Der Lebenslauf kann Sie aufgrund seiner formalen Vorgaben durchaus einschränken, wenn es darum geht Ihre Motivation sowie Ihre spezifischen Fähigkeiten zum Ausdruck zu bringen. Das Anschreiben hingegen birgt hier viel Potenzial, Ihren bisherigen Werdegang mit einem ausdrucksstarken Statement noch zu unterstreichen. Nutzen Sie diese Möglichkeit und vermitteln Sie Ihrem potentiellen neuen Arbeitgeber oder dem ambitionierten Headhunter, dass Sie richtig für die Stelle sind.
Vergessen Sie nicht: Das Anschreiben ist in der Regel das erste Dokument, das der Personalverantwortliche oder Top-Recruiter zu Gesicht bekommt. Dementsprechend sollte auf ein optimiertes Bewerbungsanschreiben mindestens so viel Zeit verwendet werden, wie auf die Vorbereitung des Lebenslaufs. Die Richtlinien für Letzteres können Sie jetzt getrost beiseite legen, um das richtigen Anschreiben zu formulieren müssen Sie ganz anders denken. Und wir verraten Ihnen heute wie.
Hier sind unsere Tipps für ein gelungenes Anschreiben.
1. Zukunftsorientierung
Im Anschreiben geht es generell nicht darum, was Sie bereits alles getan haben, sondern was Sie noch alles vorhaben. Es geht nicht um die Vergangenheit, sondern um die Zukunft. Behalten Sie dies im Hinterkopf. Sie haben bereits im Lebenslauf ausführlichst von Ihrem bisherigen Werdegang erzählt und keiner möchte die gleichen Informationen doppelt lesen. Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie vorhaben und versuchen Sie dies bestmöglichst in dem Geschriebenen auszudrücken. Kreieren Sie bei Ihrem Gegenüber eine Vorstellung davon, wie er/sie davon profitieren wird, Sie im Unternehmen zu haben.
2. Achten Sie auf die Formalitäten
Verzichten Sie unbedingt auf unnötige Kreativität außer Ihre neue Stelle verlangt dies. Bleiben Sie formal, einfach und sachlich. Versuchen Sie die generelle Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ zu vermeiden und finden Sie stattdessen heraus, wer Ihre Ansprechpartner ist. Dadurch zeigen Sie gleich Engagement und eine direkte Ansprache wird den Leser positiv überraschen. Beim Layout sollten Sie auf einige wichtige Grundsätze achten wie das Format, die DIN-Größe und den Aufbau.
Häufig wird für ein richtiges Layout auch die DIN5008 vorgeschlagen. Es gibt inzwischen auch Bewerbungseditoren, die Ihnen anhand verschiedener Voreinstellungen einiges an Arbeit bezüglich der Formalitäten abnehmen können. Stellen Sie zudem sicher, in welchem Format Sie das Anschreiben verschicken sollen: als PDF- oder Word-Dokument.
3. Genau durchlesen
Auch wenn es banal klingt: Lesen Sie GENAU nach, was in der Stelle von Ihnen gefordert wird und gehen Sie dann in Ihrem Anschreiben darauf ein. Keiner möchte lesen, was Sie alles tolles gemacht haben und welche Extrakurse Sie belegt haben, wenn das für das Unternehmen nicht relevant ist. Zudem hilft dies um auch zu wissen, welche Informationen für den Bewerbungsprozess von Ihnen verlangt werden und an wen Sie sich richten sollen. Wird eine Gehaltsvorstellung verlangt, dann geben Sie dies an. Wird nach dem frühestmöglichen Eintrittsdatum gefragt, dann gehen Sie darauf ein, womöglich unter Angabe Ihrer Kündigungsfrist. Tun Sie genau das, was von Ihnen verlangt wird und jeder ist glücklich.
4. Wo bewerben Sie sich nochmal?
Informieren Sie sich zuvor ausführlich über das Unternehmen, auf dessen Stellenausschreibung Sie sich bewerben. So bauen Sie bereits eine Beziehung zu der Firma auf und können so automatisch ein überzeugenderes Anschreiben formulieren. Vielleicht finden Sie so gleich ein tolles Projekt an dem Sie gerne mitarbeiten würden. Es wird auf jeden Fall ein gutes Licht auf Sie werfen, wenn Sie sich mit dem Unternehmen bereits etwas auskennen.
5. Inhalt
Überlegen Sie sich eine grundlegende Struktur. Der Textteil sollte nicht mehr als 10 bis 12 Sätze enthalten und sich um 4 grundlegende Aspekte drehen: Wie sind Sie auf die Stelle gekommen? Warum gerade dieses Unternehmen? Warum sind ausgerechnet Sie für die Stelle perfekt? Wann könne Sie zu einem Interview kommen? Nutzen Sie dabei Punkt 4 und 5 und passen Sie den Inhalt auf das Unternehmen und die Stellenausschreibung an. Je direkter, desto besser! In der Industrie, in der Sie sich bewerben ist eine spezifische Fähigkeit besonders gefragt? Na dann unbedingt nennen.
6. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Stärken
Übertreiben Sie nicht zu sehr aber vermitteln Sie dem Leser genau, warum ausgerechnet Sie der/die Richtige für die Stelle sind. Während in den USA eine große Portion Selbstvertrauen durchaus verlangt wird, ist in Deutschland eine bescheidene aber klare Meinung zu den eigenen Fähigkeiten gern gesehen. Seien Sie selbstbewusst aber nicht selbstverliebt, Ihr Gegenüber wird den Unterschied schnell merken. Nutzen Sie aktive Verben, die Ihre Persönlichkeit unterstreichen (z.B. analyiseren, beitragen, motivieren, handeln, entwickeln).
Kreieren Sie Ihre eigene, persönliche Botschaft und vermarkten Sie sich selbst so gut es geht. Die verwendete Sprache sollte so positiv wie möglich sein, formulieren Sie negative Sätze einfach um. Versuchen Sie auch Soft-Skills wie Teamfähigkeit und Zuverlässigkeit zu vermitteln, indem Sie beispielsweise Projekte nennen, an denen Sie gearbeitet haben. Aber Achtung, nicht übertreiben!
7. Standardformulierungen vermeiden
Zunächst gilt es beim Bewerbungsanschreiben die Anrede zu meistern. Hier sollten, wenn möglich, keine Standardformulierungen gewählt werden: „Hiermit bewerbe ich mich auf die Position als …“ dürfte vermutlich in jeder zweiten Bewerbung als Einleitung stehen und hinterlässt dementsprechend gar keinen bis maximal einen unkreativen Eindruck. Im Zweifelsfall beziehen Sie sich in der Einleitung auf ein im Vorfeld stattgefundenes Gespräch – ein solches sollten Sie vor Ihrer Bewerbung auf jeden Fall geführt haben -, schon umgehen Sie die Hürde „Einleitung“ geschickt.
8. Motivation ist alles
Ich gehe mal davon aus, das Sie auch motiviert sind, die Stelle zu bekommen. Dies sollten Sie dann auch ganz klar so vermitteln. Geben Sie dem Leser klar zu verstehen, warum Sie die Stelle wollen und was dies für Chancen für Sie – aber auch für das Unternehmen – bereithält. Versuchen Sie sich auch nochmal zusätzlich für die Stelle zu motivieren, bevor Sie mit dem Anschreiben beginnen. Schreiben Sie sich die 3 wichtigsten Gründe auf, warum Sie die Stelle unbedingt haben wollen. Wenn Sie gedanklich erstmal in diesem motivierten Zustand sind, werden Sie dies auch in dem Geschriebenen besser ausdrücken können.
9. Achten Sie auf Qualität
Dies bedeutet: Keine Rechtschreib- oder Tippfehler! Das wirft ein enorm schlechtes Licht auf Sie und ist ganz einfach zu vermeiden. Oft sind wir selbst blind für unsere eigenen Fehler, nachdem wir das Dokument etliche Male geändert haben. Dann geben Sie es doch einfach Ihrem Partner oder einem Freund zum Durchlesen. Wenn Sie Ihre Bewerbung in gedruckter Form abgeben, dann verwenden Sie auch hochwertiges Papier und gute Druckerqualität, vor allem, wenn Sie ein eingescanntes Foto verwenden. Eine Bewerbungsmappe ist Muss, bitte geben Sie keine lose Blättersammlung ab und achten Sie auf ausreichende Frankierung. Wenn Sie die Bewerbung per E-Mail verschicken, dann auf das Datenvolumen achten.
10. Der richtige Abschluss
Achten Sie hier auf einen formalen und höflichen Abschluss. Vergessen Sie nicht auf mögliche Referenzen hinzuweisen. Und natürlich, dass Sie sich gerne persönliche vorstellen würden und darauf freuen.
Worauf warten Sie? Ich würde sagen, Sie sind bestens für Ihr nächstes Bewerbungsschreiben gerüstet!
