Mensch gegen Maschine

Robot Recruiting: Werden Headhunter bald überflüssig?

Mensch gegen Maschine

Der Kampf Mensch versus Maschine hat längst auch das Recruiting erreicht. Immer mehr Personal-Manager und Berater setzen auf Robot-Recruiting-Tools, um Bewerbungen nach bestimmten Schlagwörtern automatisch vorzuselektieren oder das Internet gezielt nach Kandidaten zu durchforsten. Werden intelligente Robots Headhunter künftig gar überflüssig machen? 

Mensch gegen Maschine

Exzellente Führungskräfte und Spezialisten halten nichts von standardisierten Massenmails. Sie legen größten Wert auf eine persönliche, passgenaue und wertschätzende Ansprache.

„Wir sehen Robot Recruiting lediglich als zusätzliches Werkzeug, das Unternehmen und Personalberater bei der Suche und der Identifikation von Kandidaten sowie sehr eingeschränkt auch im Auswahlprozess unterstützen kann“, sagt Michael Kolb, Vorstand der QRC Group. Schließlich bergen die Tools auch zahlreiche Tücken. Den menschlichen Faktor werden die Maschinen auf absehbare Zeit nicht ersetzen können. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der intelligenten Kombination beider Welten.

Was ist Robot Recruiting genau?

In den USA gehört Robot Recruiting längst zum Alltag. Studien zufolge nutzen bereits über 90 % der Konzerne entsprechende Tools. Doch was genau versteht man darunter? Grundsätzlich gibt es in diesem Bereich zwei verschiedene Arten. Zum einen Analysetools zur automatisierten Kandidatenvorauswahl, die die eingehenden Bewerbungsunterlagen bewerten. Zum anderen intelligente Robots für das Web Crawling, die das Internet gezielt nach passenden Kandidaten mit speziellen Qualifikationen durchsuchen.

Vorteile der automatisierten Kandidatenvorauswahl

„Im Bereich der Vorauswahl von Kandidaten gibt es bei größeren Konzernen in Deutschland bereits erste positive Erfahrungen, insbesondere bei eher technisch orientierten Positionen“, sagt Michael Kolb. Dabei füllen die Kandidaten meist Online-Formulare auf der Website des Unternehmens aus. Auch Bewerbungen per eMail werden schnell in das System übertragen, per Post eingehende schriftliche Bewerbungen eingescannt. So liegen digitalisierte Daten vor, die die Tools analysieren können.

Die Vorteile liegen auf der Hand: weniger Personalaufwand, schnellere Prozesse und eine diskriminierungsfreie Selektion. Gerade große und bekannte Unternehmen mit hoher Attraktivität können die hohe Anzahl an Bewerbungen kaum mit der Sichtung durch Mitarbeiter bewältigen. So steht etwa Google vor der Herausforderung, den richtigen Kandidaten aus durchschnittlich 400 Bewerbungen herauszufinden, der wirklich zum Unternehmen passt. Robot Recruiting kann hier die Vorauswahl deutlich vereinfachen und den Prozess verkürzen, um die finale Auswahl dann dem Menschen zu überlassen.

Die Grenzen der Algorithmen: Warum High-Potentials durchs Raster fallen können

Doch die automatisierten Selektionsprozesse stoßen auch schnell an ihre Grenzen. Algorithmen sind nur so gut, wie sie programmiert sind. So kommt es vor, dass gut geeignete Kandidaten aussortiert werden, weil bestimmte Schlüsselwörter nicht in der Bewerbung auftauchen oder vergleichsweise geringe Formfehler vorliegen. Außerdem bleiben versteckte Talente unentdeckt, weil das System nicht zwischen den Zeilen lesen kann und verdeckte Potenziale nicht erkennt.

„Aktuell stützen sich solche Programme auf sachliche Fakten und Fertigkeiten, die dem definierten Jobprofil semantisch entsprechen. So kann etwa ein sehr guter Bewerber bereits aufgrund eines älteren Jobtitels durch das Raster fallen. Zudem werden Maschinen auch auf absehbare Zeit nicht in der Lage sein, wichtige Softskills wie Persönlichkeit, Empathie oder den wichtigen Cultural Fit zu bewerten. Dies kann dazu führen, dass perfekte Kandidaten gar nicht erkannt oder in einem frühen Stadium aussortiert werden“, erklärt der Vorstand der QRC Group, die vom Nachrichtenmagazin Focus drei Jahre in Folge als eine der besten Personalberatungen in Deutschland ausgezeichnet wurde.

Außerdem können findige Kandidaten die Maschinen austricksen. „Unserer Meinung nach verhält es sich hier ähnlich wie bei Online-Persönlichkeitstests oder Online-Assessments. Menschen die wissen, wie Maschinen bewerten, können sich leichter darauf einstellen und ihr Verhalten adaptieren. Damit ist derjenige im Vorteil, der sein Profil und seine Unterlagen maschinenoptimiert“, so Kolb.

Chancen und Risiken beim Active Sourcing durch Robots

Ganz ähnlich verhält es sich bei der aktiven Kandidatensuche mithilfe intelligenter Robots für das Web Crawling, die gezielt Soziale Business-Netzwerke, Jobportale und Ähnliches durchforsten. Auf der einen Seite spart die Technik Geld und Zeit bei der ansonsten mühevollen persönlichen Suche nach Talenten. Auf der anderen Seite werden auch hier manche High Potentials nicht erkannt. Doch beim Active Sourcing durch Robots kommt noch ein weiterer Punkt hinzu. Häufig wird diese Suche mit einer automatisierten Direktansprache der Kandidaten verknüpft, denen passende Stellenanzeigen zugeschickt werden. Doch dabei kann der Schuss schnell nach hinten losgehen.

„Gerade hochqualifizierte Kandidaten bekommen zuhauf maschinell generierte Job-Vorschläge aus Sozialen Netzwerken und Jobportalen – sie reagieren aber nur sehr selten darauf. Exzellente Führungskräfte und Spezialisten halten nichts von standardisierten Massenmails. Sie legen größten Wert auf eine persönliche, passgenaue und wertschätzende Ansprache – als Grundvoraussetzung, um überhaupt in einen Bewerbungsprozess einzutreten.

Auch Headhunter nutzen Robot-Recruiting-Tools

Auch im Headhunting sind etliche Programme zur Kandidatenrecherche und zum Matching von Profilen längst Realität. „Wir als Personalberater nutzen diese Tools nur unterstützend bei der Analyse und Vorauswahl. Allerdings zeigen diese nur bei stark faktenbasierten Profilen gute Ergebnisse. Außerdem sehen wir uns auch Kandidaten an, die vom System geringer ‚gerankt‘ werden und bewerten dort mögliche Potentiale, Erfahrungen und Kenntnisse in anderen Bereichen, die einen zusätzlichen Nutzen für unseren Kunden darstellen können“, sagt Michael Kolb.

Fazit

Sicher kann das Robot Recruiting intelligent eingesetzt Prozesse vereinfachen und beschleunigen. Gute und erfahrene Personalberater und Headhunter werden sie jedoch nicht ersetzen können. Der menschliche Faktor wird auch künftig immer eine wichtige Rolle spielen – sei es beim Aufspüren versteckter Potenziale, beim Bewerten von Soft Skills oder vor allem auch bei der persönlichen Ansprache von hochkarätigen Talenten. Deswegen dürfte die Zukunft des Recruiting in einer intelligenten Verknüpfung von Maschinen mit klassischem Headhunting liegen: Ein „Mensch-Robot-Co-Work“ als Erfolgsgeheimnis im Kampf um die besten Kandidaten.



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