Vom Floskelkasper zum Kommunikationschef

Warum Manager im Büro anders sprechen (und warum sie es lassen sollten!)

Gehören Sie auch zu den unumstrittenen Floskelkaspern im Büro? Dann befinden Sie sich in guter Gesellschaft, denn viele Manager sprechen im Arbeitsumfeld eine andere Sprache. Es gibt durchaus gute Gründe für den Einsatz einer spezifischen Managersprache. Die Sie langfristig aber eher ins Abseits führen wird. Wir erklären, warum Sie sich eher heute als morgen vom liebgewordenen Managerjargon verabschieden sollten.

Im Arbeitsalltag sprechen viele Führungskräfte andres als privat. Warum das so ist – und weshalb sie es sich schleunigst abgewöhnen sollten.

Manager sind eine eigene Spezies. Und als solche leben sie in ihrer eigenen Welt, einem eng begrenzten Habitat – dem Büro. Dort sind sie unter sich und haben eine eigene Sprache entwickelt: den Managersprech. Der für Außenstehende nur schwer verständlich ist. Sobald der Manager aber seinen Lebensraum verlässt, legt er gleichzeitig mit seinem Anzug auch noch den Managersprech ab und redet – ganz normal. Warum sprechen Manager im Büro anders als im Privatleben? Und wie finden Sie aus diesem sprachlichen Irrgarten wieder heraus?

Voll leerer Floskeln

Die Managersprache strotzt nur so vor Businessfloskeln. Die hübsch klingen. Aber letztlich nichts aussagen. Da wird von zeitnahen Issues und redundanten Abstimmungsprozessen geschwafelt, werden innovative Prozesse angeflanscht und Bottlenecks auf der To-do-Liste gefeatured. Schaurig schöne Sprachwelt.

3 Gründe für die Verwendung von Managersprache

Aber die Managersprache wäre nicht so erfolgreich, wenn sie nicht zumindest einige Vorteile hätte, die Kommunikationsexperte Michael Fischer und Karrierecoach Dr. Christine Gindert erläutern.

  • Sie wollen mitreden und Kompetenz zeigen

Wenn Sie Manager-Floskeln verwenden, tun Sie dies vor allem aus einem Grund. Sie möchten Ihrem Gesprächspartner folgendes Gefühl vermitteln: Ich spreche mit Dir auf Augenhöhe. Denn was gibt es Schlimmeres für einen Manager, als das Gefühl nicht dazuzugehören? Durch das Verwenden allseits bekannter Begriffe zeigen Sie als Manager, dass Sie die sprachlichen Codes aus dem Effeff beherrscht. Sie möchten und können auch mitreden. Damit legen Sie Kompetenz an den Tag – oder täuschen sie vielleicht auch nur vor … Das wissen Sie selbst am besten.

  • Sie wollen sich differenzieren

„Durch die Verwendung von Managerfloskeln differenzieren Sie sich gleichzeitig von Anderen“, erläutert die Münchner Psychologin Dr. Christine Gindert. „Sie zeigen durch Ihre Sprache Grenzen auf – gegenüber anderen Abteilungen, Kollegen, Bereichen.“ Das schafft einerseits eine gehörige Distanz, die in bestimmten Situationen durchaus sinnvoll sein kann, wenn es etwa um das Durchsetzen eigener Interessen geht, sorgt schlimmstenfalls (also im Worst Case-Szenario, wie Sie jetzt floskelhaft sagen könnten) für eine Demotivierung der Mitarbeiter.

  • Sie sind überfordert

Ein weiterer Grund für übertriebenen Einsatz der Managersprache: Hinter Floskeln können Sie sich wunderbar verstecken. Etwa dann, wenn Ihnen eine klare persönliche Aussage als zu riskant erscheint „oder Sie sich als Manager emotional oder kognitiv einfach überfordert fühlen“, ergänzt Gindert. Dies kann mit weitreichenden strategischen oder finanziellen Entscheidungen oder komplexen Personalthemen zusammenhängen. Die Sprache dient Ihnen als Schutzschild.

Warum Sie der Managersprache adé sagen sollten

Kein Zweifel, der Einsatz von Floskeln und Managersprache kann für Sie in bestimmten Situationen aus den genannten Gründen durchaus nützlich sein. Dennoch sollten Sie sich die Frage stellen: Wollen Sie sich sprachlich wirklich so sehr verbiegen, klein- und gleichmachen, dass Sie sich selbst Ihrer größten Stärke berauben – der Individualität? Der Kommunikationsexperte Michael Fischer warnt: „Gehen Sie mit Ihrer Sprache gerade in postfaktischen Zeiten extrem sorgsam um. Das gilt vor allem im hohen Kommunikationstempo des digitalen Berufslebens, wo durch den inflationären Einsatz hohler Phrasen und Floskeln rasch dramatische Missverständnisse auftreten. Etwa dann, wenn Sie Ihren Mitarbeitern eine unangenehme Botschaft überbringen müssen. Verkaufen Sie Ihre Gesprächspartner auf keinen Fall mit Tatsachen verschleiernden Floskeln für dumm. Ihre Wortwahl sollte exakt und passend sein. Offen und ehrlich.“

Eine klare Sprache als USP

Eine saubere individuelle Kommunikation ist als Ihre sprachliche Visitenkarte ein gewaltiges Pfund, mit dem Sie wuchern können. Unser Tipp zum Einstieg: Legen Sie eine Blacklist an – auf der Sie alle Floskeln notieren, die Sie ab sofort nicht mehr verwenden möchten. Suchen Sie stattdessen nach klaren und ausdrucksstarken Varianten.

Der Weg ist mit Sicherheit steinig, wird sich aber langfristig für Sie auszahlen, wenn Sie im Unternehmen dann als jener Manager bekannt sind, die „als einziger die Dinge beim Namen nennt“. Die Vorteile für Sie: Ihre Sprache wird von Kollegen, Chefs und Mitarbeitern als verständlich wahrgenommen. Sie selber gewinnen mit Ihrer Art zu sprechen und auch zu schreiben eine gehörige Portion Authentizität. Man erkennt, dass Sie für eine Sache oder auch für eine Haltung stehen. Und man wird Sie gerade dann, wenn es um das Führen konstruktiver Diskussionen rund um elementare Themen geht, als wichtigen Sparringspartner einbinden. Schon sind Sie vom Floskelkönig zum Kommunikationstreiber geworden. Noch so eine Floskel … Aber verstanden haben Sie sie schon, oder?

Über den Autor

joergurbachJörg Peter Urbach ist Autor, Redakteur und Blogger aus Sprachleidenschaft. Seit mehr als 25 Jahren schreibt er. Für Print und Online. Konzepte. Geschichten. Fachartikel. Als langjähriger Chefredakteur des Portals wissen.de und des Brockhaus Digital weiß er, wie man Leser begeistert und Themen findet. 

Wenn der gebürtige Kieler nicht schreibt, durchwandert und fotografiert er die Alpen. Oder lauscht der Oper. Mit Achtsamkeit.