Umzug

Umzug: Mobilität als wichtiger Karrierefaktor

Neuer Job, neue Stadt, neues Glück?

München, Berlin, Gütersloh – heute ist es mehr denn je eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere von Fach- und Führungskräften, mehrmals im Leben den Arbeitgeber zu wechseln. Häufig ist der Karrieresprung mit einem Umzug in eine andere Stadt verbunden. Welche Chancen birgt der Ortswechsel sowohl beruflich, als auch privat? Und wie kann man damit verbundene Herausforderungen am besten meistern?

Umzug

Heute ist ein erfolgreicher Karriereweg ohne mehrmaligen Berufs- und Ortswechsel kaum mehr möglich.

Eine lange Firmenzugehörigkeit ist längst kein Erfolgsfaktor mehr

Früher galt es sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber als Auszeichnung, wenn eine sehr lange Firmenzugehörigkeit verbucht werden konnte. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. „Heute wünscht sich ein Arbeitgeber, dass seine Mitarbeiter, insbesondere die Führungskräfte, nicht nur eine Unternehmenskultur kennen, sondern bereits in mehreren anderen Firmen gearbeitet haben“, erklärt Dirk Brandhoff, Senior Partner der HR-Expertgroup.

„Das sorgt nicht nur für wertvolle Erfahrungen, sondern erweitert auch den Horizont und übt den Perspektivwechsel. Schließlich ändern sich Märkte und die Anforderungen von Zielgruppen heute sehr schnell. Da muss eine gute Führungskraft in der Lage sein, nicht nur auf Veränderungen zu reagieren, sondern neue Trends möglichst früh zu erfassen, das Gras wachsen zu hören, um dann frühzeitig und proaktiv die richtige Strategie einzuschlagen“, so Brandhoff. Auch der Umgang mit verschiedenen Mitarbeiter-Typen wird verbessert, wenn sich Führungskräfte öfter auf neue Mitarbeiter einstellen müssen.

Radikale Änderung des Umfeldes

Meist ist die nächste Sprosse auf der Karriereleiter jedoch nicht in der bisherigen Region zu finden und so muss sich der Kandidat der Herausforderung eines Ortswechsels stellen. Das bedeutet, dass sich das gesamte Lebensumfeld radikal ändert. Nicht nur beruflich müssen sich die Menschen auf eine komplett neue Umgebung einstellen, sondern auch privat. Neues Domizil, neue Infrastruktur, neues soziales Umfeld.

Für den einen eine willkommene Abwechslung und ein aufregender Impulswechsel im Leben, für den anderen ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. „Aus der gewohnten Umgebung, aus der Komfortzone, herauszukommen, ist für Fach- und Führungskräfte eine sehr gute Herausforderung, um zu lernen, Veränderungsprozesse zu bewältigen. Dies führt zu einer wertvollen Prägung der eigenen Persönlichkeit und des Charakters, was wiederum hilfreich für die Karriere ist“, erklärt Dirk Brandhoff.

Hauptmotive für einen Job- und Stadtwechsel

Die Hauptmotive für den Jobwechsel sind vielschichtig und individuell. In erster Linie geht es jedoch darum, die Karriereleiter eine weitere Sprosse emporzuklimmen. „Heute sind die Hauptmotivatoren eine zum Arbeitnehmer passende Unternehmenskultur und die Ausgewogenheit der Work-Life-Balance. Dahinter folgen Entwicklungsperspektiven und zum Schluss das Gehalt. Manche Bewerber sind sogar bereit, auf Gehalt zu verzichten, wenn Unternehmenskultur und Work-Life-Balance stimmen“, sagt der Senior-Partner bei der HR-Expertgroup.

Unterschiedliche Wechselbereitschaft von Fach- und Führungskräften

Natürlich ist die Wechselbereitschaft von Fach- und Führungskräften durchaus unterschiedlich ausgeprägt und hängt von der jeweiligen Lebenssituation ab. So sind Hochschulabsolventen und jüngere Arbeitnehmer sowie Top Manager eher wechselbereit und räumlich mobil, als Experten und Manager mittleren Alters mit Familie.

Jüngere Arbeitnehmer sind meist noch nicht so fest in einer Region verwurzelt und wollen sich weiterentwickeln. Ihnen ist durchaus bewusst, dass dies ohne die Verlagerung ihres Lebensmittelpunktes nicht funktioniert. Auch für Top Manager ist ein Umzug in der Regel kein Problem. „Sie sind es gewohnt, sich räumlich neu zu orientieren, da adäquate Arbeitgeber meist nicht in der gleichen Stadt zu finden sind. Ein weiterer Punkt ist sicherlich auch die finanzielle Unabhängigkeit, da ein Wohnortwechsel auch immer mit höheren Ausgaben verbunden ist“, so Brandhoff.

Umzug: Herausforderung Familie, Partner & Co. meistern

Fach- und Führungskräfte mittleren Alters mit junger Familie zweifeln häufiger, ob sie Ihren Traumjob in einer anderen Stadt annehmen sollten. Sie haben Bedenken wegen ihrer Familie und möchten Frau und Kindern die Aufgabe des bisherigen Lebensmittelpunktes nicht zumuten, die mit Schulwechsel und der Integration in ein völlig neues soziales Umfeld verbunden sind.

„Dass die Familie unter einem berufsbedingten Umzug leidet, ist weit verbreiteter Irrglaube, der sich bei vielen festgesetzt hat. Natürlich verlässt man ein gewohntes, bekanntes soziales Netzwerk. Das Erleben einer neuen Umgebung kann jedoch nicht nur spannend und bereichernd sein, sondern auch den Charakter aller Beteiligten positiv prägen. Diese Erfahrung sehe ich als Vorteil gegenüber Persönlichkeiten, die sich nie neuen räumlichen Herausforderungen gestellt haben. Insbesondere die Kinder werden am schnellsten ihr neues soziales Netzwerk knüpfen und auch an diesen Situationen wachsen. Also keine Angst vor einem Umzug – das ist wie die Würze in einem guten Mahl“, meint Dirk Brandhoff.

Den Kompromiss, den Erstwohnsitz der Familie aufrecht zu erhalten, einen Zweitwohnsitz am Arbeitsort einzurichten und an den Wochenenden zu pendeln, hält Brandhoff langfristig für keine optimale Lösung. „Familien leiden darunter, wenn der Zustand zu lange anhält. Normalerweise stellt man in der Probezeit fest, ob alles passt und danach sollte man auch die Familie nachholen“, so Brandhoff.

Typbedingte Bereitschaft zur Mobilität

Natürlich ist die Umzugsbereitschaft zu einem gewissen Grad auch typbedingt. Auf der einen Seite gibt es sehr aufgeschlossene Menschen, die eine Veränderung als Bereicherung empfinden und sich schnell in neuen Umgebungen einleben – für diese dürfte die berufliche Mobilität kein Problem sein, im Gegenteil. Auf der anderen Seite gibt es auch sehr heimatverbundene Menschen, die ihr bisheriges Leben in einem Ort verbracht haben, die sozial sehr mit ihrem Umfeld verbunden und in Vereinen engagiert sind.

„Jemand, der sich in seinem aktuellen Umfeld sehr wohl fühlt, wird weniger den Drang haben, sich in eine andere Region zu orientieren. Aber jemand der sich weiterentwickeln möchte oder sich bei seinem aktuellen Arbeitgeber nicht wohl fühlt, demjenigen kann man die Angst vor einem Ortswechsel nehmen. Jeder ist seines Glückes Schmied, auch was die Knüpfung von neuen sozialen Netzwerken anbelangt. Und noch einmal – jemand der diesen Weg einmal oder mehrmals gegangen ist, hat sich mit Sicherheit charakterlich und persönlich positiv weiterentwickelt“, erklärt Dirk Brandhoff.

Dirk Brandhoff spricht aus eigener Erfahrung: „Ich selbst bin in meiner beruflichen Laufbahn bereits vier Mal berufsbedingt umgezogen und habe bisher keinen der Ortswechsel bereut. Für mich und meine Familie war das sehr interessant neue Regionen, neue Menschen und neue Traditionen kennen zu lernen. Jede neue Station war eine Bereicherung und hat mich, meine Familie und insbesondere auch die Kinder positiv geprägt. Ich würde das immer wieder so machen. Heute befinde ich mich allerdings in einem Lebensabschnitt, in dem ich mich in meiner ländlichen Umgebung sehr wohl fühle und auch die Ruhe und die Natur genieße“, so Brandhoff.

Unterstützung des neuen Arbeitgebers beim Ortswechsel

Um die Strapazen des Wohnortwechsels besser meistern zu können, greift der neue Arbeitgeber den wechselbereiten Kandidaten meist unter die Arme. „Die neue Firma ist in der Regel bereit, alles dafür zu tun, damit der neue Mitarbeiter sein Unternehmen bereichert. Er wird sich sowohl an den Kosten einer Wohnung für die Dauer der Probezeit beteiligen und ggf. auch an den späteren Umzugskosten. Eine Selbstverständlichkeit ist heutzutage die Unterstützung bei der Wohnungssuche sowie bei der Eingliederung der Familie. Unternehmen, die dazu nicht bereit sind, werden die besten Mitarbeiter nicht bekommen“, so Brandhoff.

Fazit

Heutzutage ist ein erfolgreicher Karriereweg ohne mehrmaligen Berufs- und Ortswechsel kaum mehr möglich. „Der wichtigste Rat an Kandidaten ist, keine Angst vor einem Ortswechsel zu haben. Wer etwas wagt, der wird durch einen Umzug auch gewinnen, nämlich eine Erweiterung des Horizontes, ein neues interessantes Umfeld sowie das Kennenlernen von neuen Menschen. Dabei braucht man die bisherigen guten Beziehungen natürlich nicht aufgeben“, so Brandhoff.

 

 

 



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