Jobwechsel

In den Wechseljahren

Warum Headhunter alle drei Jahre zum Jobwechsel raten

Der Münchner Headhunter Christian Pape empfiehlt Kandidaten, sich alle drei Jahre in der Firma nach einem neuen Job umzusehen. Im Berufsleben rund 13-mal die Stelle wechseln – ist das die Zukunft auf dem Arbeitsmarkt?

Jobwechsel

Ein häufiger Jobwechsel kann der Karriere durchaus gut tun. Solange er sinnvoll begründet ist.

Zu wenig Flexibilität macht Bewerber unattraktiv

„HR-Manager wollen Bewerber, die verschiedene Unternehmenskulturen kennengelernt haben“, sagt Headhunter Christian Pape. Erfahrung zählt. Und Flexibilität. Ist der Jobwechsel, früher Option der Unzufriedenen, inzwischen eine Pflichtübung?

„Sogenannte ‚Kaminkarrieren‘, bei denen Bewerber ihr gesamtes Berufsleben nur bei ein und demselben Arbeitgeber verbringen, sind heute nicht mehr zeitgemäß“, so Pape. Gerade in schnelllebigen Branchen wie der IT, wo sich in kurzer Zeit vieles verändert, kann ein zu langes Verharren in einer Position für die Karriere von Nachteil sein. Pape rät Arbeitnehmern daher zum regelmäßigen Jobwechsel – auch im eigenen Interesse, denn mit jedem Jahr im gleichen Unternehmen mache der Arbeitnehmer sich davon abhängiger. Und ist der Job durch einen Schicksalsschlag plötzlich weg – vielleicht weil das Unternehmen Konkurs anmelden musste – kann die Stellensuche schwierig werden. „Je mehr Erfahrungen der Arbeitnehmer zuvor mit unterschiedlichen Jobs und Unternehmenskulturen gesammelt hat, desto leichter findet er eine neue Stelle.“

Bäumchen, wechsel dich – wann ist es Zeit zu gehen?

Also, nach einem Jahr alles hinschmeißen und weiterziehen? „Nein, das nicht – zumindest nicht aus einem Impuls heraus“, sagt Pape. „Ein Sinn muss schon hinter dem Jobwechsel stecken.“ Wer zu häufig und ohne nachvollziehbaren Grund wechselt, wirkt womöglich sprunghaft und wenig ambitioniert. Drei Jahre in einer Firma seien eine Zeitspanne, nach der man sich langsam umorientieren solle, erklärt Pape.
Bei einer durchschnittlichen Karrieredauer von 40 Jahren wären das dreizehn Stellen, die ein Arbeitnehmer im Laufe seiner Karriere innehat. Realistisch? Oder überambitioniert? Und vor allem: Wo bleibt da die Identifikation mit einem Arbeitgeber?
Die ist Studien zufolge immerhin ein wichtiger Grund, warum Arbeitnehmer bei einem Unternehmen bleiben. Mitarbeiter, die sich stark mit ihrer Firma identifizieren, wechseln seltener den Job, weiß Personalexperte Till Lohmann vom Beratungsunternehmen PwC. Und das dürfte auch das Unternehmen freuen, wirkt Loyalität sich doch positiv auf die Umsätze aus.
Identifikation macht also zufrieden. Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Doch warum dann das Spiel mit dem ständigen Wechsel?

Erfahrene Arbeitnehmer: Probier’s mal mit Beständigkeit

Vielleicht ist es im Job ein bisschen wie in der Liebe. In jungen Jahren wird ausprobiert, da werden wertvolle Eindrücke gesammelt. Auch im Job stellen sich die Fragen: Was will ich? Wer passt zu mir? „Ich empfehle Kandidaten, in der ersten Hälfte des Berufslebens möglichst oft zu wechseln, neue Erfahrungen zu machen“, so Pape. In der zweiten „Karrierehälfte“ solle man beständiger werden und sich stärker auf einen Arbeitgeber festlegen.
Wer Glück hat, hat weiß dann schon relativ genau, wie „der Richtige“ (Arbeitgeber) für ihn aussehen muss.

Im Übrigen zählt irgendwann nicht mehr nur die breite Basis an Erfahrung. Wer in einem Unternehmen gefunden hat, mit dem er sich identifizieren kann, die Karriereleiter erklimmen will, braucht mehr Ausdauer. Drei Jahre im Schnelldurchlauf sind in dann wohl nicht genug. In diesem Fall heißt es dann: Probier’s mal mit Beständigkeit. Zumindest eine Weile lang.