Wie wird man Headhunter - Hinter den Kulissen mit Julian von Blücher.

Wie wird man Headhunter? Hinter den Kulissen mit Julian von Blücher

Es gibt keinen Studiengang, der einen darauf vorbereitet, wie man ein Headhunter wird“, sagt Julian von Blücher, CEO und Gründer der Personalberatung Talent Tree GmbH. Das ist wahr – obgleich Headhunting als effektive Methode begriffen wird, um Unternehmen mit den passendsten Kanditaten zusammenzubringen, gibt es keine Ausbildung, kein Studium, kein Training für diesen Beruf. Headhunter sind Menschen, die die Fähigkeit besitzen zu vermitteln, die einen Sinn dafür haben, wie sie die richtige Stelle für einen Kandidaten finden – oder den perfekten Kandidaten für ein Unternehmen. Wir haben mit Headhunter Julian von Blücher über seinen Werdegang und seine Prognosen für die Zukunft des Headhuntings gesprochen und ihm die essentielle Frage gestellt: „Wie wird man Headhunter?“

Wie wird man Headhunter_Hinter den Kulissen


So ganz ohne formelle Ausbildung und ohne offizielle Leitlinien – wie fängt man an im Headhunting-Business?

„Man braucht eine gewisse Branchen-Expertise“, sagt Blücher. „Für uns ist das die Start-up-Szene.“ Blüchers Erfahrungen liegen besonders in den Bereichen Nachhaltigkeit und Technologie. Noch genauer, in der Vereinigung dieser Gebiete – darin, wie Start-ups und Technikunternehmen einen nachhaltigeren sozialen Wandel herbeiführen können. Inspiriert von einer Reise zum Nordpol wie auch einem Mountainbike-Trip über mehrere Kontinente und über den Himalaya, arbeitete Blücher zunächst im Bereich Sustainability bis sich ihm eine perfekte Gelegenheit bot – der Ecosummit in Berlin. 2010 stieg er hier als Chief Sustainability Officer ein. Durch seine Arbeit bei der Konferenz, die er als „das clevere grüne Business-Netzwerk, das Start-ups und Investoren in einer schlichten Tech-Space verbindet“ beschreibt, erkannte Blücher sein Geschick dafür, Menschen miteinander zu vernetzen.

„Alles hat mit Ecosummit angefangen“, sagt er. „Es hat mir Spaß gemacht, Leute miteinander bekannt zu machen. Ich dachte, ‚die sollten sich mal treffen und gemeinsam etwas auf die Beine stellen.‘ Ich war kein Personalmanager, es war meist nur ein Gefühl.“ Alles begann mit „zwei oder drei Glückstreffern“, einigen Kooperationen, die gut funktioniert haben, so Blücher. Doch nachdem ein Unternehmen sich für seine Fähigkeit zum Netzwerken mit einem dicken Scheck bedankt hatte – ohne dass er dabei einen Vertrag mit der Firma oder die Erwartung einer Vergütung gehabt hätte – erkannte Blücher, dass er mit eben dieser Fähigkeit wirklich Geld verdienen konnte. „Das war ein Zeichen für mich – die Leute waren bereit, für den Service zu bezahlen, den ich bereits anbot… Das war der Punkt, an dem ich in Erwägung gezogen habe, diese Fähigkeit in ein Business zu verwandeln.“

Seitdem hat Blücher seine Headhunting-Fähigkeiten perfektioniert, sich ein Team aus Headhunters aufgebaut und mit großen Klienten wie Tesla und Freeletics gearbeitet. Er betont aber, dass Talent Tree mit verschiedenen Arten von Klienten zusammenarbeitet – von Start-ups über Venture Capital Firmen bis hin zu großen, alteingesessenen Unternehmen. Obgleich sein eigenes Unternehmen noch jung ist, hat es schon jetzt in der Münchner Tech-Community Fuß gefasst.

Um sein eigenes Headhunting-Unternehmen aufzubauen stellte Blücher ein vielseitiges Team zusammen. Drei weitere Headhunter arbeiten für Talent Tree und Blücher betont, wie gut sie sich gegenseitig ergänzen. „Martina,“ sagt er über seine Senior-Recruiterin, „arbeitet viel strukturierter als ich. „Ich bin eher der kreative, konzeptuelle Typ – das macht mich zum besseren Netzwerker. Sie dagegen liebt es zu Zahlen zu tracken. Wenn wir unsere Kompetenzen zusammenlegen, sind wir ein gutes Team.“ Auch über seine Neuzugänge im Team hat er viel Gutes zu berichten. Einer davon hat bereits umfassende Erfahrungen im Recruitment an Universitäten gesammelt, obwohl er noch sehr jung ist. Ein anderer dagegen hat 15 Jahre Recruiting-Erfahrung in der Technik-Branche. Und Jay Anna, die dem Unternehmen in ein paar Wochen beitreten wird, hat davor für McKinsey & Company gearbeitet. Blücher will sich vor allem stärker auf einen kandidatenfreundlichen Service konzentrieren – Jay Anna soll seine Klienten dabei unterstützen, wenn sie sich beruflich verändern oder einen Karriereschritt machen wollen. Mit solchen Ideen denkt Blücher im Vergleich zu anderen Headhuntern tatsächlich sehr kundenfreundlich. Während die meisten Interaktionen zwischen Headhuntern und Kandidaten vom Personalberater kontrolliert werden, gibt Blücher Stellensuchenden auch Ratschläge, wie sie mit erfahreneren Recruitern in Kontakt treten können.

Es sei essentiell, dass Stellensuchende sich umhören und mit verschiedenen Leuten reden, sagt Blücher. „Wenn man aus einem Senior Netzwerk kommt gibt es immer jemanden, der einen Headhunter kennt.“ Wer offen kommuniziert, dass er eine Karrierechance sucht, kann sich also selbst Chancen schaffen. Wenn Kandidaten überdies Karrierenetzwerke wie Experteer nutzen, um eine neue Position zu finden, sollten sie jedoch aktiv bleiben und darauf achten, dass ihr Profil immer aktuell ist – damit steigern sie ihre Sichtbarkeit bei ihren Kontakten und erregen im besten Fall die Aufmerksamkeit von Headhuntern.

In unserem Gespräch bezieht sich Blücher mehr als einmal auf zwei Methoden des Kandidaten-Matchings, die er als den „Schrotflinten-Ansatz“ und das „Scharfschießen“ beschreibt. Beim ersten nutzt ein Headhunter Kandidaten-Netzwerke wie Experteer oder Twitter. Hier finden sich zahlreiche qualifizierte Kandidaten, die Personalberater auch für zukünftige Positionen im Hinterkopf behalten können, wenn derjenige auf eine aktuelle Stelle nicht hundertprozentig passt. „Scharfschießen“ hingegen bezieht sich, wie der Name schon sagt, auf die zielgerichtete Suche nach einem bestimmten Kandidaten – der Ansatz ist jedoch mit sehr viel Recherche und einer Menge Arbeit verbunden. „Scharfschießen benötigt viel mehr Zeit und Ressourcen“, erklärt Blücher. „Bei dieser Methode müssen beide Seiten Einsatz zeigen. Damit sind auch die Erwartungen bei beiden Parteien dementsprechend hoch.“ Bei dieser Art von Arrangement zahlt der Klient meist im Voraus, da der Headhunter im Vorfeld viel Zeit investieren muss, um einen geeigneten Kandidaten zu finden. Aber nicht jeder Klient lässt sich auf eine Vorauszahlung ein – für diese bleibt jedoch noch immer das „Schroflinten-Pronzip“.

Heutzutage können Headhunter auf verschiedene Arten passende Kandidaten finden. Der Verlass auf eine einzige Strategie sei jedoch nicht weise, glaubt Blücher. Aus diesem Grund verfolgt Talent Tree verschiedene Ansätze. Im Moment nutzt das Team Technologien wie spezifische Crawler im Web, oder automatisierte Programme, die das Internet systematisch nach potenziellen Kandidaten durchforsten. „In der Zukunft werden Headhunter vermehrt datengetriebene Modelle nutzen“, meint Blücher.“ Diese Programme bewerten Kandidaten „nicht nur anhand seiner Fähigkeiten, sondern erkennen auch, wie jemand tickt. Das klingt ein bisschen unheimlich, aber ich glaube das ist die Richtung, in die uns die Innovationen im Bereich Headhunting führen werden.“ Auch weitere intelligente Technologien werden dabei helfen, den richtigen Kandidaten mit dem richtigen Unternehmen zusammenzubringen, glaubt Blücher. Da dessen Spezialgebiet die Technologie ist, wird Talent Tree beim Einsatz solcher Methoden also mit Sicherheit vorne mitmischen.

Natürlich ist das Team von Talent Tree auch für die „Offline-Methoden“ zu haben und glaubt an den beinahe schon altmodischen Austausch von Visitenkarten und das gute alte Networking. Außerdem ist Blücher immer offen für die Ansprache durch Kandidaten. „Gerade Referrals sind für uns extrem wichtig, wenn es darum geht, Talente im Bereich der Technologie ausfindig zu machen. Wir sagen das nicht so oft, aber wenn jemand einen guten Kandidaten oder einen Freund empfiehlt, profitieren davon der Kandidat und derjenige, der diesen Kontakt weitergegeben hat.“ Wenn Sie also nach einem direkten Weg in die Datenbank eines Headhunters suchen, brauchen Sie nur einen Freund mit einem Recruiterkontakt, der Ihren Lebenslauf verschickt. Was Blücher am Referral Hiring besonders beeindruckt ist die Tatsache, dass dabei weder Geld oder eine Belohnung eine Rolle spielen, sondern dass Leute wirklich für einen Kandidaten einstehen, den sie empfehlen – und eben dies ist oft ausschlaggebend.

Weil auch das Team von Talent Tree nicht unbegrenzt Zeit hat, findet nicht jede Mail oder jedes Referral eine Antwort – dennoch schätzen die Teammitglieder den Wert einer guten Kandidatendatenbank. „Wir verstehen die Karriereziele der Menschen in unserer Datenbank wirklich“, sagt Blücher, „und wir wollen diesen dabei helfen ihre Wunschposition zu finden. Wir geben uns viel Mühe dabei, mit Kandidaten Kontakt zu halten, auch nachdem sie einen Karriereschritt erfolgreich bewältigt haben. Man trifft sich schließlich immer zweimal im Leben.“

Headhunting sei viel mehr als nur die Identifikation von passenden Kandidaten für eine Stelle. „Es geht um die ganze gemeinsame ‚Reise‘ von Kandidat und Headhunter“, meint Blücher. Und hierbei zeigt sich der Wert seiner Fähigkeit zum Netzwerken. „Beim Headhunting geht es darum, Menschen zusammenzubringen und großartige Teams aufzubauen. Das ist unsere Aufgabe.“

Experteer bedankt sich bei Julian Blücher für diese interessanten Einblicke und wünscht ihm viel Erfolg für die Zukunft.


Julian Von Bluecher

Julian von Blücher ist der Gründer und CEO der Talent Tree GmbH, die sich darauf spezialisiert hat, neue Talente für Technik-Start-ups in München und deutschlandweit zu finden. Julian ist durch seine Fähigkeit zum Netzwerken und sein Interesse an anderen Menschen zu einer Karriere als Headhunter gekommen.

Während seiner Zeit als Wirtschaftsingenieur hat Julian als Berater, Eventmanager und Incubation Manager für Start-ups und Technikunternehmen gearbeitet. Der Gründer von Talent Tree konzentriert sich inzwischen auf die Bereiche Client Management, Business Development und Tech Recruiting. In seiner Freizeit hat er bereits eine Reise zum Nordpol unternommen, die Wüste Gobi durchquert sowie den Himalaya mit dem Mountainbike bezwungen.


Experteer wurde von Focus als eines der Top Karriere Portale 2015 ausgezeichnet.

 



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