Teamentwicklung: So ziehen alle an einem Strang

Ein guter Feldherr sei nur so gut wie eine halbe Armee, weiß der Volksmund. Anders gesagt: Mitarbeiter bilden die Basis für den Erfolg einer Führungskraft – und stellen gleichzeitig das Grundgerüst für ein Unternehmen. Umso wichtiger ist es, das Team als das zu behandeln, was es ist: Eine unersetzbare Ressource, die gefördert und kontinuierlich weiterentwickelt werden muss.

Teamentwicklung

Wie wichtig die Teamentwicklung und –führung in einem Unternehmen wirklich ist, darüber haben wir in einem Interview mit Florian Grolman, Managing Partner bei der initio Organisationsberatung gesprochen. Das Unternehmen hat bundesweit fünf Standorte und berät zu allen Themen der Organisationsentwicklung: Strategie, Change, Führung, Struktur, Prozesse und Zusammenarbeit.

Warum ist es für Führungskräfte wichtig, ihr Team kontinuierlich weiterzuentwickeln? Was sind dabei Vorteile und Ziele?

Florian Grolman: Teams brauchen gute Bedingungen, um Höchstleistungen zu vollbringen. Dazu gehört,

  • den Kontext der Aufgaben des Teams zu kennen (warum machen wir das?),
  • gemeinsame Ziele zu definieren („Warum tun wir genau dies und anderes nicht?“)
  • und die jeweiligen Verantwortlichkeiten im Team kennen („Wer ist zuständig?“)

Außerdem müssen die Ablaufprozesse optimal gestaltet sein und die Kommunikation im Team muss stimmen. Für diese Bedingungen zu sorgen ist Aufgabe von Führung. Insofern ist Teamentwicklung ein ständiger und fortlaufender Prozess, der jedoch zusätzlich durch „von außen“ moderierte Teamentwicklungs- Workshops und Seminare erleichtert werden kann.

Welches sind die Voraussetzungen für eine effektive Teamentwicklung?

Florian Grolman: Es gibt zwei wirklich wichtige Voraussetzungen: Erstens sollte die Teamleitung das Thema „Teamentwicklung“ zu ihrer Sache machen und die Teamentwicklung voll unterstützten. Zweitens sollte die Führungskraft absehbar noch eine Weile das Team leiten. Nur wenn ein in nächster Zeit ein Wechsel in der Leitung bevorsteht, würden wir empfehlen, mit der Teamentwicklungs-Maßnahme noch etwas zu warten.

Welche Kompetenzen muss eine Führungskraft besitzen, um ein Team entwickeln zu können?

Florian Grolman: Führungskräfte sollten einen geschulten Blick auf die Grundlagen von Führung und Motivation haben. Wir arbeiten da unter anderem mit dem Modell der „Motivations-Rakete“ des Soziologen Hertzberg, weil es so schön anschaulich ist:

Herzberg-Motivationsrakete

Quelle: initio Organisationsberatung

Die Grundaussage des Modells ist, dass die „Hygienefaktoren“ vorhanden und positiv ausgeprägt sein müssen, bevor die „Motivatoren“ wirken können.

Das heißt also: Führungskräfte müssen dafür sorgen, dass beide Faktoren bestmöglich gegeben sind, damit Teams motiviert arbeiten können. Das ist nicht leicht – und erfordert das, was ich „ganzheitliches Management“ nennen würde: Eine Organisation, das eigene Team und letztlich auch sich selbst so zu führen, dass möglichst viele dieser Faktoren sehr gut ausgeprägt sind.

Gerade in Krisensituationen ist es wichtig, dass alle an einem Strang ziehen. Wie erreichen Führungskräfte dies?

Florian Grolman: Wenn es „eng“ wird, raten wir dazu, diese 6 Dinge zu tun:

  1. Transparenz herstellen über die aktuelle Situation („Sagen, was los ist“)
  2. Gefühl der Dringlichkeit erzeugen („Was passiert, wenn nichts passiert?“)
  3. Team einbeziehen („Wie würdet ihr das lösen?“)
  4. Gemeinsam Lösungsansätze erarbeiten und umsetzen („Das müssen wir tun!“)
  5. Fortschritt überprüfen – evtl. nachbessern
  6. Regelmäßige Status-Updates und transparente Kommunikation an das Team („So weit sind wir schon!“)

Das mag simpel klingen – aber in diesem einfachen „Regelwerk“ stecken die Grundsätze von guter Teamführung, die ich oben schon skizziert habe:

  • Kontext erläutern,
  • Gemeinsame Ziele erarbeiten,
  • Und dafür sorgen, dass jede(r) nach seinen Fähigkeiten und Neigungen bestmöglich eingesetzt wird.

Übrigens: Schon die alten Römer wussten, dass kaum etwas so teambildend ist wie ein „gemeinsamer Feind“ – sprich: Eine ernsthafte Herausforderung, die es gemeinsam zu meistern gilt. Insofern sind Krisen aus Teamentwicklungs-Perspektive eigentlich eine gute Sache – man muss ihnen bloß den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.

Das Team als „Mannschaft“ oder die Förderung des Einzelnen – was ist wichtiger, und warum?

Florian Grolman: Das eine geht nicht ohne das andere. Ein Team entfaltet erst dann seine volle Wirkungskraft, wenn einerseits Mitarbeiter in der Lage sind, ihren Job sehr gut zu machen und andererseits eine produktive Teamkultur entstanden ist. Das ist originäre Aufgabe von Führung:

  • Nämlich dafür zu sorgen, dass Mitarbeiter das Wissen und die Fähigkeit haben, um ihre Aufgabe kompetent und effizient zu erledigen
  • Dass dieselben Mitarbeiter durch Erfahrung von positiver Selbstwirksamkeit motiviert sind, sich weiter zu entwickeln
  • und dafür zu sorgen, dass das Team alle Voraussetzungen vorfindet, um produktiv arbeiten zu können.

Das ist zugegeben keine leichte Aufgabe. Wir sagen immer: „Führungskräfte, die nicht führen, sind das häufigste Problem in Organisationen“. Führungskräfte, die wirklich wissen was sie tun, sind entsprechend schwer zu finden.

Die 3 besten Tricks zur Teamentwicklung sind …?

Florian Grolman:

  1. Erstens: Regelmäßige Teamentwicklungs-Workshops machen – am besten an einem Ort außerhalb des Unternehmens. Das ist wie ein „Ölwechsel“ für Teams – wenn man das nie macht, sinkt die Leistungsfähigkeit des Motors und er geht daran unweigerlich zugrunde.
  2. Zweitens: Stets an Zielen und Visionen arbeiten – für das gesamte Team, aber auch für jeden einzelnen Mitarbeiter. Dabei gilt stets: Fordern, aber nicht dauerhaft überfordern. Wenn dieser Spagat gelingt, wirkt das sehr motivierend und gibt Orientierung.
  3. Drittens: Die Zusammenarbeit im Team und die gemeinsame Leistung immer wieder gemeinsam kritisch reflektieren. Die Suchfrage dabei wäre: „Was läuft schon gut, und was könnten wir noch verbessern, um wirklich exzellent zu sein?“ Das kann man alle paar Monate in Teamsitzungen machen. Ganz wichtig dabei: Die abgeleiteten Maßnahmen umsetzen, delegieren und regelmäßig nachverfolgen. So entsteht langsam aber sicher eine Konstanz in der Teamentwicklung und das Team macht die Erfahrung: „Wow, wir haben uns echt verbessert“. Das schweißt zusammen.


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