Was bedeutet Arbeitskultur für Sie?

Wir haben Ihnen bereits des Öfteren ans Herz gelegt, warum es für jedes Unternehmen wichtig ist, eine eigene Unternehmenskultur zu definieren und dabei den richtigen Mix aus kultureller und persönlicher Vielfalt zu finden. Dabei gilt es zunächst eine wichtige Frage zu beantworten: Wie nehmen Sie selbst die Arbeitskultur an Ihrem Arbeitsplatz wahr? Welche Erfahrungen konnten Sie sammeln und was bedeutet Ihnen die Arbeitskultur vor dem Hintergrund der täglichen Routine? Ich habe mir dazu ein paar Gedanken gemacht und interessante Rückmeldungen erhalten, die sich auf meine Sichtweise dieses Themas ausgewirkt haben.

Wie erleben wir Arbeitskultur: Die Fakten

Als Absolventin des Ingenieurstudiums startete ich 2004 ins Arbeitsleben. Der Hype um das Internet wurde langsam immer geringer und zahlreiche indische Software-Unternehmen stellten unermüdliche junge (und günstigere) Talente ein. Meine Neuanstellung brachte ein 6-monatiges Training meiner technologischen Fähigkeiten aber auch meiner Soft-Skills mit sich. Einige meiner besten Freunde aus der Studienzeit (und noch viele andere) waren ein Teil dieser riesigen „Schulklasse“ (100+ Studenten), die alle auf einmal eingestellt wurden.

Wir hatten einen Campus mit 3 Cafés, einem Fitness-Studio sowie einem Musikraum zur Verfügung – alles nur für uns alleine. Während andere von diesem Vertrauensvorschuss begeistert waren, blieb ich erstmal skeptisch. Immerhin war ich noch andere Zustände gewöhnt. Einen eigenen Computer zur Verfügung zu haben sowie grenzenloses Internet gehörten bisher nicht zu meinen Grundbedürfnissen.

Während der darauffolgenden Zeit bekamen wir immer wieder Unterricht von großen Führungspersönlichkeiten innerhalb des Unternehmens die uns Ihr Wissen zur Verfügung stellten und mit uns Ideen besprachen. Thema war dabei stets die Zukunft der Software-Industrie und wie wir mit dem Campus von Google und dem von Microsoft konkurrieren können. Mit so gut wie gar keiner Erfahrung und 5 Seiten voller Details über Ingenieursprojekte waren wir alle jung und leicht zu beeindrucken.

Wir waren begeistert und optimistisch. In einem Kurs wurden wir mit der Frage konfrontiert, wie wir uns selbst als professionelle Arbeitskraft sehen. Ich war mir sicher, dass ich die besten Ideen von allen hatte und erklärte mich bereit, für meine Gruppe zu sprechen. Mit fast emotionaler und naiver Stimme erklärte ich, dass ich in einem Unternehmen etwas bewirken und den entscheidenden Unterschied hervorbringen möchte. Ich kann mich nicht daran erinnern, was im Endeffekt dabei herauskam aber ich kann mich an eine Teilnehmerin erinnern, die unsere Präsentation bewertete und Ihre Augenbrauen nach oben zog.

Vielleicht erinnerten meine Aussagen an die Wahl zur Miss India aber andererseits war es doch gar nicht so abwägig. Ich war zu der Zeit Trainée und hatte lediglich ein Monat Arbeitszeit hinter mir. Mein Publikum hatte hingegen im Durchschnitt bereits über 15 Jahre Berufserfahrung in diesem Bereich sammeln können. Also akzeptierte ich den Dämpfer, auch wenn sich bei den Augenbrauen meiner Beurteilerin nichts veränderte.

Wie erleben wir Arbeitskultur: Kommunikation

8 Jahre später fand ich mich in Deutschland wieder und überflog meinen Semesterplan. Ich hatte mich bei einem Unternehmen beworben und erhielt einen Telefonanruf. Der Head of Consumer Business bei Experteer, Klaus Mantel, war am anderen Ende der Leitung und seine erste Frage lautete: Was würdest du an dem Unternehmen ändern wollen? Ich war überrascht, hatte mich aber zuvor mit deren Produktpalette beschäftigt und nannte ihm ein paar Punkte. Danach ging ich noch zu einigen anderen Interviews.

In einem persönlichen Gespräch fragte mich Herr Mantel, an welche Veränderungen ich im Detail gedacht hätte und was ich tun würde, um einen nachhaltigen Unterschied umsetzen zu wollen. Während meines Interviews wurde mir klar, dass ich mich zwar für eine existierende Stelle beworben hatte, jetzt aber für etwas ganz anderes vorgesehen wurde. Am Ende meines letzten Interviews fragte mich der CEO Christian Göttsch folgendes: Was würdest du gerne machen? Ein paar Monate später begann ich meine Aufgaben in dem Unternehmen zu übernehmen und etwas auf die Beine zu stellen, dass einen Unterschied machen sollte.

Schließlich hielt ich einen Vortrag über mein neues Markenprojekt: Mein professioneller Vantage Point (das Experteer-Magazine, bitte entschuldigen Sie, falls es sicht etwas kitschig anhört). Herr Göttsch hielt vor meinem Auftritt eine Rede darüber, was „Kultur“ bedeutet. Dies brachte mich dazu, meine eigene Präsentation nochmals zu überdenken und mir wurde klar, dass ich mich für eine derartige Präsentation nicht gut genug vorbereitet fühlte. Für einen kurzen Moment richtete ich meine volle Aufmerksamkeit auf das, was gerade in den Raum geworfen wurde:

Every company has a culture: communicated culture versus factual culture. The factual culture is what you experience in your daily work. We will not write down, ‘document’ or formalize our culture…because it is dynamic and shall remain authentic. Everybody can contribute and make a difference. I encourage you to contribute yours…but that was just my take on it. Everybody has an impact on culture, and so do you (Christian Göttsch, Experteer, 2014)

Meine erste Reaktion darauf war: Das hört sich gut aber nicht richtig an. Ich hatte 6 Jahre Arbeitsalltag bei einem Consulting-Unternehmen hinter mir. Wir rieten unseren Kunden ständig, Werte zu dokumentieren und Aspekte niederzuschreiben. Der Vorteil ist simpel: Ein Unternehmen, das über unterschiedliche Standorte verstreut ist, benötigt Konsistenz. Und dies kann dadurch geschafft werden.

Christian Göttsch wollte jedoch vielmehr folgende zwei Dinge bestärken: Arbeitskultur ist etwas, das sich immer weiterentwickelt und nie stagniert. Es ist ein dynamischer Prozess, real und authentisch. Zudem wollte er klarstellen, dass Papier geduldig ist. Nur, weil wir also unsere Arbeitskultur definieren, bedeutet dies noch lange nicht, dass wir sie auch umsetzen. Ich bin immer versucht zu sagen, dass es immer auf die Bedingungen ankommt. Denn ein großes Unternehmen ist sicherlich etwas völlig anderes als ein Start-up. Obwohl ich mich manchmal frage, warum.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Medium.



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