiter anhand dieser Faktoren zu erhöhen, denn dies ist eine dankbare Maßnahme.


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