Meetingkultur

Konfiguration der Macht – die besten Sitz-Strategien für den Konferenztisch

Haben Sie schon mal etwas von „Strategischem Sitzen“ gehört? Das gibt es tatsächlich –  es kann Ihnen dabei helfen, Anordnungen in Meetings richtig zu interpretieren und den strategisch besten Platz für sich selbst zu finden.

Alphatier oder Mitläufer? Welchen Sitzplatz Sie sich im Meeting aussuchen, verrät einiges über Ihren Charakter. Und Ihre Rolle im Unternehmen.

Im Laufe Ihres Berufslebens sitzen Sie jede Menge und von Tag zu Tag anders: in der Falle, auf glühenden Kohlen, am längeren Hebel, im gleichen Boot und manchmal in der Tinte. Doch wo sitzen Sie eigentlich in Meetings? Oder auf Dienstreisen im Flugzeug? Es ist durchaus lohnenswert, sich über diese vermeintlich profanen Handlungen Gedanken zu machen – denn wo oder worauf Sie sitzen, spricht Bände. Über Ihr Ansehen, Ihre Macht und auch über Ihren Charakter.

Im Konferenzraum

Folgendes Szenario: Meeting im Konferenzraum, ein rechteckiger Tisch. Der Geschäftsführer sitzt am Kopfende. Oder in der Mitte auf der langen Seite. Auf jeden Fall aber hat er keine Tür im Rücken. Die behält er prominent im Blick. Wer kommt zu spät? Wer geht zu früh? Ganz klar, eine Machtposition. Links und rechts vom Chef haben sich weitere Alphatiere positioniert.

Eine zufällige oder durch reine Gewohnheit motivierte Anordnung von Menschen, meinen Sie vielleicht. Keinesfalls, entgegnet die amerikanische Psychologin Sharon Livingston. Sie hat über 40.000 Chefs und Arbeitnehmer in deren „Konferenzsitzverhalten“ untersucht; demnach gebe es im Konfi eine klare, wenn auch unausgesprochene Sitzordnung mit dem Chef am Kopfende und seinen Vertretern direkt links sowie rechts von ihm. „Das ist ein aussagefähiges Bild des jeweiligen Machtgefüges“, sagt Livingston, „das sollte jeder Mitarbeiter vor Augen haben“.

Auf Dienstreise

Unausgesprochene Sitzordnungen haben nicht nur im Office eine Bedeutung, sie gelten auch für Dienstreisen. Wo, zum Beispiel, sitzen Sie als machtbewusste Führungspersönlichkeit im Flugzeug? Laut Livingston natürlich möglichst weit vorne. „In der Nähe des Piloten, dem Chef des Flugzeugs.“ Am Reiseziel angekommen, geht es mit einem Taxi weiter. Dabei sitzt das Alphatier  – ganz platz- und autoritätsbewusst – rechts hinten im Wagen. Dort, so Livingston, lasse sich „das Gefühl des Gefahrenwerdens so richtig auskosten“.

Sitzordnung im Großraumbüro

Eine Studie von Cornerstone OnDemand zeigt die Vorteile einer "Strategischen Sitzordnung".

Eine Studie von Cornerstone OnDemand zeigt die Vorteile einer „Strategischen Sitzordnung“.

Die Zeiten der prestigeträchtigen Einzelbüros neigen sich zumindest in zahlreichen Startups und zukunftsorientierten Unternehmen langsam aber sicher ihrem Ende zu. Das Großraumbüro mit seinen flexiblen Facetten des Innenausbaus fordert einen machtbewusst Sitzenden in seiner Kreativität neu heraus.

Dabei könnte eine Studie von Cornerstone OnDemand zum „Strategischen Sitzen“ helfen. Demnach werden die Räume von drei Gruppen bevölkert: „Die Quality-Worker, bei denen es sich diplomatisch ausgedrückt um Trantüten handelt, die Generalisten, die sich im Mittelfeld bewegen sowie die Productive Worker, welche als Spezialisten überdurchschnittliche Leistungen erzielen. Das beste Szenario ergibt sich daraus, dass man die Generalisten als Gruppe zusammensetzt, wo sie sich gegenseitig unterstützen und konstant auf einer Wellenlänge bleiben. Anders sieht es dagegen bei den Quality-Workern und den Productive Workern aus. Obwohl sie sich unterscheiden, sollte man sie zusammensetzen. Am besten aber nicht als Gruppe, sondern immer als eine Art Pärchen.“

Die Folge: Bei einem Unternehmen mit 2.000 Angestellten, das auf eine strategische Sitzordnung achtet, steigerte sich die Produktivität um 13 % und die Effektivität um 17 %. Sagt die Studie.

Sitzen – Stehen – Sitzen – Stehen

Langes oder gar Ständiges Sitzen ist nicht unbedingt gesund. Ständiges Stehen übrigens genauso wenig. Die Experten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin empfehlen von daher eine „Steh-Sitz-Dynamik“. Loriot lässt grüßen. Mit anderen Worten – eine Synthese aus Sitzen und Stehen sei der Königsweg. Stehtische sorgen also dafür, dass man in regelmäßigen Abschnitten seine vier Buchstaben in die Luft erhebt. Und für ein geselliges Zusammenstehen bei der After Work-Party. Wenn es die in Ihrem Unternehmen denn gibt.

Über den Autor

joergurbachJörg Peter Urbach ist Autor, Redakteur und Blogger aus Sprachleidenschaft. Seit mehr als 25 Jahren schreibt er. Für Print und Online. Konzepte. Geschichten. Fachartikel. Nach seinem Studium der Musikwissenschaft, Germanistik und Literaturwissenschaft arbeitete Jörg Peter als Editorial Manager im klassischen Musikbusiness. Als langjähriger Chefredakteur des Portals wissen.de weiß er, wie man Leser begeistert und Themen findet.

Wenn der gebürtige Kieler nicht schreibt, durchwandert und fotografiert er die Alpen. Oder lauscht der Oper. Mit Achtsamkeit.



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