Sind Sie der ideale Headhunter-Kandidat?

Sind Sie der ideale Headhunter-Kandidat?

Sie waren in Yale, können aber keinen einzigen Satz sagen, ohne dabei zu stottern? Der ideale Kandidat kann sich nach Aussage von Céline Choisel von BiermannNeff nicht nur gut ausdrücken, er ist auch charismatisch und talentiert. Vielleicht haben Sie jahrelange Erfahrung und einen Doktortitel, aber wenn Sie Frau Choisel nicht überzeugen können, dass Sie der Richtige für eine bestimmte Position sind, nützt Ihnen das auch nicht viel. Céline Choisel gewährt Ihnen heute einen Einblick in ihre Erfahrung mit potenziellen Kandidaten und der täglichen Arbeit als Headhunterin in einer Männerdomäne. Lesen Sie heute, wie Sie der ideale Headhunter-Kandidat werden: Haben Sie das Zeug dazu?

 

Sind Sie der ideale Headhunter-Kandidat?

 

 1. Wie bereiteten Sie sich auf ein Gespräch mit einem Kandidaten vor?

Der erste Schritt ist natürlich, den Lebenslauf des Kandidaten genau zu lesen und dzu verstehen, wie dessen Studium mit seinem beruflichen Werdegang zusammenpasst. Für gewöhnlich überprüfe ich das LinkedIn-Profil des Kandidaten oder suche ihn auf Google, um mehr Informationen über ihn zu bekommen. Normalerweise hilft mir dieser „Background-Check“ dabei, ein paar spezifische Fragen zu finden, mit denen ich herausfinden kann, wer die Person ist, mit der ich spreche und was sie motiviert.

 

2. Welche Kandidaten beeindrucken Sie am meisten und wodurch?

Meiner Meinung nach haben die besten Kandidaten eine ausgeprägte Expertise in ihrem jeweiligen Bereich, die sie durch eine ausgeglichene Persönlichkeit abrunden können. Jeden Tag treffen wir fantastische Leute mit einem beeindruckenden akademischen und beruflichen Hintergrund, aber es ist die Persönlichkeit und die Interaktion mit anderen, die den Schlüssel zum Erfolg darstellt. Ich erlebe das oft, wenn ich Führungskräfte und erfolgreiche Manager treffe; sie sind charismatisch, aber gleichzeitig gute Zuhörer, die anderen Respekt erweisen.

 

3.  Welches Verhalten seitens des Kandidaten ist während einem Interview unangebracht?

Ich würde sagen, das Schlimmste wäre, wenn jemand falsche Informationen in seinen Lebenslauf schreibt. Es ist eine schwierige Situation, wenn wir herausfinden, dass jemand die Sprache nicht spricht, die er angegeben hat oder wenn er die Hälfte dessen, was er in seinem Lebenslauf angegeben hat, in Wirklichkeit nie gemacht hat.

 

 4.  Welche Tipps haben Sie für Kandidaten, die sich auf ein Headhunter-Interview vorbereiten?

Bevor Sie mit einem Headhunter über eine bestimmte Position sprechen, sollten Sie sich mit der Stellenbeschreibung auseinandersetzen und ein paar Fragen vorbereiten. Wenn das erste Gespräch als offene Diskussion stattfindet, sollten Sie sich idealerweise Zeit nehmen, um sich die Website des Headhunters anzusehen. Überprüfen Sie, ob dieser eine Expertise in einem bestimmten Bereich hat oder ob er als Recruiter breit aufgestellt ist. Die Finanzbranche ist beispielsweise so breitgefächert, dass ich empfehlen würde, sich an einen Spezialisten zu wenden. Dabei verbessern Sie Ihre Chancen auf eine Stelle, die für Sie relevant ist. Dann sollten Sie natürlich eine Menge Fragen über die Art und Weise stellen, wie der Headhunter vorgeht, über seinen bisherigen Erfahrungsschatz, die Art von Klienten, die er bislang betreute und so weiter. Wenn Sie außerdem offen für größere berufliche Veränderungen sind, wenn Sie beispielsweise vom Portfolio Management ins Marketing wechseln wollen, ist dies eine gute Gelegenheit, um den Headhunter nach seiner Meinung zu fragen und Ratschläge einzuholen.

 

5. Behalten Sie potenzielle Kandidaten im Hinterkopf, wenn sie für eine aktuelle Position gerade nicht infrage kommen?

Für gewöhnlich versuche ich, mit interessanten Kandidaten über soziale Netzwerke in Verbindung zu bleiben, auch wenn ich ihren Lebenslauf nicht habe. Wenn sich ein hochqualifizierter Kandidat bewirbt oder mich kontaktiert, nehme ich mir die Zeit, um mit ihm zu telefonieren. So möchte ich herausfinden, wer diese Person ist und was sie motiviert. Normalerweise behalten wir die Lebensläufe von aussichtsreichen Kandidaten, damit wir zu gegebener Zeit auf sie zurückkommen können. Natürlich können auch Kandidaten uns jederzeit neue Informationen zukommen lassen. Es ist vor allem wichtig, mit interessanten Kandidaten in Kontakt zu bleiben, so können wir unsere Marktperspektiven austauschen. Das ist so eine Art Win-Win Situation für beide Seiten.

 

6. Wie sind Sie darauf gekommen, als Headhunterin zu arbeiten?

Nach meinem Finanzwirtschaftsstudium habe ich für einige Jahre als Portfolio Manager gearbeitet. Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich damit nicht zufrieden war. Ich rede lieber mit Leuten, als vor dem Bildschirm zu sitzen. Headhunting hat mich immer fasziniert und ich hatte schon als Studentin mit Networking zu tun. Dann fragte mich eine Freundin, ob ich bei ihrem Headhunting-Team in Genf einsteigen will. Das war zwar ziemlich unerwartet, aber ich habe die Herausforderung angenommen, Luxemburg verlassen und mir eine neue Existenz in der Schweiz aufgebaut.

 

7. Wie sieht der Alltag eines Headhunters aus?

Für uns ist jeder Tag anders. Normalerweise verbringen wir viel Zeit am Telefon mit Kandidaten und Klienten. Wir organisieren Meetings mit verschiedenen Klienten, die einen Kandidaten kennenlernen wollen, danach geht es an die Nachbereitung. Das heißt, wir holen Feedback von beiden Seiten ein, wir versuchen zu verstehen, was möglicherweise falsch lief oder helfen Kandidaten, sich auf den nächsten Schritt vorzubereiten bis ihm oder ihr ein Angebot gemacht wird. An diesem Punkt versuchen wir, beide Seiten zu beraten, denn es gibt immer sensible Themen wie das Gehalt oder andere Benefits.  Für uns ist es am Wichtigsten, dass beide Seiten auf lange Sicht zufrieden sind, wenn der Vertrag unterschrieben wird. Den Richtigen zu finden und schließlich zu vermitteln ist ein langer und schwieriger Prozess und wir versuchen daher, unseren Kunden auch auf lange Sicht zur Seite zu stehen.

Natürlich suchen wir auch nach neuen potenziellen Kandidaten, wir sehen zu, dass wir hinsichtlich des Arbeitsmarktes am Ball bleiben, wir verfolgen, wer nach Kandidaten sucht und wer Mitarbeiter entlässt, welche Produkte oder Aktivitäten im Trend liegen und informieren uns über neue Dienstvorschriften. Damit wir erfolgreich arbeiten können, müssen wir so viel wie möglich über die Branche wissen, denn wir benötigen dieses umfassende wissen, um glaubwürdig agieren zu können und das Vertrauen unserer Kandidaten und Klienten zu gewinnen. Wie bereits gesagt ist das Teilen von Informationen und Markteinsichten unerlässlich, wenn man in diesem Beruf effizient sein will. Und zuletzt treffen wir uns auch noch mit Leuten im Büro, zu einem informellen Mittagessen oder bei beruflichen Veranstaltungen.

 

8. Reden Sie mit anderen Headhuntern über Kandidaten und mögliche Stellen? Wie viel Networking betreiben Sie?

Ein heikler Punkt! Ich habe Freunde in derselben Branche und häufig reden wir darüber, was wir über die Marktsituation denken oder amüsieren uns über diese und jene Anekdote aus dem Headhunter-Alltag, aber wir bleiben Konkurrenten. Wir sprechen daher niemals über Kandidaten oder Klienten und geben Details preis.

 

9. Wie interagieren Sie mit Ihren Klienten? Bereiten diese eine Stellenbeschreibung vor und wie genau informieren sie Sie über die Anforderungen an einen Kandidaten?

Das hängt vom jeweiligen Klienten ab. Das ist das Interessante daran, wenn man als Partner auf lange Sicht mit einem Klienten zusammenarbeitet. Meist gewähren sie über die Jahre tiefe Einblicke in ihre Unternehmenskultur und ihre Strategien. Selbstverständlich ist das das beste Arbeitsumfeld, das man sich wünschen kann, wenn man nach relevanten Kandidaten sucht. Doch manchmal geben Klienten nicht viel von sich preis – dann müssen wir Geduld beweiesen und Schritt für Schritt Vertrauen aufbauen.

 

10. Wie ist es, als Headhunterin in einer Männerdomäne zu arbeiten?

Ich glaube, es ist ähnlich wie in anderen Branchen, wir Frauen haben instinktiv eine ruhigere Herangehensweise und machen uns ein umfassenderes Bild von den Leuten, mit denen wir zu tun haben. Vielleicht ist es für Frauen einfacher, mit potenziellen Klienten und Kandidaten ins Gespräch zu kommen, aber ich würde sagen, dass eine Balance zwischen Männern und Frauen für ein Team am vorteilhaftesten ist, da man sich so auch in schwierigen Situationen gegenseitig ergänzen kann. Allerdings hat diese Frage gerade in der Finanzbranche einen wichtigen Stellenwert. Darum bin ich Mitglied der Frauengesellschaft „100 Women in Hedge Funds“. Hier kann ich mit anderen berufstätigen Frauen diskutieren und mich mit ihnen austauschen.

 

 

Das Team von Vantage Point möchte sich bei Céline Choisel herzlich für diese interessanten Einblicke bedanken. Vergessen Sie also nicht, sich vor dem ersten Treffen über Ihren Recruiter zu informieren und bleiben Sie während des Gesprächs ruhig und gelassen. Viel Erfolg bei Ihrem nächsten Headhunter-Interview!

 


choisel

Céline Choisel hat an einer Business School in Paris studiert, bevor sie bei einer französischen Bank im Asset Management tätig war. Nachdem sie eine zeitlang in Luxemburg gearbeitet hatte, entschloss sich Céline Choisel dazu, in die Headhunting-Branche zu wechseln, erst in Genf und anschließend in Zürich. Die letzten drei Jahre arbeitete Céline Choisel im Recruitment für das Asset Management auf dem Schweizer Markt. Zurzeit ist sie bei BiermannNeff tätig.



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