Soft Skills: Was bringen Sie meiner Karriere als Führungskraft?

Soft Skill„Indianer kennen keinen Schmerz“ oder „Nur die Harten kommen in den Garten“ – diese Sprüche kennt wohl jeder. Die Redensarten dienen gerne im Sport als Ansporn zur Höchstleistung gegen die eigenen Körpersignale und für Führungskräfte als Rechtfertigung für einen autoritären Führungsstil sowie Raubbau am eigenen Leben zum Wohle der Firma. Kurzfristig mag diese Haltung Sinn machen und Erfolg bringen. Langfristig gefährdet man damit sein eigenes Werk – egal ob Körper oder Karriere. Wir sind nicht nur Manager sondern zugleich immer auch individuelle Menschen. Je mehr es gelingt, das eigene Führungsverhalten mit der eigenen Persönlichkeit in Einklang zu bringen, umso nachhaltiger wird das Führen.

Persönliche und sozialen Kompetenzen (Soft Skills) als Bindeglied zwischen beruflicher Anforderung und menschlicher Umsetzung finden sich in drei Feldern wieder:

  1. Im Umgang mit sich selbst
  2. Im Umgang mit anderen
  3. Im Stil der Führung und Zusammenarbeit

Umgang mit sich selbst

Die grundlegende Basis für einen kompetenten Umgang mit sich selbst ist ein entwickeltes und gesundes Selbstwertgefühl. Das sollte nicht verwechselt werden mit Selbstvertrauen. Was ist der Unterschied?

Selbstvertrauen bezieht sich auf unsere Fähigkeiten, wie zum Beispiel als Ingenieur technisch herausfordernde Projekte stemmen zu können. Ein entsprechendes Studium und erlebte Praxis bauen dieses Vertrauen auf. Nur manchmal erleben wir, dass Einser-Absolventen schüchtern und ängstlich reagieren. Dann heißt es schnell, Ihnen fehle Selbstvertrauen. Das stimmt nicht! Was Ihnen fehlt ist ein stabiles Selbstwertgefühl.

Das Selbstwertgefühl hat nichts damit zu tun, was für Fähigkeiten jemand besitzt, wie gut jemand in bestimmten Bereichen ist oder was er alles unternehmerisch erreichen kann. Das Selbstwertgefühl hängt mit dem Bewusstsein davon zusammen, wer Sie sind und wie Sie sich selber darauf beziehen, wer Sie sind. Hier stellen sich grundlegende Fragen:

  • Wer bin ich?
  • Was ist der Sinn meines Tuns?
  • Was sind meine Werte?

Einfache Fragen, die häufig nicht einfach zu beantworten sind. Je fester Sie in Ihrem Selbstwertgefühl verankert sind, umso mehr werden Sie Ihr Selbstvertrauen in Ihre Fähigkeiten nutzen können. Ihre Karriere steht dann auf einem festen persönlichen Fundament. Ein schwieriges Gespräch mit der Geschäftsführung lässt sich mit einem guten Selbstwertgefühl ganz anders angehen, als wenn die Absage zu Ihrem Anliegen gleich als Absage an die eigene Person gewertet wird.

Umgang mit anderen

Wie Sie mit Ihren Mitarbeitern, Kollegen und Kunden umgehen, hängt von Ihrem Selbstwertgefühl ab. Ist dieses gut ausgebildet, dann werden Sie es schaffen, achtsam und respektvoll anderen Menschen zu begegnen. Sie müssen ihnen und sich nichts beweisen. Aus der Perspektive einer Führungskraft ist dies ein sehr wertvoller Aspekt. Mit dieser Haltung wird es Ihnen gelingen, in einen konstruktiven und werthaltigen Dialog mit Ihrer Umwelt zu treten.

Dialogfähigkeit zeichnet aus, dass nicht auf reinen Positionen und Sachargumenten beharrt wird. Wer dies tut, der diskutiert. In der Diskussion bleiben persönliche Beweggründe außen vor. Das macht Sinn, wenn es um die Lösung eines technischen Problems geht. Im Umgang mit Menschen kann man sich viel verbauen mit einer reinen Diskussion.

Im Dialog hört man einander bis zum Ende an. Es gilt gegenseitig zu ergründen und zu verstehen, wieso und wozu der Gesprächspartner das, was er sagt, ausspricht. Gemeinsam im Dialog entwickelte Lösungen sind tragfähiger und nachhaltiger, da es keinen Gewinner oder Verlierer gibt. Die für einen Dialog aufgewendete Zeit und Kraft ist gut investiert in die Zukunft Ihres Teams. Je stärker Sie als Führungskraft aus Ihrem Selbstwertgefühl schöpfen, umso weniger Energie kostet Sie ein Dialog. Er ist einfach Bestandteil Ihres Führungs- und Kommunikationsstils.

Stil der Führung und Zusammenarbeit

Neben den fachlichen Kompetenzen wie betriebswirtschaftliches und produktbezogenes handwerkliches Know-How brauchen Sie soziale Kompetenzen, um in der Zusammenarbeit und Führung das Beste herauszuholen. Fachliche Kompetenzen können Sie lernen und sich erlesen. Soziale Kompetenzen gehen tiefer. Diese können Sie sich nur durch Erfahren und Erleben aneignen.

Innerhalb von Führungs- und Kommunikationsseminaren werden leider häufig nur Werkzeuge und Tricks für diese „weichen“ Kompetenzen vermittelt. Das kann nicht fruchten, wenn der Boden nicht dazu bereitet ist. Im Idealfall haben Sie ein gutes Selbstwertgefühl, auf dem Sie Ihr Selbstvertrauen in Ihre fachlichen und sozialen Kompetenzen aufbauen. Wenn nicht, dann fangen Sie mit dem Selbstwertgefühl an, der Rest kommt dann spielend von alleine hinzu.

Sascha Schmidt ist ganzheitlicher Coach und Personalberater in der New Media Branche aus München. Er studierte Geschichte, Philosophie und Pädagogik und war nachfolgend über zehn Jahre als Führungskraft in der Medienbranche tätig. Zwischen 2006 und 2009 folgten mehrere Ausbildungsschritte hin zum Coach und Mediator. Neben seiner Vorstandsmitgliedschaft im Verband für Ganzheitliches Führungs- und Persönlichkeits-Coaching in Köln ist Sascha Schmidt Gastautor in Zeitschriften und Fachbüchern. Für das Experteer-Blog verfasste er u.a. eine Serie zum Thema ganzheitliches Karriere-Coaching.

Autor: Sascha Schmidt – Coach & Karriereberater in München



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