Vortrag halten

Teil 1: Panik vor Vorträgen

Noch 10 Minuten… Sie merken, wie Ihre Hände langsam schwitzig werden, Ihre Herzfrequenz erhöht sich und das mulmige Gefühl im Magen ist schon da… Noch 5 Minuten, der Countdown läuft. Gleich werden Sie dort vorne stehen, vor dieser Menschenmenge, dessen Augenpaare wie eine Bedrohung auf Sie wirken. Oh Gott, was ist, wenn die sich lustig über mich machen? Was ist, wenn ich den Faden verliere? Und einfach nicht mehr weiter weiß? Noch 2 Minuten, der Laudator hat bereits mit einer würdigen Einführung Ihrer Person begonnen und macht das Publikum heiß auf Ihren Vortrag. Ihre Hände zittern und Ihre Beine werden weich. Gleichzeitig spüren Sie den kalten Schweiß, den Angstschweiß. 3,2,1…. Los gehts!

Nein, das war keine Szene aus Stephen Kings letztem Thriller. Diese Situation spielt sich gerade mehrfach in verschiedenen Büros oder Konferenzsälen über den ganzen Erdball verteilt ab. Würde man den Herzschlag dieser Menschen auf volle Lautstärke drehen, wären wir alle in der Lage ihn zu hören. Denn der Hauptdarsteller dieser Szene könnte Ihr Arbeitskollege – oder sogar ihr Chef – sein. Aber wieso machen wir uns eigentlich diesen unsäglichen Stress vor einem Vortrag? Es kann anscheinend gar nicht so schwer sein, wenn es inzwischen doch eine ganze Riege an Vortragsexperten gibt, die so unglaublich lässig rüberkommen. Vielleicht schafft ein Blick in die Forschung etwas Aufklärung. Hier ist nämlich in diesem Zusammenhang von dem sogenannten Illusion-der-Transparenz-Effekt die Rede. Dies bedeutet, dass die Panik vor Vorträgen dadurch entsteht, dass wir der festen Überzeugung sind, Andere können unsere Gedanken und Gefühle mehr nachvollziehen als wir es wollen. Wir denken quasi unsere blanke Angst liegt wie auf einem Präsentierteller. Furchtbarer Gedanke. Doch genau das macht uns verwundbar und angreifbar für unsere Zweifel. Und genau hier müssen Sie handeln. Versuchen Sie sich dieser möglichen Falschinterpretation klar zu werden. Denn wenn man einen Effekt erstmal durchschaut hat, fühlt man ihm sich weniger ausgeliefert und sicherer.

Einen Vortrag erfolgreich hinter sich zu bringen, hat verschiedene Phasen. Zunächst gibt es da die Vorbereitung, die essenziell ist. Oft ist man jedoch nach einem Vortrag nicht hunderprozentig mit sich zufrieden, weil es an der richtigen Umsetzung fehlte. Da dies beide sehr wichtige Schritte sind und wir keinen davon zu wenig Aufmerksamkeit schenken wollen, werde ich mich im heutigen Beitrag zunächst auf die Vorbereitung konzentrieren, verweise Sie jedoch jetzt schon gerne auf einen späteren Beitrag zur richtigen Umsetzung Ihres Vortrags. Die richtige Vorbereitung enthält verschiedene Baustellen, an denen Sie arbeiten können. Dies ist zu allererst Ihre Einstellung, Ihr Auftreten und die Präsenz. Dann geht es natürlich um den Inhalt und wie Sie diesen vermitteln wollen. Welche Medien stehen Ihnen zu Verfügung und wie können Sie diese nutzen? Gibt es hier auch mögliche Fallstricke?

Panik vor Vorträgen

 

Hier ist also ein Vorschlag für eine optimale Vorbereitung:

1. Klären Sie die Rahmenbedingungen

  • Was ist ihr Thema? Dies mag nach einer etwas trivialen Frage klingen aber es ist wichtiger als Sie denken. Es macht einen Unterschied, ob Sie die letzten Quartalszahlen präsentieren müssen oder zur aktuellen Homosexuellendebatte Stellung beziehen sollen. Themen können mehr oder weniger Leidenschaft hervorrufen, sowohl bei Ihnen als auch bei Ihrem Publikum. Seien Sie sich dessen bewusst und versuchen Sie kontroverse Themen sensibel zu behandeln und trockene Themen spannend zu machen. Seien Sie kreativ.
  • Wo und wann? Klären Sie rechtzeitig ab, ob Sie in einem kleinen Seminarraum oder in einer großen Aula sprechen. Zu wissen, was auf Sie zukommt, macht vieles leichter und angenehmer. Außerdem wissen Sie, ob Sie ein Mikrofon brauchen und welche Medien Ihnen zur Verfügung stehen. Werden Sie einen Vortrag mit Power Point halten, sollten Sie sich vorher ansehen, wo Sie genau stehen wollen (wenn möglich natürlich) und Ihre Präsentation so vorbereiten, dass auch die Zuhörer in der letzten Reihe auch gleichzeitig Zuschauer sein können – besonders, wenn es ein großer Raum ist. Aber dazu gleich mehr. Wenn Sie morgens einen Vortrag halten ist Ihr Publikum sicherlich noch frischer als Abends. Nutzen Sie also die Gunst der Stunde und bauen Sie eine Beziehung zu Ihren Zuhörern auf: „Einen wunderschönen guten Morgen, um Ihnen den Start in den Tag etwas leichter zu machen, habe ich mir etwas ganz Besonderes für Sie ausgedacht…“ Natürlich ist dies auch etwas von dem folgenden Punkt abhängig….
  • Wer ist Ihr Publikum? Es macht eine riesen Unterschied, ob Sie auf einer Karriereveranstaltung der Universität sind oder gerade Ihrem Chef das neue Projekt vorstellen. Achten Sie auf entsprechende Kleidung, Sprache und einleitende Sätze. Studenten sind meist leichter zu erheitern als ein Vice President, zumindest muss man bei Letzterem deutlich sensibler sein. Setzen Sie hier Ihre Erfahrungen ein oder sprechen Sie mit Kollegen und Freunden über To-Dos und No-Gos.
  • Welche Medien nutzen Sie? Das geliebte Microsoft Power Point... Ein Fluch und Segen zugleich. Die Bandbreite in der Qualität von Präsentationen ist enorm angestiegen. Achten Sie hier auf Einfachheit und fassen Sie sich kurz. Ihre Präsentation soll IMMER Ihren Vortrag ergänzen und nicht für sich alleine stehen. Haften Sie nicht an den Folien, sondern nutzen Sie sie zur Veranschaulichung Ihres Inhaltes. Je nachdem wie lange Ihr Vortrag ist, sollten die Anzahl Ihrer Folien immer weniger als die Hälfte Ihrer Sprechzeit umfassen. Achten Sie vor allem auf die Schriftgröße, auch in Bildern. Jeder im Raum sollte die Folien sehen – und auch lesen können. Überfrachten Sie Ihre Folien nicht. Sie sollen eine Stütze für Sie sein, Ihre wichtigen Inhalte nicht zu vergessen. Es gibt inzwischen auch tolle Alternativen, wie die Präsentationssoftware Prezi, die viel Interaktion möglicht macht und den Zuschauer „mitreißt“.

2. Planen Sie die Vorbereitung

  • Nehmen Sie sich genügend Zeit, Ihren Vortrag zu verfassen und einzuüben. Es gibt Tage, an denen es besser läuft als an anderen. Es ist wichtig, am Ende nicht zu sehr in Stress zu geraten. Also lieber Puffer einplanen
  • Überlegen Sie sich, was Sie sagen möchten. Schreiben Sie sich die wichtigsten Stichpunkte auf und arbeiten Sie sich an diesen Punkten voran. Überlegen Sie sich, wie Sie Ihren Vortrag gliedern wollen und wie viel Zeit (wie viele Folien) Sie gegebenenfalls darauf verwenden möchten. So haben Sie einen Plan vor Augen und Ihr Kopf ist nicht einfach nur voller unstrukturierter Ideen.
  • Auch wenn es immer so einfach aussieht, von dem Zeitpunkt der Idee bis zur fertigen Präsentation dauert es etwas. Vergessen Sie nicht, dass Präsentationsprogramme auch Ihre Tücken haben. Und arbeiten Sie lieber sorgfältig: ein Rechtschreibfehler auf einer Folie kann ganz schön unangenehm sein.
  • Lassen Sie sich am Ende genügend Zeit fürs Einüben (siehe Punkt 3). Überlegen Sie sich, ob Sie lieber frei reden möchten oder ob Sie ein Manuskript benutzen können/sollen/dürfen/wollen. Viele Präsentationsprogramme haben auch eine spezielle Ansicht für den Präsentator, in der Sie Ihre Notizen anzeigen lassen können.

3. Üben, Üben, Üben

Es ist ein schönes Gefühl, wenn die Präsentation fertig ist – damit ist es jedoch noch nicht getan. Auch wenn Sie sich etwas albern vorkommen mögen, schließen Sie die Türen, machen Sie Ihr Telefon aus und stellen Sie sich vor Ihren Schreibtisch. Dies ist eine Generalprobe für Ihren Vortrag. Stellen Sie sich vor, Sie würden jetzt Ihren Vortrag halten und reden Sie einfach darauf los. Keiner wird Sie für verrückt erklären, keine Sorge. Glauben Sie mir, Sie werden sich viel sicherer fühlen, nachdem Sie Ihren Vortrag ein- oder zweimal durchgesprochen haben. Nur so merken Sie, wo es noch hakt und wo Sie noch Verbesserungen vornehmen müssen. Denn: Übung macht den Meister.

Und nun viel Spaß bei der Vorbereitung. Das nächste Mal geht es dann ans Eingemachte, wenn wir Ihnen Tipps geben, wie Sie Ihren Vortrag erfolgreich umsetzen.


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