Job von dem man keine Ahnung hat

Das Trump-Phänomen

Was tun wenn man einen Job ergattert … von dem man keine Ahnung hat?

Donald Trump kennt das: Er arbeitet bald als Politiker, sogar als wichtigster der Welt – obwohl er in der Branche bislang keine Erfahrung vorzuweisen hat. Bewerbern kann es durchaus ähnlich gehen. Da schickt man auf gut Glück seinen Lebenslauf ans Unternehmen, das Vorstellungsgespräch läuft besser als gedacht, weil man irgendwie den richtigen Ton getroffen hat – und schon befindet man sich in einem Job, von dem man wenig Ahnung hat. Was tun? Lernen von Trump.

Job von dem man keine Ahnung hat

Sie haben eine neue Stelle – ihre Aufgaben führen Sie auf völlig neues Terrain! So meistern Sie die Situation.

 „Donald Trump hat sich für einen schwierigen Job beworben, von dem er sehr wenig Ahnung hatte“, analysierte der US-Fernsehsender MSNBC vergangenen November nach der Wahl des Geschäftsmanns zum nächsten US-Präsidenten. Viele andere Journalisten, Politikberater und Beobachter sind ähnlicher Meinung: Trump hat keine Erfahrung als Staatsmann, kennt sich weder auf diplomatischem Terrain noch im Politikbetrieb der Hauptstadt Washington D.C. aus.

 Man könne es ein mit einer Stellenbeschreibung vergleichen, die man nie wirklich gelesen hat, aber auf die man sich trotzdem beworben hat, schreibt MSNBC. Und dann, wenn man die Stelle überraschend ergattert hat, fragt man sich: Was muss ich eigentlich tun?

 Falls man nicht gleich Urkundenfälschung betreibt, fällt es in der freien Wirtschaft schwer, sich einen Job zu sichern, auf den man so gar nicht passt. Der Lebenslauf und Zeugnisse zeigen schließlich bestimmte Abschlüsse und Kenntnisse, die der Bewerber in seinem bisherigen Leben erworben hat. Trotzdem: Sprach- und Softwarekenntnisse können Kandidaten in der Bewerbung schöner reden als sie sind. Ähnlich verhält es sich mit weichen Faktoren wie Führungsqualitäten oder Teamfähigkeit. Was also tun, wenn man eine Zusage für einen Job erhält, über den man wenig weiß?

 Ob er will oder nicht: Trump wird sich in seinen Job einarbeiten müssen. Er wird mehr über Außenpolitik lernen müssen, darüber, wie Diplomatie funktioniert und wie man Twitter nutzt, ohne Staatskrisen herbeizuführen. Viele Berufsanfänger kennen die Situation, sich in ein Thema einarbeiten zu müssen. Wenn sie ihre erste Stelle antreten, merken viele, dass die täglichen Herausforderungen im Job nur wenig mit den theoretischen Inhalten aus dem Studium gemein haben. Trotzdem lernt man, die Aufgaben zu bewältigten, Schritt für Schritt. Jeder Mensch kann sich in jedes Thema hineinfuchsen, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Das gilt auch für Menschen, die wenig Ahnung von ihrem neuen Job haben.

 Trump hat bei seiner neuen Aufgabe einen weiteren Trumpf in der Hand. Er kann auf die Expertise eines großen Teams, bestehend aus erfahreneren Politikern und Beratern, zurückgreifen. Wer sich auf eine Führungsposition beworben und diese überraschenderweise erhalten hat, kann womöglich auch von einem fähigen Team profitieren – oder sogar neue, fähige Mitarbeiter einstellen. Aber Vorsicht: Merken diese, dass ihre Führungskraft keine Ahnung hat, könnte er oder sie die längste Zeit Chef gewesen sein. Trump, der für vier Jahre vom Volk gewählt wurde, hat hier ein leichteres Spiel als Manager, die meist schneller und unkomplizierter entlassen werden können.

 Viele US-amerikanische Wähler haben dem Geschäftsmann Trump ihre Stimme gegeben, weil sie sich von ihm neue Impulse erhoffen. Er hat den Bürgern versprochen, Amerika wieder großartig zu machen, indem er das Land wie ein Unternehmen steuern will. Auch in der Wirtschaft setzen viele Unternehmen auf Quereinsteiger: Ein Mathematiker oder eine Medizinerin können etwa gute Unternehmensberater sein, weil auch sie in ihren Fachbereichen gelernt haben, Probleme zu lösen – nur eben auf eine andere Weise wie ein klassischer Betriebswirt. Nur weil ein Bewerber glaubt, für seine neue Stelle nicht ausreichend qualifiziert zu sein, muss das also noch lange nicht heißen, dass er es nicht doch ist.

 Im Zweifel kann es allerdings nicht schaden, die Jobbeschreibung einfach zu lesen. Zumindest dann, wenn es um eine verantwortungsvolle Position geht. Zum Beispiel um das wichtigste Amt der Welt.

Ein Kommentar von Felicitas Wilke

Felicitas Wilke klein

Felicitas Wilke hat BWL und Journalismus studiert und die Deutsche Journalistenschule besucht. Sie arbeitet als freie Journalistin in München.

Beruflich begeistert sie sich für Themen rund um Wirtschaft, privat bereist sie gerne Skandinavien und hat ein Herz für schwarz-gelben Fußball aus dem Ruhrgebiet.


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