Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte, heißt es. Auf den Büroalltag trifft das leider nicht zu, denn hier sorgen Konflikte und Streitigkeiten dafür, dass der Stresspegel nicht nur bei den beteiligten Parteien rapide ansteigt. Streit unter Kollegen beeinträchtigt das Büroklima und kann sich negativ auf die Produktivität der Mitarbeiter auswirken. Nun liegt es an Ihnen als Führungskraft, den Konflikt zu schlichten und den Bürofrieden wieder herzustellen. Eine Gratwanderung.
Wie entsteht Streit unter Kollegen?
Personelle Veränderungen, Anpassungsdruck oder Fehlkommunikation gelten als häufige Ursachen für Konflikte im Büro. Gerade die im Rahmen der Globalisierung entstandene zunehmende Diversität bei den Mitarbeitern birgt ein hohes Potenzial für Missverständnisse. Der Knackpunkt liegt im subjektiven Gerechtigkeitsempfinden des Einzelnen, so die Expertin Birgit Werkmann-Karcher. Wer sich ungerecht behandelt fühlt, weil er beispielsweise bei einer Beförderung übergangen wurde, reagiert mit einem Spannungszustand. Einige Experten argumentieren zwar, dass Konflikte auch Impulse für neue Entwicklungen setzen können – generell gilt jedoch: ein Streit wirkt immer als Stressor. Er macht Motivation und Zufriedenheit zunichte – Dinge, die für ein gesundes Arbeitsklima unerlässlich sind – und wirkt sich damit störend auf die Teamleistung aus.
Aus diesem Grund ist Konfliktmanagement eine ganz entscheidende Führungsaufgabe – und nicht nur das. Arbeitsrechtlich gesehen haben Sie als Chef sogar die Aufgabe, Konflikte zu schlichten und zwischen den Fronten zu vermitteln, um Büroklima wieder herzustellen. Denn wie sollen Ihr Teammitglieder effizient arbeiten, wenn sie sich in einem Spannungsfeld aus Leistungsdruck und latenten oder offen ausgelebten Streitigkeiten unter Kollegen wiederfinden? „Gibt es Streit zwischen zwei Mitarbeitern, müssen Arbeitgeber jedoch zunächst den Sachverhalt aufklären und zwischen ihnen vermitteln. Dies folgt aus der Fürsorgepflicht und einer Nebenpflicht zum Arbeitsvertrag.“, sagt Ulf Weigelt, Anwalt für Arbeitsrecht. Erst wenn ein Schlichtungsversuch gescheitert ist, könne der Chef die betreffenden Mitarbeiter abmahnen.
Wie kann der Chef den Konflikt schlichten?
Die Prävention
Im Idealfall schaffen Sie ein Umfeld, in dem Konflikte keinerlei Nährboden finden, um sich zu entwickeln. Eine essentielle Rolle kommt damit der Konfliktprävention zu. Sorgen Sie für klare Rollenverteilungen im Unternehmen. Arbeiten Sie eng mit HR zusammen und achten Sie darauf, konfliktfähige Mitarbeiter einzustellen – Mitarbeiter, die kooperativ sind und transparent kommunizieren können. Ein harmonisches Büroklima hängt nicht nur von transparenter Kommunikation und regelmäßigen Mitarbeitergesprächen, sondern auch vom Vertrauen ab, das Ihre Mitarbeiter Ihnen entgegenbringen. Zeigen Sie, dass Sie ein offenes Ohr für die Probleme Ihres Teams haben und nicht nur große Reden schwingen, sondern auch handeln. Sie haben Ulrike aus der Buchhaltung die Unterstützung eines Praktikanten zugesagt? Dann leiten Sie alles Notwendige in die Wege, damit Ihre Kollegin sieht, dass auf Ihr Wort Verlass ist.
Die Intervention
Manchmal hilft die beste Vorbereitung nichts – der Streit bricht aus. Führungskräfte sollten jetzt einem strukturierten Plan folgen: Sammeln Sie zunächst alle wichtigen Informationen und verschaffen Sie sich einen Überblick über die Situation, bevor sie eskaliert.
- Worum geht es in dem Streit unter Kollegen?
- Wer ist daran beteiligt?
- Wie ist das Verhältnis zwischen den Parteien?
- Welches Ziel verfolgen sie?
- Welche Lösungsansätze könnte es geben?
Peilen Sie die Lage, bevor Sie reagieren. Analysieren Sie den Sachverhalt jedoch keinesfalls in der Gruppe – wenn Sie vor versammelter Mannschaft beginnen, mit Fragen nachzubohren, kann das das Konfliktpotenzial zusätzlich anheizen. Setzen Sie lieber auf Einzelgespräche. Wenn es um die Kommunikation geht, sollten Sie mit gutem Beispiel voran gehen. Ratgeber empfehlen, bei Konflikten Ich-Botschaften zu formulieren. Statt Ihren Mitarbeiter anzugiften, er verhalte sich absolut stur und unprofessionell, sollten Sie folgendermaßen kommunizieren:
„Ich bin besorgt, weil ich merke, dass das Arbeitsklima unter Ihrem Streit mit Kollege XY leidet.“ Ich-Botschaften werden eher als Feststellung einer Tatsache verstanden, denn als Anschuldigung. Nachdem Sie die Schilderungen der beteiligten Parteien angehört haben, ist es an der Zeit, die Argumente objektiv zu bewerten – und anschließend zwischen den Streithähnen zu vermitteln. Versuchen Sie, Ihre Mitarbeiter auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Suchen Sie nach Lösungsansätzen, nicht nach Schuldigen. Wenn sich einer der Beteiligten klar im Unrecht befindet, liegt es jedoch an Ihnen, das klar zu kommunizieren. Anderenfalls sollten Sie es vermeiden, sich auf eine Seite zu stellen. Setzen Sie ein Treffen mit beiden Parteien an und erarbeiten Sie gemeinsam eine Lösung, mit der alle Beteiligten leben können.
Wenn Sie als Führungskraft das Gefühl haben, einen Streit nicht mehr allein moderieren zu können, sollten Sie in der Angelegenheit auch den zuständigen Personalverantwortlichen um Unterstützung bitten. Manche Unternehmen rufen in solchen Fällen externe Berater und Coaches zur Hilfe. Das Problem dabei: Sie als Führungskraft wirken schnell überfordert. Besser Sie besprechen die Angelegenheit intern mit einem HR-Spezialisten.
Die Konsolidierung
Nachdem Sie einen Streit unter Kollegen erfolgreich gelöst haben, geht es an die Nachbereitung. Arrangieren Sie ein Follow-up Gespräch mit Ihren Mitarbeitern, finden Sie heraus, ob das Problem wirklich gelöst ist – oder ob es unterschwellig weiterschwehlt. Sollte das der Fall sein, müssen Sie nochmals eingreifen und klare Verhaltensrichtlinien festlegen. Jeder Streit ist eine Herausforderung und gleichzeitig eine Chance, Ihre Führungsqualitäten unter Beweis zu stellen. Außerdem werden Sie aus Vorfällen wie diesen zwangsläufig Erkenntnisse gewinnen, die Sie wiederum zur Prävention von Streitigkeiten unter Kollegen nutzen können. Betrachten Sie berufliche Herausforderungen wie diese als Hindernisse, an denen Sie wachsen können.
